Aufstockungen und Dachausbauten

Vertikale Nachverdichtung von Wohnraum. Dieser Ausdruck sollte eigentlich schon die letzten 10 Jahren zum Unwort des Jahres gekürt worden sein. Gemeint ist mit diesem fantastischen Ausdruck aber natürlich nichts anderes als ein banaler Ausbau des Dachraumes oder eine nicht immer ganz so banale Aufstockung von Gebäuden. Immerhin wird hierdurch in vielen bereits dicht besiedelten Städten eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit geboten, Wohnraum zu schaffen ohne die Grundfläche des Gebäudes erweitern zu müssen.

Gründe für eine Erweiterung nach oben sind vielfältig. Privatleute können das Platzangebot ihres Häusles, das wegen des heranwachsenden Familiennachwuchses aus allen Nähten platzt, vergrößern. Auch wenn man sich beruflich umorientiert, also zum Beispiel selbstständig macht, kann ein neuer Büroraum im Dachgeschoss interessant werden. Wenn die Kinder älter werden, aber doch nicht richtig ausziehen wollen, kann man ihnen mit einem weiteren Geschoss einen sanften Weg in die Selbstständigkeit ermöglichen. Und wird die neue Etage vermietet, ist so ein solides Standbein für die Altersvorsorge geschaffen. Bei professionellen Bauherren und Bauträgern wie Wohnbaugenossenschaften ist die Aufstockung von Mehrfamilienhäusern eine sehr populäre Möglichkeit, neuen Wohnraum und damit neue Einnahmen zu generieren. Allen gleich ist der Wunsch einen Mehrwert für die Bestandsimmobilie zu erlangen.

Sinnvoll sind Aufstockungen in meisten Fällen jedoch nur, wenn sowieso eine größere Sanierung oder Modernisierung ansteht und umfangreiche konstruktive Maßnahmen erforderlich sind. Beim Ausbau von Dachgeschossen spielt dies keine so große Rolle, da die meisten Arbeiten von innen erledigt werden können. Bei Aufstockungen kommt noch eine weitere Herausforderung hinzu: niemand hat beim Bau des Gebäudes vor -zig Jahren damit gerechnet, dass hierauf irgendwann mal die Lasten eines weiteren Geschosses ruhen würden. Bauen war und ist teuer und Sparsamkeit beim Materialeinsatz sowie eine ausgereizte Statik lassen hier nicht immer den Spielraum für eine zusätzliche Etage.

Daher werden die meisten Aufstockungen auch als Leichtbaukonstruktionen ausgeführt. Holz ist hier als Werkstoff traditionell sehr gefragt, aber auch Bauteile, die aus Stahlleichtprofilen gefertigt werden, sind in letzter Zeit im Vormarsch. Beide Werkstoffe sind nahezu dafür prädestiniert, Elemente für Aufstockungen in einer Fabrik industriell vorzufertigen. Eine lange Tradition des Holzbaus im Bereich Fertigbau bietet hier genügend Sicherheit für eine gelungene Planung und eine fehlerfreie Ausführung. Die meisten Aufstockungen sind daher auch nichts anderes als vorgefertigten Holzhäuser.

Und diese sind von Bauherren und Investoren gerne gekauft. Neben dem Vorteil in Kilogramm und einer geringen Belastung der vorhandenen Bausubstanz bieten vorgefertigte Leichtbaukonstruktionen auch eine schnelle Bauzeit, wenig Lärm und Schmutz sowie eine hohe Ausführungsqualität. Die Bewohner können in den meisten Fällen in ihren 4 Wänden wohnen bleiben, wenn das neue Geschoss montiert wird. Dazu wird der Geldbeutel und die Nerven der Nachbarn in engeren Innenstädten geschont, da Gerüste und Baustelleneinrichtungen relativ schnell wieder abgebaut werden können.

Auch architektonisch bieten sich mit Aufstockungen neue Möglichkeiten. Zum einen muss keine Rücksicht auf die verschachtelten Grundrisse des Nachkriegsbaus unterhalb der Aufstockung genommen werden. Das neue Geschoss kann im Inneren modern, offen und hell geplant werden. Zum anderen können auch weitere Wohnwert steigernde Maßnahmen, wie beispielsweise Dachterrassen, realisiert werden.

Natürlich gibt es beim Thema vertikaler Nachverdichtung auch Dinge, die neben der Statik des Altbaus noch beachtet werden müssen. Ein wesentlicher Kostenfaktor kann hier die Haustechnik sein, die selbstverständlich nur für das Bestandsgebäude ausgelegt ist. Kommen neue Wohneinheiten mit neuen Bewohnern hinzu, kann es schnell zu Engpässen in der Versorgung mit Warmwasser für Heizung und Dusche kommen. Auf solche Aspekte muss während der Planung natürlich auch eingegangen werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

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