Brandschutz-Pfusch in Berlin-Brandenburg (BER)

Flugfeld mit Gates des Willy-Brand-Flughafen Berlin Brandenburg bei NachtEs sollte das Aushängeschild der Region werden, der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER). Nicht nur infrastrukturell und technologisch sondern auch politisch. Man ging mit dem Slogan ‚Europas bester Flughafen‘ an den Start, doch das ist schon ein paar Sonntage her. Aktuell werden die Schlagzeilen eher durch die Stichworte Pfusch, Murks und Rücktritt geprägt. Nach etlichen Verzögerungen ist nun offenbar auch der nächste Eröffnungstermin der Flughafens ‚BER – Willy Brandt‘ von Oktober 2013 in das Jahr 2014 gelegt worden – frühestens.

Ohne jetzt einen Schuldigen für diese wiederkehrenden Verzögerungen suchen/finden zu wollen/können, kann ich mich als nicht direkt involvierter, aber doch technisch interessierten Ingenieur darüber nur wundern. Und eine Erhöhung der Baukosten für dieses Projekt von ursprünglich veranschlagten 2,8 Milliarden Euro auf nun kolportierte 4,3 Milliarden Euro und eine zweijährige Verspätung der Inbetriebnahme machen den Steuerzahler schon stutzig.

Pfusch? Schlamperei? Ja, schon möglich. Doch von wem? Stellt man die technischen Aspekte ein wenig in den Hintergrund, werden in den Landesregierungen von Berlin und von Brandenburg Rücktrittsforderungen laut, die unter anderem gegen den Berliner Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzenden der Flughafengesellschaft, Klaus Wowereit, sowie Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck gemünzt sind. Ersterer soll schon vor Weihnachten von der neuerlichen Verzögerung gewusst, diese aber bisher nicht veröffentlicht haben.

Natürlich kann man sich gekränkt fühlen, wenn man weitere schlechte Nachrichten zum Zustand des Flughafens aus der Bild-Zeitung statt vom Verantwortlichen erfahren muss. Doch wem hilft ein Rücktritt – außer der Opposition? Dem Projekt doch nicht. Ein neuer Aufsichtsrat(-chef) kann technischen Pfusch jedenfalls nicht sofort ungeschehen machen und die Eröffnung wie geplant wieder für den 27. Oktober 2013 verkünden. Da sollte man schon eher die Qualität der Projektleitung der frühen Tage in Frage stellen.

Wenn ich die Schlagzeilen richtig lese, dann liegt der wesentliche Grund der Verzögerungen in nicht erfüllten Brandschutzauflagen. Die aktuelle Verschiebung des Termins für die Eröffnung des Flughafens soll konkret der Nichteinhaltung von Vorgaben für die Entrauchungsanlage geschuldet sein, die abweichend von der Baugenehmigung ausgeführt sein soll. Laut Brandschutzgutachten funktioniert zwar die Absaugung des Rauchs, doch gibt es je nach vorherrschender Windrichtung Probleme mit der Nachfuhr ausreichender Mengen an Frischluft. Eine entsprechende Steuerung und Kontrolle von Fenstern und Türen soll schon bei der Planung des Flughafens nicht beachtet worden sein.

Die Bauaufsichtsbehörde weist den zuständigen Brandschutzplaner, der bereits versucht hat die Tauglichkeit der Anlage durch Rauchversuche vor Ort nachzuweisen, in einem Schreiben darauf hin, dass eine Genehmigung zur Inbetriebnahme des Flughafens noch viel Arbeit und Zeit in Anspruch nehmen werde. Der zuständige Beamte sprich in diesem Schreiben ebenfalls von ‚Murks‘, den er nicht genehmige.

Gutachter haben darüber hinaus hunderte weitere Mängel im neuen Terminal identifiziert (gerissene Natursteinfliesen, gestörtes LAN-Netzwerk, Überbelastung von Kabelkanälen, Eindringen von Regenwasser in das Lüftungssystem…), die eine Eröffnung unmöglich erscheinen lassen. Zudem sei man laut einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums (BMVBS) mit der Beseitigung der bereits erkannten Mängel seit dem Sommer kaum vorangekommen. Manche halten die vielfältigen Mängel für so gravierend, dass sogar über eine noch spätere Eröffnung im Jahr 2015 und eine vorhergehende und eingehende Sanierung des Flughafengebäudes gesprochen wird.

Mannomannomann, ich hoffe wirklich, dass ich schon ein paar mal in BER eingecheckt habe, bevor ich wieder über dieses nicht enden wollende Projekt schreiben werde.

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2 Kommentare

  1. Martin sagt:

    Also das ist wirklich ein Ding ja. Wie kann man denn da nur so viel Falsch machen. Im Grunde ist mir das ganze ja völlig egal, ich fliege sowieso eher selten, doch ein gutes hat es gebracht und zwar, dass wir uns somit so langsam aber sicher von Wowereit verabschieden dürfen. Lange genug hat es gedauert.

    Beste Grüße Martin

  2. Stefan sagt:

    Hier noch ein richtig guter Artikel über das Fiasko am Flughafen Berlin-Brandenburg aus der ‚Welt‘ von gestern: LINK

    Meine Meinung dazu: Das wird nix mehr.

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