Die barrierefreie Treppe

Treppenlift SitzliftDer Artikel, den ich vor ein paar Tagen über die Zukunft unserer Gebäudesubstanz geschrieben habe, hat mich ein wenig nachdenklich werden lassen. Natürlich ist Energieeinsparung ein wichtiger Punkt im Sinne einer nachhaltigen Gebäudeplanung. Doch es gibt auch andere Kriterien, wie sie auch vom Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB) genannt werden. Barrierefreies Wohnen darf in Zukunft keine Ausnahme sein. Dazu gehört auch, dass keine Stufen, breite Türen, Armaturen und Arbeitsebene in der richtigen Höhe, trittsichere Bodenbeläge, Haltegriffe oder Treppenlifte vorhanden sein sollen. Aber gerade beim letztgenannten Punkt, den Treppenliften, gibt es etliche Barrieren, die es noch zu überwinden gibt.

Die erstgenannten Dinge dieser Aufzählung sind nun schon fast Stand der Bautechnik und lassen sich bei entsprechender Planung häufig relativ leicht implementieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, wie schwer es sein kann, einen Treppenlift zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus einbauen zu lassen (nicht, dass ich ihn brauchte, aber ein Nachbar war wegen Krankheit darauf angewiesen). Wer zahlt dafür? Macht das im Treppenhaus nicht zu viel Lärm? Kommt man zu Fuß denn überhaupt am Lift vorbei? Wird dann etwa in die Treppenhauswände gebohrt? Wo kommt der Betriebsstrom her? Was passiert mit dem Lift, wenn er nicht mehr benötigt wird? Es gab so viele Fragen, die von der Eigentümergemeinschaft gestellt wurden.

So vielfältig wie die jeweiligen Treppen selbst, sind auch die technischen Möglichkeiten, einen Treppenlift zu installieren und zu nutzen. Allerdings spielt hier häufig der Kostenaspekt eine große Rolle, denn je aufwändiger die technische Installation ist, desto teurer ist dann auch der Treppenlift. Gesetzliche Krankenkassen tun sich bei der Kostenübernahme für ein solches Hilfsmittel leider häufig extrem schwer (bei Ablehnung eines Antrages empfiehlt es sich, Einspruch einzulegen). Immerhin kann das je nach Einbausituation über 20.000 Euro kosten. Sparen kann man in manchen Fällen sicherlich, wenn man auf gebrauchte oder vermietete Modelle zurückgreift.

Es ist bei der Auswahl des Anbieters jedoch auf dessen Seriosität zu achten, da es auch Schwarze Schafe gibt, die sich nur ihren Teil des lukrativen aber undurchschaubaren Marktes sichern wollen. Es sollten auf jeden Fall mehrere Angebote eingeholt werden. Und erst wenn der Lift eingebaut ist und einwandfrei funktioniert, sollte bezahlt werden. Seriöse Verkäufer würden auch nie Druck auf den Käufer ausüben, sondern wissen, dass eine Kaufentscheidung in Anbetracht der Umstände Zeit braucht.

Eine Montage ist technisch gesehen generell in jedem Treppenhaus möglich. Eine maßgenaue Einpassung ist jedoch die Voraussetzung. Relativ unproblematisch sind hier gerade Treppen zu „verliften“. Die Befürchtung, dass der Treppenlift andere Bewohner behindern oder einschränken könnte, ist unbegründet. Hier gibt es selbst für enge Treppenhäuser platzsparende Modelle, bei denen Plattform oder Sitz nahezu vollständig zusammen geklappt werden können. Zu achten ist darauf, dass der neue oder gebrauchte Treppenlift über eines der üblichen Qualitätssicherungssiegel verfügt wie das GS-Siegel für „Geprüfte Sicherheit“ oder das TÜV-Siegel.

Barrieren gibt es also hauptsächlich in der Köpfen der Mitmenschen und in den Geldbeuteln der Betroffenen. Ansonsten steht einer wirklichen Erleichterung des Lebens gehbehinderter Menschen in ihren eigenen vier Wänden im Rahmen der technischen Möglichkeiten nicht viel im Wege.

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