Baumhaus in Übergröße

Baumhaus über 4 Etagen in einem riesengroßen BaumGlauben versetzt ja bekanntlich Berge. Wenn nun ein Pfarrer daran glaubt, ein Baumhaus bauen zu können, kommt dabei in diesem Fall nicht viel weniger als ein Baumhaus in Übergröße bei raus. Wobei der Begriff ‚Übergröße‘ hier noch geschmeichelt scheint; für ein Baumhaus ist dieses Bauwerk einfach gigantisch. Horace Burgess, der erwähnt glaubende Pfarrer aus Crossville in US-Bundesstaat Tennessee, hat bis heute knapp 20 Jahre damit verbracht, diese Konstruktion zu errichten – ohne Baupläne, immer nur ein Brett nach dem anderen. Herausgekommen ist etwas, wovon ich als Kind nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Obwohl ich einige Baumhäuser mein Eigen nennen konnte.

Der Bau der über 30 Meter hohen Konstruktion begann in einer ebenfalls gigantisch großen Weißeiche. Im Inneren soll das Bauwerk, das sich über drei (bis vier) Etagen erstreckt, mehr als geschätzte 900 Quadratmeter Platz bieten. Das einzige, was an diesem Projekt geplant war, war das Ziel: Irgendwann sollte in den Zweigen des riesigen Baumes auf dem Grundstück von Horace Burgess der Welt größtes Baumhaus liegen. Damals waren wohl noch keine Kapelle mit Basketballkorb oder ein 2500 Kilogramm schwerer Glockenstuhl auf dem Dach geplant.

Doch nach dem anfänglichen Enthusiasmus für sein Projekt, fehlte dem damaligen Landschaftsgärtner nach ein paar Jahren schon das Holz und der Glaube für sein ehrgeiziges Projekt. Wie es dann häufiger mal so ist, sprang Gott in die Bresche und versprach, dass dem Projekt nie mehr das Material ausgehen würde, wenn sich der Baumeister gläubig zeigen würde. Da Gott solche Angebote nicht jeden Tag macht, weihte sich Horace Burgess kurzerhand zum Priester und setzte seine Arbeit fort.

In einer Art Vision zeigte Gott dem Pfarrer das fertige Baumhaus, doch leider konnte Burgess damals die Maßstäbe nicht richtig einordnen. Hätte er die Größe vorher schon gekannt, hätte er versucht Gott runter zu handeln, sagt Burgess heute. 11 Jahre später belegt das Baumhaus nicht nur einen Baum sondern gleich 7, die durch die Böden des Baumhaus wachsen und durch die Fenster wieder ans Tageslicht kommen. Gekostet hat es bisher etwa 12.000 Dollar und Burgess hat 258.000 Nägel verbraucht.

Die Konstruktion konnte nicht lange verborgen bleiben und im Laufe der Jahre besuchten zig-tausende mehr oder weniger eingeladene Gäste das Baumhaus, die natürlich hoch oben in den Baumgipfeln ihren Spaß hatten. Auch wenn Burgess nicht an seinem Baumhaus arbeitete, erkletterten sie die Bäume und das Gott geweihte Bauwerk. Der Bauherr ist sich sicher, dass Gott seine Hand über die Besucher gehalten hat und dass deswegen bisher niemand auf der ungesicherten Baustelle zu Schaden gekommen ist.

Doch leider ist dem Baumhaus in den Jahren nach dessen Fertigstellung durch die Besucher wesentlich mehr Schaden zugeführt worden als die Besucher selber erlitten haben. Graffiti ‚ziert‘ die Wände, Einrichtungsgegenstände flogen im hohen Bogen über die Balkongeländer, Böden wurden herausgerissen und Fenster eingeworfen. Doch das solide gebaute Baumhaus wird diese kleineren Attacken aushalten, schätzt Burgess. Dennoch wird das Baumhaus jetzt Tag und Nacht bewacht, um weiteren Schaden an Mensch und Material abwenden zu können.

Nichtsdestotrotz haben die lokalen Baubehörden das Baumhaus erst einmal geschlossen; aus Brandschutzgründen, wie es heißt. Das Bauwerk sei eine Touristenattraktion geworden und müsse daher auch die geltenden Brandschutzbestimmungen sowie statische Vorgaben einhalten. Das Argument von Burgess, dass es für Baumhäuser keine Bestimmungen gäbe, lässt man aus gutem Grund wohl nicht gelten. Dennoch hat der Bauherr schon Pläne für eine zweite Bauphase, nach deren Abschluss das Baumhaus einen Fahrstuhl, Strom, fließend Wasser, Heizung im Winter und eine Fitnesstreppe beinhalten soll, die sich bis in den Glockenstuhl windet.

Das Schmankerl an dem bisher fertig gestellten Gebäude hängt jedoch am Dach: eine Schaukel, die ebenfalls 4 Etagen hoch ist. Oder tief. Wie man möchte.

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