Heimwerkerland

Werkstatt eines HeimwerkersDeutschland ist ein Land der Heimwerker. Es kann vermutet werden, dass diese Tradition eine Folge der Nachkriegszeit ist, wo der Hausherr aufgrund der Umstände selber versuchen musste, Haus und Heim bewohnbar und später auch wohnlich zu machen. Heute wird der Heimwerker eher aus idealistischen Gründen aktiv. Manche wollen ihre Kreativität ausleben, manche Geld sparen und manche habe schlicht Freude an handwerklicher Arbeit. Es werden kleine und große Schäden beseitigt, es wird Wohnraum sowohl geschaffen als auch verschönert und es wird nicht zuletzt auch der eigene Garten gehegt und gepflegt.

Musste sich der Heimwerker in den Jahren nach dem Krieg Werkzeug und Baumaterial auf mühsamen Wegen organisieren, etablierten sich bald Händler, die sich beispielsweise auf den Verkauf von Eisenwaren, Farben oder Holzprodukten spezialisiert hatten. Der Entwicklung wurde 1957 auch mit der Einführung des Heimwerker-Magazins „selbst ist der Mann“ Rechnung getragen. Im Jahr 1960 wurde dann der erste Baumarkt in Mannheim eröffnet. Hier konnte der Kunde in Anlehnung an das Geschäftsmodell der ‚Hardware Stores‘, die es in den USA schon gab, nahezu alle benötigen Waren für das Selbermachen unter einem Dach finden.

In den Jahren danach wurde dieses Modell auch in Deutschland zu einem Erfolg und zu Bauhaus gesellten sich Ketten wie Hornbach und OBI. Letzterer gehört seit 1985 mehrheitlich zur Tengelmann-Gruppe und ist heute Marktführer in Deutschland in Sachen Umsatz, Mitarbeiter, Filialen und Beliebtheit. Ein wesentlicher Teil des Umsatzes (über 40%) der großen Baumarktketten wird allerdings im europäischen Ausland generiert. Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld für Baumärkte sind Gartencenter, die vielen Filialen angegliedert sind. Die klassischen Warengruppen nehmen heute nur noch etwa 2/3 der Verkaufsfläche ein.

2013 wurden in Baumärkten weltweit fast 400 Milliarden Euro umgesetzt. Auf Nordamerika und Europa entfielen dabei 94%, wobei Europa nur für ein knappes Drittel des Umsatzes verantwortlich zeichnet. Während viele große US-amerikanische Ketten ihren Fokus auf den heimatlichen Markt inkl. Kanada und Mexiko legen, wachsen britische, französische und deutsche Baumärkte wie bereits angeführt durch internationale Expansion.

Der deutsche Markt erfährt in den letzten Jahren allerdings einige Veränderungen. Alleine in Deutschland soll es Ende 2013 über 5500 Baumärkte und Baustoffhändler gegeben haben. Angebote und Konzepte wurden vom Kunden als größtenteils austauschbar empfunden und für das Überleben von Konzernen mussten neue Geschäftsstrategien entwickelt werden. So übernahm beispielsweise Hellweg, das seine Schwerpunkte in den Regionen Rhein-Ruhr und Berlin hat, Anfang 2012 die Bau- und Gartenmärkte von BayWa, um sich auch im Süden der Republik positionieren können. 2013 kam es dann zur Insolvenz von Praktiker, deren Filialen in der Folge zu knapp zwei Drittel von anderen Baumarktketten übernommen wurden.

Der Umsatz schwächelte aus diesem Grund in den letzten beiden Jahren auch ein wenig und lag 2014 bei 43,2 Milliarden Euro, verglichen mit 44,4 Milliarden im Jahr 2012. Bei negativer Entwicklung im Kerngeschäft konnten aber Geschäftsbereiche wie Holzhandel und Onlinehandel den Abwärtstrend etwas bremsen. Hinzu kommt eine deutlich positive Entwicklung beim Umsatz von Gartenartikeln, die jedoch nicht zuletzt sehr wetterabhängig ist.

Dem Selbstverständnis des Deutschen als Heimwerker tut dies aber keinen Abbruch. Es wird nach wie vor mit Begeisterung gesägt, gestrichen und gepflanzt. Auch Baumärkte und Medien wirken dem Trend mit direkter Werbung sowie entsprechenden Fernsehformaten entgegen. Geändert hat sich jedoch das Kundenbild, wonach heute vermehrt Frauen als Zielgruppe beworben werden.

Veränderung ist eben oft auch positiv.

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