Die KfW, die Gütegemeinschaft und die DIN 18599

Logo der Gütegemeinschaft 18599Vor mehr als 2 Monaten hatte sich die KfW-Förderbank bereits dazu entschlossen, Berechnungen zum KfW-Effizienzhaus auf Basis der DIN V 18599 bis auf weiteres wegen zu großer Abweichungen der Ergebnisse nicht mehr zu akzeptieren. Gleichzeitig wurde der Fachverband, d.h. die Gütegemeinschaft 18599, um Nachbesserung der Rechenprogramme gebeten. Diese hat sich nun ihre eigenen Gedanken zum Problem gemacht und auf einem Fachgespräch mit allen Beteiligten am Dilemma vorgestellt.

Dabei wurden auch die Berechnungsergebnisse präsentiert, welche die KfW zu ihrem drastischen Schritt veranlasst haben. Hierbei wird deutlich, dass die KfW ihre Entscheidung hauptsächlich auf Unterschieden zwischen Berechnungsergebnissen nach DIN 4701-10 bzw. 4108-6 verglichen mit solchen nach DIN V 18599 aufbaut. Diese betragen in den vorgestellten Fallbeispielen zwischen 17 und 60%. Nach Ansicht der Softwarehersteller sind Unterschiede in den Ergebnissen der beiden Berechnungsmethoden vom Gesetzgeber gewollt und die Argumentation der KfW dahin gehend fragwürdig. Die Softwarehersteller und deren Vertreter in der Gütegemeinschaft 18599 sehen folgende Faktoren als Hauptursache der teilweise massiven Abweichungen:
  • Zulässige Berechnungsoptionen in DIN V 18599
  • Unterschiedliche Interpretation von Norm und EnEV
  • Nicht fixierte Parameter des EnEV-Referenzgebäudes
  • Unterschiedliche Nutzereingaben
Bei abgeglichenen Eingaben und Randbedingungen sollen sich jedoch vergleichbare Berechnungsergebnisse innerhalb eines akzeptablen Ergebniskorridors ergeben. Nach Berechnungen der Softwarehersteller liegen die Ergebnisse für den Primärenergiebedarf eines willkürlich gewählten Referenzgebäudes bei 8 verschiedenen getesteten Programmen zwischen 92,8 und 99,4 kWh/(m²a). Der Heizwärmebedarf variiert in diesem Fallbeispiel zwischen 8527 und 10991 kWh.

Die Stellschrauben, an denen die Mitarbeiter der Gütegemeinschaft gedreht haben, um Parameter des EnEV-Referenzgebäudes zu fixieren und so vergleichbare Ergebnisse zu erhalten (wobei die letzten drei als irrelevant angesehen werden), sind:
  • die Luftwechselrate (= 0,45)
  • das Nettoraumvolumen (=0,76 * V_e)
  • eine Teilbeheizung (unberücksichtigt)
  • der Absorptionsgrad des Daches (= 0,5)
  • Wärmestromrichtung im Dach (= Dach)
  • die Bezugsfläche A_b zur Bestimmung von c_wirk
Im Fazit des Berichtes der Softwarehersteller heißt es, dass alle Beteiligten an weiterer Verwendung der DIN V 18599 auch im Wohnungsbau interessiert sind und dass sich bei Fixierung der vorgenannten Parameter aus Norm und Referenzgebäude der EnEV bei allen Programmen vergleichbare Ergebnisse ergeben.

Vergleichbare Ergebnisse? Sehr geehrte Softwarehersteller, definieren Sie doch bitte einmal „vergleichbar“. Natürlich ist es sehr angenehm, auch für den Planer, wenn man sich weiterhin das beste Ergebnis für einen Förderantrag heraussuchen darf. Aber genau deswegen hat die KfW die Ergebnisse ja schon einmal als unbrauchbar für diesen Zweck abgestempelt. Wenn ich das Wort „vergleichbar“ verwende, geht es eher um Abweichungen im Bereich der Nachkommastellen. Ergebnisunterschiede von 6,6 kWh/(m²a) (~7%) bzw. 2462 kWh (~29%), die Sie selber unter „kontrollierten Randbedingungen“ berechnet haben, können damit bestimmt nicht gemeint sein.

Ich bin gespannt, welche Ergebnisse und Kompromisse Mitte Januar auf der BAU 2011 von den Beteiligten der Gespräche zur DIN V 18599 präsentiert werden. Ich kann mir aber eigentlich nicht vorstellen, dass die KfW mit dem bisher vorgestellten zufrieden sein kann, zumal es hier auch um die Verteilung von Steuergeldern geht. Hier muss mehr getan werden, als nur ein paar Parameter zu definieren.

Wir werden auf jeden Fall weiter darüber berichten… Fortsetzung folgt!


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Ein Kommentar

  1. […] wie sie ihre Programme besser und genauer rechnen lassen können […]

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