Fenster und die Energiebilanz

Sonne scheint auf ein FensterDer Wärmeschutz von Gebäuden ist populär geworden. Viele wollen Energie sparen und den Geldbeutel schonen. Dabei wird die ganze Hülle eines Gebäudes auch schon mal weich in 20 bis 30 cm Dämmung einpackt, um U-Werte von 0,2 W/(m²K) oder darunter zu erreichen. Wirklich die ganze Hülle? Nein, denn Fenster und Türen sind vergleichsweise schlecht gedämmt. Hier geht viel Heizenergie verloren. Aber transluzente Bauteile haben gegenüber opaken Bauteilen einen entscheidenden Vorteil: sie lassen kostenlose Sonnenenergie zum Heizen ins Haus. Wie jedoch sieht man das in der Energiebilanz eines Hauses?

Die kurze Antwort: zwiespältig.

Die etwas längere Antwort: kostenlose Heizenergie ist natürlich immer willkommen, aber gerne dann, wenn man sie braucht. Doch nicht dann, wenn die Sonne sowieso scheint und es im Haus warm ist. Eine Überhitzung der Innenräume soll natürlich vermieden werden.

Fenster von früher haben nur die Sonne ins Haus gelassen, aber die Wärme nicht im Haus gehalten. Der standardmäßig angesetzte U-Wert von 5,9 W/(m²K) deutet schon darauf hin. Heute sind Fenster besser gedämmt und erreichen im Normalfall U-Werte von 1,3 W/(m²K) und darunter. Im Fall von Gebäuden, die entsprechend des Passivhausstandards oder nach vergleichbaren Anforderungen gebaut wurden, liegt man sogar bei 0,8 W/(m²K) und darunter. Das ist eine Verbesserung um den Faktor 5 bis 7. Aber… damit sind Fenster und Türen immer noch um den Faktor 4 schlechter gedämmt als der Rest der Gebäudehülle.

Nun kommt also der Begriff der Netto-Energiegewinnflächen ins Spiel. Hierbei werden vergleichsweise hohe U-Werte und damit Wärmeverluste verglaster Bauteile den solaren Energieeinträgen durch eben diese Verglasung gegenübergestellt. Und wupti, schon wird aus einer Energieschleuder eine Netto-Energiegewinnfläche. Greift man in seinem Gebäude auf entsprechende Fenstertechnik zurück, kann der Heizwärmebedarf also möglicherweise entsprechend gesenkt werden.

Dies wird durch eine Studie der Donau-Universität Krems in gewissen Rahmen bestätigt. Aus der Studie geht hervor, dass sich moderne Fenster mit Dreifachverglasung nicht nur bei Südausrichtung bezahlt machen. Dies gilt – wenn auch in geringerem Umfang – auch für Ausrichtungen nach Westen und Osten hin. Wichtig ist dabei eine vorteilhafte Kombination von Wärmeschutz und solarem Eintragspotential, dem sogenannten Gesamtenergiedurchlassgrad (oder kurz ‚g-Wert‘).

Allerdings gilt dies nur für Fenstersysteme, die mit einem intelligenten Sonnenschutz ausgestattet sind. Wie Eingangs schon bemerkt, bringen solare Wärmegewinne durch Fenster und (teil-)verglaste Türen herzlich wenig, wenn diese zu den heißesten Zeiten im Sommer eingefahren werden. Im schlimmsten Fall muss man dann Übertemperaturen in Innenräumen durch künstliche Kühlung wieder auf ein normales Niveau absenken. Erhöhter Energieverbrauch inbegriffen.

Man sollte also die Möglichkeiten genau vergleichen, bevor man ins Schwitzen kommen – egal ob finanziell oder physiologisch.

Zurück zur Startseite >>>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*