Rosenkrieg im Passivhaus (updated)

Logo des Passivhaus Institutes (PHI)Viele Jahre lang war man so stolz auf den kleinen Ableger des Passivhaus Institutes (PHI) in den USA. Die Organisation PHIUS (Passive House Institute US) war immer ein Vorreiter und Aushängeschild, wenn es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten um energieeffizientes Bauen ging. Doch jetzt ist das Verhältnis zwischen PHI und PHIUS zerrüttet, was zuletzt in der Kündigung der laufenden Verträge zwischen den beiden Parteien endete. Das Passivhaus Institut in Darmstadt sah sich zu dieser Maßnahme gezwungen, da PHIUS angeblich mehrfach gegen Absprachen und die anerkannten Zertifizierungsregeln verstoßen hatte.

Hier ein Auzug aus dem offenen Brief von Passivhaus-Vater, Dr. Wolfgang Feist:

(…) recent actions by PHIUS, a US organisation founded by Katrin Klingenberg, have culminated both in breaches of contract and good faith, which have unnecessarily reinforced false divisions within the Passive House community. In light of PHIUS’ disregard for its standing agreements with PHI, we are left with no other choice but to suspend all standing contracts. (…)

Demnach soll PHIUS nachweislich Passivhäuser zertifiziert haben, ohne dafür ausreichende Dokumentation vorweisen zu können. Als Folge davon wurde PHIUS der Titel des zertifizierten Passivhausplaners aberkannt. Darüber hinaus soll PHIUS das Copyright des PHI am Passivhaus-Projektierungs-Paket (PHPP) gebrochen haben, nachdem unter anderem metrische SI-Einheiten in angloamerikanische Einheiten umgeschrieben wurden. Auch wurde das PHPP unerlaubt vom PHIUS vertrieben. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Errichtung eines konkurrierenden Zertifizierungssystems und die Weigerung vertragliche Vereinbarungen anzuerkennen.

Aber was ist nun die Folge dieser Maßnahmen?

Dadurch, dass der Begriff des Passivhauses nicht geschützt ist, kann ihn eigentlich jeder verwenden wie es ihm beliebt. PHIUS darf also seinen Namen behalten. Wenn es jedoch um die Zertifizierung nach dem Regeln des Passivhaus Institutes (PHI) geht, wird die Sache komplizierter. Hier bestehen feste und ausgesprochen detaillierte Regeln, die vom PHI aufgestellt und recht streng überwacht werden. Auch der Titel “zertifizierter Passivhaus-Planer” wird vom PHI alleine erteilt. Doch was bedeutet eine Aberkennung des Titels für PHIUS? Eigentlich nicht viel, denn man darf nach wie vor das erworbene Wissen und die Erfahrung einsetzen. Nur dass man nicht mehr mit dem Titel und dem Namen des Passivhaus Institutes werben darf.

Für den interessierten Bauherren eines Passivhauses in den USA hat das institutionelle Geplänkel kaum Folgen. PHIUS ist nur eine von vielen international tätigen Organisationen, die vom Passivhaus Institut erkoren wurden, Passivhäuser zu zertifizieren. Geplant werden dürfen Gebäude mit dem Namen “Passivhaus” immer noch von PHIUS, nur eben nicht als zertifizierter Passivhaus-Planer. Darüber hinaus kann der Bauherr aber auch auf fast 1500 zertifizerte Passivhaus-Planer zurückgreifen.

Es gibt also keinen wirklichen Gewinner und keinen deutlichen Verlierer in diesem Rosenkrieg. Es ist nur Schade für die optimale Umsetzung des Themas “Energieeffizientes Bauen” in den USA, dass das nationale Zugpferd jetzt lahmt.

Update: Das Passive House Institute US (PHIUS) hat eine erste Gegendarstellung veröffentlicht. Unter dem Strich will PHIUS seine Zertifizierungstätigkeit entsprechend den bekannten Passivhaus-Regeln fortsetzen, auch wenn man dabei auf die “offizielle” Zertifizierung seitens des Passivhaus Institutes (PHI) verzichten muss. Ein interessanter Punkt in den Ausführungen von PHIUS: “Dr. Feist und das PHI haben schon vor langer Zeit die Kontrolle über den europäischen Zertifizierungsprozess verloren und damit auch die entsprechende Legitimität. Auch wenn Zahlen wie “20.000 und mehr” lose in den Raum geworfen werden, wenn es um die Anzahl von Passivhausprojekten in Europa geht, ist doch nur ein kleiner, kleiner Teil davon wirklich zertifiziert.” So kann man das Ganze natürlich auch sehen…

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Ein Kommentar

  1. […] müssen natürlich Grundregeln beachtet werden, wie z.B. „So wenig wie möglich Fenster in Richtung Norden und so viele wie […]

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