Berechnung von Energiekosten

Energieklassen in einem symbolischen HausÜber die Genauigkeit der Berechnung von Energiekosten für Gebäude ist bisher schon viel geschrieben und diskutiert worden. Immer wieder wird bei solchen Diskussionen Kritik an der Realitätsnähe von Berechnungsergebnissen laut. Stimmen diese im Einzelfall nur zufällig, weil gewisse Randbedingungen durch Nutzungsgewohnheiten von Bewohnern eines Gebäudes ebenso zufällig getroffen wurden? Oder kann man wirklich von einem statistischen Mittel ausgehen? Doch wie breit deckt dieses dann auch Variationen im realen Verbrauch ab? Bei der Erarbeitung der Energieeinsparverordnung (EnEV) darf man neben dem berechneten Energiebedarf daher auch auf den tatsächlichen Energieverbrauch als Kennwert für die energetische Qualität eines Gebäudes zurückgreifen.

Das Nutzerverhalten spielt in beiden Fällen für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse eine sehr große Rolle.

Für eine Berechnung des Energiebedarfs werden bestimmte Parameter zugrunde gelegt. Da geht es um die mittlere Raumtemperatur, das Lüftungsverhalten der Bewohner oder die Einstellung der Heizungsregelung. Doch liegt meine bevorzugte mittlere Raumtemperatur nicht eventuell über der Norm-Temperatur, vielleicht weil mein warmes Wohnzimmer im Vergleich zu meinem kalten Schlafzimmer im bundesdeutschen Durchschnitt sehr groß ist? Dann würde ich weit mehr Energie verbrauchen als berechnet. Oder kontrolliere ich regelmäßig die Einstellungen der Heizung? Wann wird die Heiztemperatur für die Nacht abgesenkt und ist nach der Erneuerung der Heizung ein hydraulischer Abgleich durchgeführt worden? All dies sind Punkte, die bei der Berechnung der Energiekosten schwerer zu gewichten sind, als die normgerechte Wahl eines Vorschaltgerätes meiner LED-Lampen.

Ähnliche Ungenauigkeiten gelten für die Angabe des tatsächlich gemessenen Energieverbrauchs auf Basis einer Heizkostenabrechnung bzw. Stromabrechnung. Diese Ergebnisse können zum Beispiel dann angegeben werden, wenn eine Immobilie verkauft werden soll. Ja, sicher, auf dem Papier steht, wie viel Energie wirklich verbraucht wurde. Doch von wem? Von der allein lebenden Rentnerin oder von dem ständig um die Welt reisenden Geschäftsmann? Dann macht es nur relativ wenig Sinn, diese Werte einer 4-köpfigen Familie mit zwei Töchtern im Teenageralter vorzulegen.

Abweichungen sind vorprogrammiert, wenn man nicht das Nutzerverhalten der Bewohner kennt. Da helfen auch die ausgeklügelsten Berechnungsalgorithmen nichts.

Will man jedoch ’nur‘ eine schnelle Berechnung von Energiekosten vornehmen, vielleicht um die ungefähre Ersparnis beim Wechsel des Energieträgers oder des Energieversorgers auszurechnen, kann man beispielsweise Berechnungsprogramme nutzen, die im Internet angeboten werden. Auch diese gehen von durchschnittlichen Nutzern aus und das Ergebnis wird unter dem Strich nur sehr selten passen. Doch diese Berechnungen basieren nicht auf standardisierten Verfahren, die in Normen und Verordnungen verankert sind. Es erwartet also niemand, dass das Ergebnis auf den Cent genau stimmen wird – was auch für den Fall der Fälle im Kleingedruckten aller Nutzungsbedingungen noch einmal genau beschrieben wird.

Will ich also für mein eigenes Haus die Energiekosten berechnen, nehme ich mir also am besten die Abrechnungen meiner Energieversorger der letzten Jahre vor, addiere die Summen jahresweise und achte ein wenig auf die Entwicklung. Will ich mich über die Energiekosten einer neuen Immobilie informieren, lege ich zwar die hochwissenschaftlichen Berechnungen von Energiekosten nach EnEV zugrunde, hinterfrage aber zugleich das Nutzerverhalten, um es mit dem Meinen abzugleichen.

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