Nachlese zur BAU 2013

Logo der BAU 2013 Messe MünchenVor zwei Jahren hieß der Titel zum gleichen Thema noch ‚BAU 2011 – ein Nachruf‚. Dieses Jahr ist aus dem Nachruf eine Nachlese geworden. Das soll nun nicht heißen, dass die BAU 2013 sich inhaltlich gebessert hätte und sich nun wirklich als Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme präsentiert – mit der Betonung auf LEIT, nicht auf Weltmesse. Doch wer leiten will, muss auch Innovation präsentieren. Und hier hapert es wie vor 2 Jahren immer noch gewaltig. Da man sich aber irgendwann an alles gewöhnt, gibt es dieses Jahr eine Nachlese, keinen Nachruf.

Generell war die Besucherzahl rekordverdächtig (235.000, davon jeder Vierte aus dem Ausland) und das Ausstellerfeld der BAU 2013 war genauso unüberschaubar wie in den vergangenen Jahren. Ein grobe Ordnung war ansatzweise nur bei den größeren Messeständen zu erkennen. Wieder einmal läuft man sich die Hacken wund, um sich umfangreicher über die Konstruktion von Außenwänden oder Dächern informieren zu können, da entsprechende Aussteller über die Hallen A1 bis B5 verteilt wurden. Das man bei seiner Tour durch die Hallen dann auch die Bauchemie und Bodenbeläge kreuzt, könnten die Veranstalter bei der Planung der Hallenbelegung sicherlich vermeiden. Eine Hallenbelegung nach Baustoffen ist hier sicherlich nicht mehr als zeitgemäß anzusehen. Man muss nicht unbedingt die Hersteller von Holzfaserdämmstoffen in die Holz-Hallen legen, nur weil der Rohstoff der angebotenen Produkte da rein passt. Von der angekündigten ‚Neuen Themenführung‚ war hier nicht viel zu spüren.

Ansonsten waren fast alle Großen aus dem Bereich Materialien und Systeme vertreten, nur die Firma Knauf glänzte einmal mehr durch Abwesenheit. Leider kam das Thema Architektur zu kurz, wobei man gerade hier alle zwei Jahre wirkliche Neuheiten präsentieren könnte. Zusätzlich zu den paar Foren und Seminaren, die zum Thema arrangiert wurden, wäre es bestimmt auch interessant, wenn die bekannteren Architekten der Branche besondere Projekte präsentieren würden. Eine Halle mit Entwürfen, Details, Oberflächen, Konturen, Materialien, Baukunst, Ästhetik, Inspiration usw. würde der Messe gut tun und zum selbstgewählten Hauptthema sehr gut passen. Die Lange Nacht der Architektur mit mehr als 20.000 Besuchern zeigt, wie viel Potential darin steckt.

Noch kurz ein paar Worte zum Innovationsgehalt der vorgestellten Produkte: Dieser lag – wie schon eingangs erwähnt – nahe Null. Ganz häufig wurden lediglich Verbesserungen präsentiert, deren Entwicklung in neuen gesetzlichen Anforderungen oder einer verbesserten Konkurrenzfähigkeit begründet liegt.

So kündigte Isover für das 2. Halbjahr 2013 eine Innendämmung mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,030 W/mK an, was Bauteile verglichen mit heute verfügbaren Dämmprodukten etwa 5 mm dünner macht. Im erweiterten Rennen um die Milliwatt haben Ziegelhersteller nun ausnahmslos gefüllte Hochlochziegel mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,070 W/mK im Angebot. Nur die Firma Kellerer bot einen Ziegel mit 0,060 W/mK an. Leichtbaukonstruktionen für Dächer und Außenwände scheinen hingegen immer komplizierter werden zu müssen, um dem Handwerker eine gute Entschuldigung für Baufehler anzubieten.

Ansätze für Innovation gab es häufiger bei den kleineren Ausstellern an den Hallenrändern zu sehen. Zwar sind nicht alle Produkte und Lösungen ausgereift oder bis ins Detail durchdacht, doch Potential ist in einigen Fällen zu erkennen. Zudem stellt sich die Frage, wie viele dieser guten Ideen und Ansätze der eher konservative deutsche Baumarkt gerade bei ausländischen Anbietern ohne echten Marktzugang auch annehmen wird.

Eine Augenweide war jedoch wie immer Halle A5 als Paradies für Heimwerker und Handwerker mit Werkzeugen in allen Formen und Farben 🙂

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