Reflektierende Dämmstoffe

Reflektierende WärmedämmungSchön sehen sie ja aus, diese spiegelblanken, folienüberzogenen, dünnen Vliese und Luftpolsterfolien, die in letzter Zeit immer mal wieder als preiswerter Super-Dämmstoff von sich Reden machen. Zuletzt auch in Fachzeitschriften wie der Bauphysik. Immerhin wird von Seiten diverser Hersteller damit geworben, dass diese reflektierenden Wärmedämmstoffe Gebäude genauso gut gegen Energieverluste schützen wie 200 mm herkömmliche Mineralwolle. Unabhängige Laboruntersuchungen widersprechen jedoch diesen Aussagen. Was ist also wirklich dran an den Produkten? Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) ist des Pudels Kern in den letzten Jahren einmal genauer auf den Grund gegangen.

Aber wie wirken eigentlich reflektierende Dämmstoffe? Auch hierüber gehen die Meinungen von Herstellern und Physikern auseinander. Einig sind sich beide Gruppen nur darüber, dass Wärme prinzipiell durch Leitung, durch Konvektion und durch Strahlung übertragen wird. Da Konvektion im Großen und Ganzen unabhängig vom Material ist und Dämmstoffe mit reflektierenden Oberflächen Wärmeleitung aufgrund ihrer geringen Dicke und der verwendeten Materialien kaum unterbinden können, muss ihr beworbener Effekt also mit der Wärmestrahlung begründet werden. Hier gibt es allerdings drei grundsätzliche Voraussetzungen, damit dieser Effekt überhaupt ermöglicht werden:
  • die Temperaturdifferenz zwischen Luft und Oberfläche muss (sehr) groß sein,
  • die Oberfläche muss an einen Luftraum grenzen, damit Wärme abgestrahlt werden kann und
  • die Oberfläche muss einen hohen Reflexionsgrad aufweisen, d.h. blitzblank sein
Zur Erfüllung der ersten Voraussetzungen ist der Einsatz von Dämmstoffen mit reflektierenden Oberflächen also insbesondere in Dachflächen von Steildächern denkbar, deren Dachziegel durch die Sonne häufig erwärmt werden. Verwendet man herkömmliche Dachaufbauten, kann durch die normale Dachlattung auch die zweite Voraussetzung erfüllt werden. Schwieriger wird es allerdings mit der letzten Voraussetzung, da der belüftete Hohlraum unter Dacheindeckungen nicht nur von Luft sondern auch von Staub und Schmutz durchströmt wird, der sich auf den reflektierenden Oberflächen absetzt und damit deren Wirkungsgrad verringert. Gerade dieses Alterungsverhalten reflektierender Dämmstoffe ist bisher aber eine große Unbekannte und insbesondere von Herstellern der Produkte kaum beachtet. Zuletzt belegen Hersteller von Dämmstoffen mit reflektierenden Oberflächen ihre Aussagen zur Energieeffektivität ihrer Produkte in der Regel mit einer handvoll theoretischer Berechnungen oder selbstgestrickten Versuchen, deren Sinnhaftigkeit von Fachleuten im Bezug auf das Bauwesen regelmäßig bestritten wird.

Um die Werbeaussagen der Produzenten reflektierender Dämmstoffe ein für alle Mal zu überprüfen, wurden von den Wissenschaftlern des IBP daher sowohl Praxistests an Gebäuden als auch theoretische Simulationsberechnungen durchgeführt. Für die praktischen Untersuchungen wurden die Dachflächen zweier baugleicher Gebäude in dem einen Fall nur mit besagten 200 mm Mineralwolle und im anderen Fall nur mit reflektierenden Dämmstoffen gedämmt. Mit dem Ergebnis dieser ungewöhnlichen weil sehr realitätsnahen Untersuchungen soll Planern und Bauherren Sicherheit im Bezug auf die Anwendbarkeit letztgenannter Produkte gegeben werden.

Und die Ergebnisse aller Untersuchungen des IBP waren eindeutig. So heißt es dort, dass die Dachkonstruktion mit der reflektierenden Dämmung typische Merkmale eines Aufbaus mit geringerer Dämmwirkung zeigt. In allen Messperioden waren die Energieverluste über die Dachflächen mit den reflektierenden Dämmstoffen etwa zweieinhalb mal so hoch wie bei dem mit Mineralwolle gedämmten Dachraum. Noch größer wurde der Unterschied bei undichten Dachgeschossen. Oder anders ausgedrückt: die reflektierenden Dämmstoffe ersetzen nur etwa 80 mm herkömmlichen Dämmstoff. Die theoretischen Berechnungen und Labormessungen bestätigen diese Ergebnisse. Bei der Bestimmung des Kältebedarfs im Sommerfall wurden für das reflektierend gedämmte Dach Energiemengen ermittelt, die um etwa 10% über denen des mit Mineralwolle gedämmten Daches lagen.

Es ist also eine Sache, was Hersteller auf Produktverpackungen und in Werbebroschüren versprechen. Es kann etwas ganz anderes sein, was am Ende auf der Heizkostenabrechnung steht. Daher meine Empfehlung an dieser Stelle:

Geforderte Wärmedämmstandards sind alleine durch traditionelle Wärmedämmstoffe einzuhalten. Ist dies gewährleistet, kann man darüber hinaus mit reflektierenden Dämmstoffen sicherlich noch ein paar Kilowattstunden sparen. Alleine auf die Wirkung der Strahlungsreflektion zu setzen, ist jedoch weder für den Geldbeutel noch für die Bausubstanz sinnvoll.

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6 Kommentare

  1. Dennis sagt:

    Wie heisst das Plugin an der Seite ? Das will ich auch!

  2. Stefan sagt:

    Dennis, welches der vielen Plugins meinst du denn genau?

  3. Hätte noch kurz zwei Fragen dazu:
    Um wieviel Prozent sind reflektierende Dämmstoffe teuerer als herkömmliche? Lohnt sich der Einsatz (gemessen an den eingesparten Kilowattstunden)?

  4. Stefan sagt:

    Container-Man,
    knapp 20 Euro/m²… plus-minus. Und wenn man den Herstellern glauben möchte, ist das durchaus konkurrenzfähig zur Dämmleistung herkömmlicher Dämmstoffe.
    Und meine Antwort auf die zweite Frage liegt schon in der ersten Antwort: WENN man den Herstellern glauben will, lohnt sich der Einsatz. Objektiv ergaben die Messung vom Fraunhofer IBP jedoch einen Mehrverbrauch, der 2,5-mal so hoch war wie bei Vergleichsobjekten. Man spart also nix, im Gegenteil.

  5. Alexandra sagt:

    Hallo,
    auf welche Studie des IBP gründet sich der Artikel? Diese Studie sollte doch zu beziehen sein, oder? Ich bekomme unter den Schlagworten auf der Fraunhofer Seite keine Treffer.
    Danke für die Info vorab!

  6. Stefan sagt:

    Hallo,
    ich denke nicht, dass die Studie jemals veröffentlicht wurde bzw. wird. Sie ist von der Industrie in Auftrag gegeben und bezahlt worden, die verständlicherweise wenig Interesse an einer Publikation haben wird.

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