Neues vom Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Dämmstoff Multitherm Aero Wärmedämmverbundsystem WDVSDas wurde ja auch langsam mal Zeit, dass sie auf diesem Gebiet was tut. Vor knapp 3 Jahren habe ich schon mal über die Trends bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) geschrieben und schon damals war abzusehen, dass neben schlecht geschulten Handwerkern die Dämmstoffdicke von WDVS zukünftig zu einem Problem werden würde. Nun wurde von der Firma Heck ein System vorgestellt, dessen Dämmstoff eine richtig niedrige Wärmeleitfähigkeit aufweist und zudem noch genauso zu verarbeiten ist wie ein WDVS mit herkömmlichen Dämmstoffen. Multitherm Aero heißt es und verrät damit auch schon viel über die wichtigste Zutat: Aerogel.

Endlich also! Endlich gibt es ein Dämmsystem, das eine niedrige Wärmeleitfähigkeit hat (Bemessungswert 0,018 W/mK), dazu noch als nicht brennbar klassifiziert ist (Baustoffklasse A2) und laut Herstellerangaben einfach in Sachen Handhabung und Verarbeitung ist. Vorteilhaft ist sicher auch die Flexibilität der Dämmplatten, die aus mehreren Vlieslagen bestehen und sich daher an Rundungen und Wölbungen der Fassade anpassen lassen können sollen. Und last-but-not-least ist der Dämmstoff wasserabweisend, aber trotzdem dampfdurchlässig (Diffusionswiderstand μ=3) und bietet wegen der feinporigen Nanostruktur eine gute zusätzliche Schalldämmung. Wärmebrücken werden ab einer Dämmstoffdicke von 30 mm durch eine Stufenfalz minimiert.

Doch bei der Herstellerbeschreibung der Flexibilität kann man schon ein wenig stutzig werden. Dies ist sicherlich eine willkommene Abwechslung für Architekten und Denkmalschützer. Aber wenn sich ein Material – natürlich nur bis zu einem gewissen Grad – biegen lässt, bietet es dann noch die notwendige Steifigkeit/Festigkeit als Putzträger? Immerhin werden standardmäßig Materialdicken zwischen 20 und 100 mm angeboten und das bei einer Rohdichte von 230 kg/m³. Gerade bei dickeren Platten kann ich mir vorstellen, dass Flexibilität und Festigkeit sich nicht unbedingt miteinander vertragen.

Für den Verarbeiter gibt es trotz all dieser Verbesserungen kaum Neues zu beachten. Der Untergrund muss wie immer sauber, trocken, staub- und fettfrei, eben und tragfähig sein. Das WDVS wird darauf mit Wulst-Batzen-Methode geklebt und zusätzlich gedübelt. Bei der Wahl der Dübel und der diversen Putze sind natürlich nur systemtechnisch geprüfte Komponenten zugelassen. Es wird allerdings empfohlen, auf dem Dämmstoff eine Ausgleichsschicht aus Unterputz mit einer Dicke von 1-2 mm aufzubringen und diese vor dem Aufbringen des Unterputzes mit Armierungsgewebe leicht antrocknen zu lassen. Und – interessant für ein wasserabweisendes Material – der Dämmstoff soll vor Schlagregen geschützt werden. Ansonsten rät man zum Tragen von staubdichter Kleidung, Mundschutz und Handschuhen, da beim Schneiden und Verarbeiten von Aerogel-Platten Staub entsteht, der zu einem Trockenheitsgefühl der Haut und zu Reizungen von Augen und Atemwegen führen kann.

Zwar spricht der Hersteller von einem Durchbruch in der Entwicklung einer zuverlässigen und wirtschaftlichen Gebäudedämmung, doch hier muss man jenseits der üblichen Werbeprosa wohl leichte Abstriche im Bezug auf die Wirtschaftlichkeit machen. Aerogel ist als Rohstoff preislich nicht konkurrenzfähig zu herkömmlichen Dämmstoffen und daher wird auch ein WDVS, dass Aerogel als Dämmstoff beinhaltet, kaum günstiger werden. Das bestätigt allerdings auch die Firma Heck in einem Nebensatz:

Multitherm Aero (…) kommt überall dort zum Einsatz, wo wenig Raum für Wärmedämmung zur Verfügung steht, z.B. in Fluchtwegen oder Hinterhöfen, in Eingangsbereichen oder an Balkonen.

Das heißt dann soviel wie: Für den großflächigen Einsatz nicht bezahlbar. Naja, immerhin macht man noch auf eine Reduktion des Wohnraumverlust aufmerksam, durch welche die Rentabilität des Produktes wieder erhöht wird. Genauere Informationen zu Preisen liegen aber noch nicht vor.

Insgesamt sind die proklamierten Eigenschaften des neuen WDVS schon sehr imponierend. Doch es ist für den Hersteller auch noch ein weiter Weg zu einem Produkt, das am Markt akzeptiert wird, da noch viele Fragen unbeantwortet sind und es ohne marktrelevante praktische Langzeiterfahrung auch erst einmal bleiben.

Zum Schluss noch ein netter Vergleich aus dem Werbematerial der Firma Heck:

Multitherm Aero dämmt 105x besser als Beton.

Ja, damit wurde das auch einmal ausgerechnet 😉

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