Polystyrol, expandiert (EPS)

Polystyrol gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen und wird seit 1930 großtechnisch hergestellt. Es wird u.a. in der Lebensmittelindustrie oder der Medizintechnik benutzt. Als Grundstoffe werden Benzol und Ethylen verwendet, die wiederum durch die chemische Umwandlung von Erdöl gewonnen werden. Dabei wurden aber nur etwa 0,7‰ des in Deutschland verbrauchten Erdöls zur Produktion von expandiertem Polystyrol (EPS) verwendet. Der Marktanteil lag 2003 bei etwa 30%. EPS ist in Deutschland besser unter dem Markennamen „Styropor“ der Firma BASF bekannt. Unter Zugabe von Treibmitteln und anderen Additiven, z.B. für den Brandschutz, entsteht ein perlenförmiges, hartes, glasähnliches Granulat mit Durchmessern zwischen 1 und 3 mm, das durch Verdampfen des Treibmittels Pentan auf das 20- bis 50-fache seiner Ursprungsgröße vorschäumt. Diese Polystyrolperlen verkleben bei einer zweiten Behandlung mit Wasserdampf miteinander und es entsteht ein überwiegend geschlossenzelliger Schaumstoff. Eine Produktvariante von EPS stellt „Neopor“ dar. Es unterscheidet sich von reinem EPS durch seine graue Färbung, hervorgerufen durch Graphit. Damit lassen sich bei gleicher Rohdichte des Materials um etwa 20% geringere Wärmeleitfähigkeiten erzielen.
EPS ist als Platte, Formteil oder Granulat erhältlich und kann in Steil- und Flachdächern, in Wärmedämm-Verbundsysteme oder hinterlüfteten Fassaden, als Kerndämmung, in Trennwänden, in Holzbalkendecken, unter schwimmendem Estrich, als Putzträger oder bei Rohrleitungen zum Einsatz kommen. Die Einbau ist ein wenig leichter als die Verarbeitung, aber beides kann relativ problemlos erfolgen. Polystyrol versprödet bei längerer UV-Bestrahlung und sollte nicht mit Holzschutzmitteln, Kraftstoffen, Heißkleber oder Klebern, die Lösungsmittel enthalten, in Kontakt kommen. EPS kann mit Hilfe von Heißdrähten geschnitten, wobei jedoch Vorsicht geboten ist, da sich entwickelnde Dämpfe u.a. Übelkeit hervorrufen können. EPS ist leicht, formstabil, alterungsbeständig, schimmelt oder fault nicht und ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit, da die überwiegend geschlossenen Zellen keine Feuchtigkeit aufnehmen und so nicht aufquellen können. Im Brandfall entstehen dichter Rauch sowie neben dem schädlichen Styrol auch Kohlenmonoxid, ätzende Brandgase und schädliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
Im Normalfall sind Polystyroldämmstoffe für den Menschen unschädlich. Bei der Herstellung hingegen werden für den Menschen gesundheitsschädliche Substanzen wie Styrol oder PAK freigesetzt. Dämmplatten aus EPS können kaum wiederverwendet werden, da sie nur selten unbeschädigt auszubauen sind. In Deutschland existiert ein umfangreiches Rückgabesystem, an denen sortenreine Dämmstoffe und Baustellenabfälle aus EPS gesammelt werden.

Zurück zur Startseite >>>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*