Fenster als Wärmebrücken

Thermografie eines FenstersAlles hat sein Verfallsdatum. Die Butter im Kühlschrank, die Batterie in der Fernbedienung und auch Bauteile eines Gebäudes. Bei Letzteren lässt der Verfall allerdings hoffentlich ein wenig länger auf sich warten. Und man kann einiges gegen den Verfall tun, indem man die Bauteile regelmäßig Instand hält. Wogegen man mit Farbe oder Dichtmasse jedoch nicht viel tun kann sind konstruktionsbedingte Schwachstellen. Diese äußern sich gerade bei Fenstern auch für den Laien relativ deutlich, meist in Form von sogenannten Wärmebrücken. Doch was versteht man unter diesem Begriff und was kann man gegen Wärmebrücken tun?

Als Wärmebrücken bezeichnet man Bereiche in der Außenhülle von Gebäuden, an denen Wärme deutlich schneller nach außen übertragen wird als durch benachbarte Bereichen. Durch den erhöhten Wärmestrom stellen sich genau in diesen Bereichen niedrigere Oberflächentemperaturen ein. Dies führt zu höherem Energieverbrauch, Feuchtigkeitsproblemen wie der Bildung von Tauwasser oder dem Wachstum von Schimmelpilzen und im schlimmsten Fall zu einer allgemeinen Gefährdung der Bausubstanz.

Man unterscheidet geometrische und materialbedingte Wärmebrücken. Geometrische Wärmebrücken treten zum Beispiel an Gebäudekanten auf. Materialbedingte Wärmebrücken sind solche, bei denen Baustoffe mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit verwendet werden. Bei Fenstern liegen Wärmebrücken beider Arten vor. Zum einen ist die Wärmeleitfähigkeit von Fenstern in der Regel höher als die der umgebenden Außenwände, zum anderen ist ein Fenster dünner als als die Außenwand und kann daher nicht gleichzeitig bündig zu Innen- und Außenseite der Wand eingebaut werden. Bei der Wahl des Fensters und der Planung des Anschlusses von Fenster an Außenwand sind daher einige Anforderungen zu beachten, wenn ein Bauschaden nicht vorsätzlich produziert werden soll.

Um der Wärme den leichtesten Weg nach draußen zu versperren, ist natürlich ein luftdichter Anschluss des Fensterrahmens an die Dichtheitsebene der Außenwand unerlässlich. Beim Leichtbau ist das die Dampfbremse bzw. Dampfsperre, bei Massivbauten der Innenputz. Die Verwendung von PU-Schaum zur Abdichtung der Fugen ist entsprechend DIN 18355 (Tischlerarbeiten) mittlerweile auch wieder zulässig, nachdem u.a. das Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim im Auftrag des Arbeitskreises PU-Ortschaumhersteller zum Ergebnis kam, dass PU-Ortschaum und die von der DIN 18355 ursprünglich geforderten Mineralfaserdämmstoffe gleichwertig verwendet werden können. Als Alternativen bieten sich auch Zöpfe aus Hanf, Schafwolle oder anderen Materialien an. Unabhängig davon ist aber der eigentliche Dämmstoff nach außen durch dauerelastische Abdichtungen wie Dichtungsbänder zu schützen, gerne auch durch solche, die zusätzlich den Energieverbrauch senken. Wichtig ist immer ein sorgsamer Einbau, denn nach dem Anputzen des Fensterrahmens und dem Einbau der Fensterbänke sieht man schlecht abgedichtete Fugen nicht mehr und Wärmebrücken sind vorprogrammiert.

Die energetisch optimale Einbauposition eines Fensters liegt immer in der Dämmebene. Bei einschaligem Wandaufbau sollten Fenster im mittleren Drittel der Wand liegen. Bei Außenwänden mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) sollten Fenster im inneren Drittel der Dämmstoffebene liegen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Außenseite des Rahmens bündig an der Außenkante des Mauerwerks liegen sollte. Hierdurch wird auch eine einfachere Überdämmung und Montage ohne zusätzliche Befestigungselemente ermöglicht. Eine weitere Verschiebung der Einbauebene nach außen in die Dämmebene führt zu einer weiteren (geringfügigen) Senkung der Wärmeübertragung.

Eine Erneuerung von Fenstern bei nicht oder schlecht gedämmten Außenwänden ist problematisch, da die Wärme durch die Wärmebrücke im Laibungsbereich an den hochwertigen Fenstern vorbei geleitet wird. Eine Energieeinsparung durch den Fenstertausch ist zwar gegeben, im Bereich der Fensterrahmen kann es aber zu Schimmelbildung kommen. Im Prinzip besteht der Wärmeschutz an der Außenseite des Rahmens ja nur aus einer dünnen Schicht Laibungsmauerwerk. Etwas Verbesserung schafft hier eine Dämmung in der Laibung (auch Zargendämmung genannt).

Bisweilen sind als undicht empfundene Fenster aber auch (nur) das Ergebnis unzureichender Verglasung. Damit wird dann im Prinzip die Verglasung zur Wärmebrücke und vor dem Fenster kommt es zu einer spürbaren Luftbewegung. An Doppelglasfenstern kommt heute – auch aus Gründen des Schallschutzes – niemand mehr vorbei. Die energetischen Anforderungen für Fenster (Verglasung und Rahmen) nach Energieeinsparverordnung (EnEV) liegen bei U-Werten von 1,3 W/(m²K) und darunter. In jedem Fall sollte man sich bei der Wahl des richtigen Fensters also von einem Fensterbauer beraten lassen.

Im Übrigen sind Eisblumen auf der Außenseite von Fenstern kein Grund zur Klage sondern ein Zeichen für hervorragenden Wärmeschutz der Fenster.


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Ein Kommentar

  1. […] bei Wärmebrücken waren… […]

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