Brandverhalten von Dämmstoffen

Beim Lesen einer der letzten Ausgaben der Zeitschrift Das Dachdecker-Handwerk (DDH) bin ich über einen Artikel gestolpert, in dem es darum geht soll, wie man mit Qualität dämmt. Der Untertitel:

Für den Baubereich spielen Hartschäume eine sehr wichtige Rolle. Welche Eigenschaften EPS (expandiertes Polystyrol), XPS (extrudiertes Polystyrol) oder PUR (Polyurethan) haben, lesen Sie hier.

Fein, dachte ich, hier kann ich noch was lernen… bis ich dann zum Abschnitt über „Brandschutzeigenschaften für Sicherheit“ kam.

Dort schreibt Ekkehard Fritz, seines Zeichens Fachbereichsleiter Steildach bei der Paul Bauder GmbH & Co. KG, einem der führenden Produzenten von u.a. Dämmstoffen aus Polyurethan (PUR) in Deutschland, folgendes über die vermeintliche Brandsicherheit von Dämmstoffen aus Polyurethan:

Dachflächen über 2.500 Quadratmeter sind entsprechend der Industriebaurichtlinie so auszubilden, dass eine Brandausbreitung über das Dach verhindert wird. Diese Vorgabe gilt bei Dächern dann als erfüllt, wenn diese entsprechend den Vorgaben der DIN 18234 ausgeführt werden. Diese Anforderungen lassen sich zum Beispiel mit PUR-Hartschaum-Dämmstoffen einfach und wirtschaftlich erfüllen. Mit PUR gedämmte Flachdächer erfüllen auch die strengen Vorgaben nach FM Global, einem der im Industriebereich weltweit agierenden Brandversicherer. Die geprüften Flachdachkonstruktionen zeigen, dass ein mit PUR gedämmtes Flachdach die gleichen hohen Sicherheiten bieten kann wie ein mit einem nicht brennbaren Dämmstoff gedämmtes Dach. Man sieht an diesen Beispielen, welche brandschutztechnische Sicherheit in PUR-Dämmstoffen steckt.

Aha, man kann also aus einem Dämmstoff der Baustoffklasse E nach DIN EN 13501-1 (oder B2 nach alter deutscher DIN 4102-1), also Polyurethan- bzw. Polyiso-Hartschaum, eine Konstruktion herstellen, die im Brandfall genauso sicher ist wie ein Produkt der Baustoffklasse A1 oder A2, also einem nicht brennbaren Dämmstoff wie Mineralwolle?! Na, das ist ja mal eine gewagte Aussage, wenn diese Konstruktionen dann auch noch „einfach und wirtschaftlich“ ausführbar sein sollen.

Lieber Herr Fritz, Ihren Drang Dämmstoffe aus Polyurethan in Fachkreisen zu bewerben in allen Ehren, aber meinen Sie nicht, dass diese Ansprüche ein klitzekleines wenig zu hoch für die von Ihnen genannten Konstruktionen angesiedelt sind? Immerhin reden wir dann nicht länger von Flachdächern, die einfach mit ebenfalls brennbaren Bitumenbahnen abgedichtet werden können.

Liebe Redaktion DDH, Ihren Drang die Seiten Ihres Magazins füllen zu wollen in allen Ehren, aber wäre es angesichts der zahlreichen haarsträubenden Aussagen in dem genannten Artikel nicht an der Zeit, den Review-Prozess für Fachartikel in Ihrem Hause zu überdenken. Immerhin können fachlich nicht fundierte Aussagen im Bereich Brandschutz Menschenleben kosten. Sie müssen sich ja nicht gleich mit Zeitschriften wie der Bautechnik messen, aber ein wenig mehr Objektivität wäre schon angebracht.

Zum Abschluss noch ein Video von den Bränden auf Sylt im Sommer diesen Jahres. In Anbetracht der Farbe und Intensität des Rauches gehe ich nicht davon aus, dass das Dach mit nicht brennbaren Materialien gedämmt war.


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