OSB-Platten

OSB-Platte mit Nut und Feder umlaufendOSB-Platten – oder in der Langversion ‚Oriented Strand Boards‘ – sind ein weiterer Holzwerkstoff, der sich in den letzten Jahren einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut. Entwickelt wurden diese Holzwerkstoffplatten als Nachfolger von Waferboards in den 50er Jahren in Nordamerika, wo bis heute mehr als 90% aller Platten hergestellt werden. Interessant wird der Einsatz dieser Platten mit seinen ausgerichteten, oft mehreren Zentimeter langen und breiten Hobelspänen wegen der hohen Materialfestigkeiten, die um den Faktor 2 bis 3 über denen von Spanplatten liegen können.

DIN EN 300 liefert eine gute Definition von OSB-Platten:

Eine aus langen, schlanken Holzspänen (Strands) mit vorbestimmter Form und Dicke und mit einem Bindemittel gefertigte Mehrschichtplatte. Die Strands in den Außenschichten sind parallel zur Plattenlänge oder –breite; die Strands in der Mittelschicht bzw. in den Mittelschichten können zufällig angeordnet sein oder sind im Allgemeinen rechtwinklig zu den Strands der Außenschichten ausgerichtet.

OSB-Platten werden aus frischem Waldholz hergestellt, wobei sowohl Nadelholz (Fichte, Kiefer) als auch Laubholz (Espe, Pappel) als Rundholz (Stämme) mit einem Durchmesser von 80 bis 600 mm verwendet wird. Frischholz wird eingesetzt, da eine gewisse Flexibilität der feuchten Späne bei der Produktion sinnvoll ist und so nicht so viel Staub beim Zerspanen anfällt. Das Holz kommt in der Regel aus dem Umfeld der Produktion. Es werden vorwiegend Baumarten mit geringer oder mittlerer Rohdichte gewählt, da mit diesen gute Festigkeiten bei geringem Gewicht erzielt werden können. Das Rohholz wird mindestens zu 90% entrindet, um die guten mechanischen Eigenschaften des Holzes und die Optik des Platten nicht herabzusetzen. Der Holzanteil fertiger Platten liegt irgendwo bei 96%, alles weitere sind Leim und ähnliches.

Nach dem Schneiden bzw. Schälen der Strands werden diese getrocknet und durch Sieben sortiert. Lange und schmale Späne sowie die größeren Späne kommen in die Mittelschicht der OSB-Platte, feinere Späne werden eher in der Deckschicht bei der Herstellung von Spanplatten eingesetzt. Die Späne werden dann in Trommeln beleimt. Dabei werden Leim, Paraffin, Härter und Wasser auf die Späne gesprüht. Der Leim für die Deckschicht besteht bei OSB-Platten aus Europa überwiegend aus Melamin-Urea-Phenol-Formaldehyd (MUPF) bzw. Melamin-Urea-Phenol-Formaldehyd (MUF) und in der Mittelschicht aus Phenyl-Methan-Di-Isocyanat (PMDI). PMDI kann jedoch auch in den Deckschichten eingesetzt werden, wodurch die gesamte Platte ohne Formaldehyd gebunden ist.

Ist der Leim aufgebracht, werden die Späne entsprechend ihrer Position in der Schichtung der Platten ausgerichtet und bei kontinuierlichen Pressen über ein Textilband auf das stählerne Pressenband gefördert. Der Leim härtet dann unter Einwirkung von Druck und Temperatur aus. In diesem Produktionsschritt wird auch die dicke der Platten eingestellt. Neben kontinuierlichen Pressen kommen hier auch Mehretagenpressen zum Einsatz. Kontinuierliche Pressen können bei einer Länge von ca. 40 m und einer Breite von 2,8 m ca. 1200 m³ Holzspäne pro Tag pressen. Abschließend werden die Platten durch Längsbesäumung auf die gewünschte Plattenbreite gebracht, mit einer Diagonalsäge auf Länge geschnitten und in einem Sternwender abgekühlt.

Trotz der großen Späne an der Oberfläche der Platten sind diese verhältnismäßig glatt. Durch nachträgliches Schleifen kann die Oberfläche jedoch noch weiter verfeinert und Dickentoleranzen verbessert werden. Durch den hohen Anteil an Leim haben OSB-Platten auch einen höheren Dampfdiffusionswiderstand als andere Holzwerkstoffplatten.

Obwohl verschiedene Produktqualitäten für unterschiedliche Einsatzbereiche zur Verfügung stehen, werden OSB-Platten – anders als Holzfaserplatten – nur in 4 Güteklassen bzw. Anwendungsgruppen unterteilt (bauaufsichtlich nicht zugelassene Platten werden beispielsweise unter dem Begriff ‚Kompaktholz‘ verkauft):

  • OSB/1 Platten für allgemeine Zwecke und für Inneneinrichtungen (inkl. Möbel) zur Verwendung im Trockenbereich
  • OSB/2 Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Trockenbereich
  • OSB/3 Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich
  • OSB/4 Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich

Die Rohdichte variiert zwischen 640 und 680 kg/m³, die Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,12 und 0,13 W/(m·K). Die Wärmespeicherkapazität liegt bei 1700 J/(kg·K), der Wasserdampfdiffusionswiderstand bei 50/400. Brandschutztechnisch erreichen OSB-Platten die deutsche Baustoffklasse B2 bzw. die Euroklasse D-s2-d0. Die lieferbaren Abmessungen liegen typisch bei 2500 bis 5000 mm zu 607 bis 2500 mm sowie bei Dicken zwischen 8 und 40 mm.

Bei dreilagig hergestellten Platten ergeben sich durch die Orientierung der Späne in den verschiedenen Lagen – in der Mittellage, die ca. 50% der Gesamtdicke ausmacht, liegen die Späne quer zur Produktionsrichtung – ähnlich zu Sperrholzplatten mechanische Werkstoffeigenschaften, die richtungsabhängig sind. Insbesondere die Biegefestigkeit wird durch die langen, schlanken Strands wesentlich verbessert, da diese in den Deckschichten parallel zur Produktionsrichtung angeordnet sind.

Die hohen Festigkeiten von OSB-Platten machen diese besonders interessant für den Einsatz in tragenden Konstruktionen, speziell als aussteifende Beplankungen von Wänden und Decken im Holzbau. Darüber hinaus kommen OSB-Platten auch in Verpackungen, Kisten, Paletten, Möbelgestelle, im Laden-, Bühnen- und Messebau oder als Betonschalung oder Bauzäunen zum Einsatz. Der Löwenanteil geht mit etwa 75% jedoch an die Bauindustrie, gefolgt von Verpackungen mit ca. 20%.

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