Emissionen von Baustoffen in Innenräume

Die Verunreinigung der Raumluft ist natürlich ein sensibles Thema, das mit großem öffentlichen Interesse diskutiert wird. Weichmacher, Formaldehyd, Radon, Feinstäube, Biozide, Flammschutzmittel, Asbestfasern, Naphthaline, VOC, PAK, PBC, PCP, Schimmel… die Liste der Schadstoffe ist unglaublich lang. Und viele Schadstoffe kommen aus Gegenständen oder Baustoffen, die direkt mit der Raumluft in Verbindung stehen – also ein fester oder unveränderlicher Bestandteil unseres täglichen Lebens sind. Hersteller solcher Produkte versuchen folgerichtig diese Schadstoffeinträge zu reduzieren. Dabei werden nicht nur Produkte mit weniger Schadstoffen auf den Markt gebracht, sondern in letzter Zeit auch solche, die Luftschadstoffe aufnehmen und unschädlich machen sollen.

Es ist natürlich richtig, dass der gemeine Mitteleuropäer den Großteil seiner Zeit in geschlossenen Räumen verbringt. Arbeitsplatz, Kindergarten, Schule oder die eigenen vier Wänden sind mehr als vier mal häufiger Aufenthaltsort als die frische Luft. Der Raumluftqualität kommt daher eine besondere Bedeutung für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu und die Gewährleistung dieser Qualität, unbelastet und frei von Schadstoffen, ist deshalb eine wichtige Aufgabe. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und gesetzliche Regelungen zur Bewertung von Emissionen und der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von im Bau eingesetzten Produkten erlassen. So werden z.B. Formaldehyd und PAK von Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als krebserregend eingestuft.

Dennoch können vor allem in Neubauten und nach Sanierungen erhöhte Innenraumbelastungen durch chemische Schadstoffe auftreten. Aber auch die Einflüsse der Bewohner sind maßgeblich: Diese belasten die Raumluft mit Emissionen aus ihrem Stoffwechsel beim Atmen und Schwitzen und mit Feuchtigkeit und chemischen Substanzen bei Aktivitäten wie kochen, abwaschen, duschen, reinigen und basteln. Die stärkste Innenraumbelastung bleibt das Rauchen. Wegen der zusätzlichen Schadstoffquellen ist die Qualität der Raumluft sogar oft schlechter als jene der Außenluft.

Wie bereits einleitend erwähnt, werden in letzter Zeit immer mehr Bauprodukte angeboten, die eine schadstoffreduzierende Wirkung haben sollen. Dies gilt insbesondere für Teppiche, Farben, Putze und Gipskartonplatten, da diese mit einer großen Oberfläche (fast) direkt an die Raumluft grenzen. Vorreiter waren hier wohl der Teppichbodenhersteller Dura mit duraAir, die Sto AG mit StoClimasan, Alpina mit der Innenraumfarbe AirClean, Knauf mit der Gipskartonplatte Cleaneo sowie Maxit mit dem Innenputz Airfresh, der aber wohl vom neuen Eigentümer nicht weiter vertrieben wird. Zuletzt warben sowohl Ripips als auch Fermacell für neue Gipskartonplatten, die zumindest Formaldehyd und unangenehme Gerüche aus der Raumluft gänzlich eliminieren können sollen. Diese Fähigkeit ist offensichtlich durch Tests nachgewiesen und die Platten sollen über viele Jahrzehnte hinweg wirksam sein.

An der Uni Kassel wird darüber hinaus im Auftrag der Bundesregierung in einem Forschungsvorhaben eine photokatalytische Fassadenbeschichtung entwickelt, die gegen die Luftverunreinigung der Außenluft wirksam sein soll. StoCretec und Brillux haben ähnliche Produkt im Sortiment und Dachsteine und Eternitplatten sollen ebenfalls eine reinigende Wirkung haben.

Meist wird Titandioxid (TiO2) für die Erlangung dieses Reinigungseffektes eingesetzt, da es in der Luft befindliche Schad- und Giftstoffe wie etwa Formaldehyd bekämpft. Oberflächen von Produkten, die TiO2 enthalten, nehmen Feuchtigkeit aus der Raumluft auf. Die in der Luft befindlichen unerwünschten oder schädlichen Stoffe kommen so in Kontakt mit den Titandioxid-Molekülen auf der Oberfläche und werden mit Hilfe des Tageslichtes zerlegt. Übrig bleiben ungiftige Stoffe: Kohlendioxid und Wasser.

Ach, wenn das Leben doch immer so einfach und sauber wäre!


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