Die nicht brennbare Tapete

Rote Farbe wird mit Rolle auf weiße Tapete aufgetragenTapeten bestehen aus Papier, manchmal sind sie rau, manchmal sind sie bunt. Punktum. So die landläufige Meinung zu dem Produkt, dass die Arbeit des Malers letzten Endes zu einem perfekten Finish verhelfen soll. Doch wer hat sich schon einmal Gedanken über die Brandeigenschaften solcher Papierbahnen an der Wand seines Eigenheimes gemacht? Keiner, darauf möchte ich wetten. Und das ist in der Regel auch gar nicht notwendig. Es gibt aber Anwendungen wie zum Beispiel in Fluchtwegen, wo auch Wandoberflächen inklusive Tapeten gefragt sind, die aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen. Und auch dafür gibt es jetzt eine Tapete, die den Brandschutzanforderungen an die Baustoffklasse A2 genügt.

Gut, diese Tapete besteht nicht mehr aus Papier, aber wenn sie einmal an der Wand ist und gestrichen wurde, bemerkt man dieses Unterschied kaum noch. Die von der Firma Sto entwickelte StoTap Infinity ist eine geschäumte Refieltapete (ohne Weichmacher), die mit einer bestimmten matten Innenfarbe auf Acrylbasis (ebenfalls von Sto) sowie mit einem definierten Kleber (das wäre dann ein Metylan-Kleber von Henkel, so weit zum Thema Schleichwerbung) an die Wand gebracht werden muss. Genau diesem System aus drei Komponenten wurde in einem Brandgutachten der Materialprüfanstalt Stuttgart bescheinigt, entsprechend DIN 4102 nicht brennbar zu sein und der Baustoffklasse A2 anzugehören.

Puha, da dachte ich beim ersten Überfliegen der Meldung schon, dass ich im Physikunterricht nicht aufgepasst hätte. Papier, das nicht brennt! Aber die Tapete besteht bei genauerem Lesen ja glücklicherweise gar nicht aus Papier, sondern aus Schaum. Nur gut, dass man einigen Schaumstoffen so viele Brandhemmer zumischen kann, dass diese ein Feuer ziemlich kalt lässt. Oder sie sind – wie im Fall der geschäumten StoTap Infinity ohne weitere Komponenten – wenigstens der Baustoffklasse B1 zuzuordnen, was soviel bedeutet wie brennbar aber schwer entflammbar.

Die Farbe, die in diesem nicht brennbaren System angewendet werden darf, kann dem Hersteller zufolge mit marktüblichen Desinfektionsmitteln (werden dann wahrscheinlich auch von Henkel produziert…) abgewaschen werden. Dies ermöglicht sogar den Einsatz des Systems in Räumen, in denen Lebensmittel gelagert oder verarbeitet werden. Klasse, ich fand diese Stahloptik von Kühlhäusern immer schon ein wenig langweilig. Jetzt können immerhin auch ein wenig nicht brennbares Paisley in erfrischenden Farben an die Wand kommen.

Bleibt also abzuwarten, wann der erste selbstreinigende Bodenbelag auf den Markt kommt, bei dem man getrost jederzeit vom Boden essen kann… 😉

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