Das Haus aus Kork

Gebäude mit einer Fassade aus KorkplattenBei diesem Beitrag habe ich wirklich überlegen müssen, ob ich nicht besser ein Bild des Hauses in der Rubrik Kurioses bringen sollte. Auf der anderen Seite haben wir auch schon über Häuser aus Papier und auf dem Kopf stehende Häuser berichtet. Und bei näherem Hinsehen ist das Haus aus Kork auch gar nicht so kurios, wie es eigentlich klingt. Aber trotzdem ist es ein ungewöhnlicher Gedankengang, der zum Ergebnis geführt hat und der mehr oder weniger nach seinem eigenen Beitrag verlangt.

Das Haus, um das es geht, liegt in der portugiesischen Ortschaft Esposende etwa 60 km nördlich von Porto an der Atlantikküste. Die Lage des Hauses ist in so fern wichtig, als dass sie schon den ersten Grund für die Wahl des Baumaterials liefert: Aus Portugal stammt etwa die Hälfte des weltweiten verwendeten Korks, womit der Einkaufspreis im Vergleich zu hiesigen Vorstellungen natürlich wesentlich gedrückt werden konnte. Sieht man einmal von den vielfach proklamierten ökologischen Nachteilen der Korkernte ab, drängt sich Kork als Baumaterial an dieser Stelle also nahezu auf.

Kork ist im Bauwesen in unserem Breiten vornehmlich als Trittschalldämmung unter Bodenbelägen oder Schwingungsdämpfung zu finden. Doch es gibt auch Anwendungen für Kork im Bereich des Wärmeschutzes, da Kork mit einer Wärmeleitfähigkeit knapp über 40 mW/(m·K) fast mit herkömmlichen Faserdämmstoffen mithalten kann. Hinzu kommt, dass Kork alterungsbeständig ist, keinen Nährboden für Schädlinge bietet und als Baustoff den Kontakt mit Säuren, Laugen oder Heißbitumen übersteht unbeschadet. Darüber hinaus sind Platten aus Kork relativ elastisch und diffusionsoffen, jedoch luft- und wasserdicht.

Auch wenn das Haus in Portugal als „Haus aus Kork“ oder offiziell Cork House bezeichnet wird, ist die tragende Konstruktion doch aus herkömmlichen Baustoffen erstellt. Erstaunlich und neu ist allerdings, dass der Kork nicht als Wärmedämmung in Inneren von Bauteilen verwendet wird, sondern in großen Teilen des Hauses die äußere Gebäudehülle mit einer Dicke von 150 mm bildet. Wie bereits erwähnt, wurde Kork als Baustoff ausgewählt, da er in Portugal sehr erschwinglich ist und für das Haus nur ein bescheidenes Budget zur Verfügung stand. Obwohl das Gebäude schon 2008 fertig gestellt wurde, sieht dessen Korkfassade auch im Jahre 2011 immer noch sehr ansehnlich aus.

Gebäude mit einer Fassade aus KorkplattenInnen ist das Haus den Architekten zufolge minimalistisch konzipiert. Die Räume sind rational und effizient organisiert (was für Ingenieure so viel heißt wie „klein“). Farblich bieten die schwarzen gestrichenen Betondecken und Böden einen guten Kontrast zu den weißen Wänden. Gegenüber der langen Küchenzeile befindet sich mittig im Wohnraum eine freistehende, einläufige Treppe. Alle Fenster sind mit perforierten und klappbaren Metallblenden versehen, die sowohl der Sicherheit als auch dem Sonnenschutz dienen.

Ach ja, das Haus ist übrigens ein Ferienhaus mit 6 Schlafzimmern für eine 10-köpfige Familie. Wer also Lust hat, den Sommerurlaub mit Kind und Kegel in Portugal zu verbringen…

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2 Kommentare

  1. Helmut sagt:

    Ist eigentlich der Kork-Baum im Begriff auszusterben? War da nicht was?

  2. Stefan sagt:

    Die Korkeiche gibt es schon seit über 1000 Jahren im Mittelmeerbereich und sie wird dort wohl auch noch wesentlich länger zu sehen sein, wenn sich die Korkbauern an die geforderten Pausen von 9 Jahren zwischen den Ernten halten, damit die Korkeiche sich erholen kann und sich eine neue Korkrinde bildet.
    Wenn Sie auf die knapp 10 Jahre alte Einschätzung des WWF zu diesem Thema anspielen, ist das dort beschriebene Szenario wohl ein wenig weit hergeholt. Nur weil nach und nach der Korken von Wein- oder Sektflaschen aus Plastik besteht oder Drehverschlüsse verwendet werden, wird die Korkeiche nicht aussterben. Schon gar nicht, wenn die dadurch möglicherweise entstehende niedrigere Nachfrage nach Kork durch solche Bauwerke wie dieses ausgeglichen werden kann.

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