Der Rebound-Effekt

Und auch so was gibt es in der Baupraxis! Hiernach werden energetische Einsparungen, die z.B. durch effizientere Technologien möglich werden, durch vermehrte Nutzung zunichte gemacht. Jede neue Technik setzt also letztlich nicht weniger sondern mehr Ressourcen in noch kürzerer Zeit um und bewirkt eine Überkompensation des Einspareffektes. Und dieser Rebound-Effekt wird jetzt von der EU untersucht, unter anderem im Bezug auf den Energieverbrauch von und in Gebäuden.

Studien zur Relevanz des Rebound-Effektes tauchen in den letzten Jahren vermehrt auf und zeigen eigentlich alle, dass es diesen Effekt auch wirklich gibt. Grund genug also, sich einmal ein wenig näher damit zu beschäftigen.

Bereits im Jahre 2000 gab es in Österreich und in den Niederlanden Studien zufolge Anzeichen für diesen Effekt, der dort grob mit 20% bis 30% zu beziffern war. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat auf Grundlage der ersten wissenschaftlich begründeten Erfahrungen 2005 mit 10% bis 30% entsprechende Größenordnungen für den steigenden Energieverbrauch bei der Beheizung von Gebäuden durch den Rebound-Effekt angegeben.

Im Jahre 2006 wurden dann auch in Großbritannien erste Studien veröffentlicht, die sich mit der tatsächlichen Energieeinsparung von renovierten Gebäuden beschäftigen. Hier wurde festgestellt, dass Wärmedämmmaßnahmen in vielen Fällen nicht den gewünschten Effekten erzielten und in Einzelfällen nur zu knapp 50% der erwarteten Einsparungen führten. Diese Werte lassen sich den Autoren der Studien zufolge doch nicht nur auf den Komfortfaktor zurückführen, nach dem alleine gestiegene Innentemperaturen zu einem höheren Energieverbrauch führen. Die britischen Behörden sind nun dazu übergegangen, theoretisch berechnete Einsparungen um 15% zu reduzieren, was im Großen und Ganzen der Bedeutung des Komfortfaktors entspricht.

Noch klarer wird das Bild, wenn man sich den gesamten Energieverbrauch von Elektrogroßgeräten im Haushalt anschaut. Hier ist beispielsweise der spezifische Energieverbrauch eines Kühlschrankes mit 140 Litern Fassungsvermögen zwischen 1990 und 2001 in der EU um 29% gesunken, jedoch haben sich in dieser Zeit Haushalte vermehrt einen zweiten Kühlschrank zugelegt. Der Einsparungseffekt geht also gegen Null. Doch dieser Effekt fließt nicht einmal in die heutigen Berechnungen der Energieeffizienz von Gebäuden ein.

Bleibt also abzuwarten, welche Auswirkungen die Untersuchungen der EU für Deutschland haben werden. Nicht genug damit, dass man sich nicht einmal national auf konsistente Berechnungsprogramme einigen kann. Aufgrund der bisher durchgeführten Studien wird die EU nahezu gezwungen sein, für den Rebound-Effekt Korrekturen für eine bessere Konsistenz von Berechnungen und Realität einzuführen. Und spätestens dann werden die ach-so-genialen Berechnungsroutinen von DIN 18599 & Co. endgültig zur Farce.

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