Spanplatten aus Stroh

Nun ist die Zeit gekommen, in der Holzwerkstoffplatten nicht mehr aus Holz hergestellt werden müssen. Als Ersatzwerkstoff steht offenbar der schnell nachwachsende Rohstoff Stroh bereit, das als Restprodukt der Weizenproduktion in großen Mengen verfügbar ist. Stroh wird schon seit vielen Jahren als Wärmedämmstoff im Bauwesen eingesetzt und seit Jahrhunderten auch als Zuschlagstoff für Lehmbauten. Nun kann man aus Stroh entsprechend den Angaben der entwickelnden Firma Novofibre also auch Bauplatten herstellen, die zwar wie Spanplatten oder OSB-Platten behandelt und eingesetzt werden können, aber eben kein Holz mehr enthalten.

OSB-Platten waren also einmal, nun redet man über OSSB-Platten: Oriented Structural Straw Boards.

Das schöne an der Entwicklung von OSSB-Platten ist, dass die Kosten dieser neuen Bauplatten mit denen traditioneller Bauplatten vergleichbar sind, aber sie im Sinne von Gesundheit und Umwelt weiterentwickelt wurden. Zum einen bestehen die Platten aus einem Rohstoff, der innerhalb eines Jahres nachwächst. Zum anderen wurden die Zusatzstoffe wie Bindemittel so optimiert, dass sie der Gesundheit der Nutzer eines Gebäudes wesentlich verträglicher sind, da diese Bauplatten als erste frei von schädlichen Ausdünstungen sind.

Die Herstellung von OSSB-Platten erfolgt ähnlich der traditioneller Holzwerkstoffplatten durch Verleimen und Pressen biologischer Reststoffe, in diesem Fall Stroh oder Reet. Neu ist, dass OSSB-Platten nahezu unendlich oft rezykliert werden können, was bisher nicht möglich war. Ebenso neu ist, dass im fertigen Produkt kein Formaldehyd (Emissionsgruppe E0) enthalten ist, was beispielsweise in Frankreich für Bauprodukte, die das Innenraumklima beeinflussen können, bereits seit einigen Jahren vorgeschrieben ist. Als Bindemittel wird stattdessen ein pMDI-Kleber eingesetzt, von dem nach Untersuchungen des Aussage des Bremer Umweltinstitutes keine erhöhte Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt ausgeht. Für den Umweltschutz ebenso erfreulich ist, dass Stroh relativ gesehen ähnlich viel CO₂ binden kann wie Holz.

Auch unter den Gesichtspunkten Festigkeit und Statik kann man mit Holzwerkstoffplatten konkurrieren. Die meisten statisch relevanten Kennwerte von OSSB-Platten liegen im Bereich von OSB/4-Platten, die normalerweise als konstruktive Holzwerkstoffplatten für Anwendungen mit sehr hohen Anforderungen an Belastbarkeit und Dimensionsstabilität spezifiziert werden. Damit lassen sich schlanke und nachhaltige Konstruktionen sogar bei leicht verringertem Gewicht verwirklichen. OSSB-Platten sind kratzfest und beständig gegenüber Spritzwasser. Anwendungsbereiche finden sich entsprechend im Bereich der Aussteifung von Gebäuden, als Bodenbelag oder gar als schalldämmendes Element in der Installationsebene.

Vertrieben werden die neuartigen Bauplatten aus Stroh durch die Firma iStraw, die unter dem Motto ‚Stroh in Bestform‘ die Neuentwicklung nun dem potentiellen Kunden näher bringen soll. Pilotprojekte wurde in Europa schon mit der neuen OSSB-Platte beliefert. Erhältlich sind Standardabmessungen von 244 x 122 cm bei Dicken von 8, 11,1, 15, 18 und 22 mm, wobei Länge und Breite auf Anfrage modifiziert werden können.

Der Preis per Quadratmeter für verleimte Platten liegt entsprechend der letzten Preisliste zwischen 4,29 Euro für Platten mit einer Dicke von 8 mm und 11,49 Euro für 22 mm Dicke. Für Strohbauplatten ohne Bindemittel muss man etwa 20 Euro für den Quadratmeter bezahlen.

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9 Kommentare

  1. Andreas Schmitt sagt:

    Was für ein schlecht recherierter Bericht. In Deutschland hergestellte OSB-Platten werden allesamt mit PMDI verleimt, d.h. in den Platten ist nur das Formaldehyd enthalten, was ohnehin schon im Holz (hier: hauptsächlich Kiefer) enthalten war. Durch den Trockungsprozess vor dem Beleimen wird der Formaldehydgelat des Holzes weiter reduziert. Eine Strohplatte kann und wird den nachwachsenden Rohstoff Holz nicht ersetzen können, da das Stroh aus den Einjahrespflanzen gelagert werden muss. Die Holzernte hingegen, kann ganzjährig erfolgen. Die beschriebenen OSSB Platten kommen überdies aus China, d.h. für den Transport nach Deutschland müssen tausende von Kilometern zurückgelegt werden.

  2. Stefan sagt:

    Hallo Herr Schmitt,
    Vielen Dank für diese Informationen. Ich bin mir sicher, dass Sie als Mitarbeiter eines führenden Anbieters von Holzwerkstoffen im deutschsprachigen Raum hinreichend gute Quellen für Ihre Aussagen haben. Daher sehe ich es auch ein, dass Sie Strohplatten durchaus kritisch gegenüber stehen.
    Dennoch möchte ich die Anschuldigung einer schlechten Recherche zurückweisen. In Deutschland vertriebene OSB-Platten werden (leider) nicht nur in Deutschland produziert. Ja, OSSB-Platten haben einen weiten Weg hinter sich, jedoch dürfte die Alternative des Verbrennens von nicht genutztem Stroh vor Ort für die Umwelt nachteiliger sein als der Transport. Zudem kann man Stroh lagern und bei den aktuell geringen Produktionsmengen ist eine Fertigung wohl das ganze Jahr über möglich. Es ist auch nirgendwo die Rede davon, dass der nachwachsende Rohstoff Stroh den nachwachsenden Rohstoff Holz ersetzen soll. Es kann aber eine Ergänzung sein. Oder sieht man in Meppen eine Revolution kommen?

  3. Heiko Hof sagt:

    jeder Baustoff hat, wenn die Technologie in Ordnung ist, seine Daseinsberechtigung. Prüfstellen und Institute sorgen für umfangreiche Aufklärung über verfügbare Baustoffe. Also, schauen wir, was der Verbraucher gerne möchte. Viele Diskussionen wurden schon geführt über Formaldehyd,Phenole; Tannine,pMDI und andere Bindemittel. Fakt ist seit Jahrzehnten , das die Plattenproduktion, egal nach welchem Verfahren , die Wälder vor der extensiven Bretterproduktion geschützt hat, viele haben das vergessen. Na dann wünsche ich Allen eine offene, sachliche Diskussion 🙂

  4. Martin Weinecke sagt:

    Holz ist meiner Ansicht nach viel zu wertvoll, als das man es zerschreddert und wieder zu Platten zusammenklebt. Strohzellulose ist, abgesehen vom Silikatanteil, nichts anderes als Holzzellulose und Stroh haben wir in Euopa genug. Aus China ist natürlich ein Argument, aber soweit ich weiß, bildet der Import aktuell die Grundlage für eine Produktionsanlage in Europa in der OSSB, Strobbauplatten und eine Einblasdämmung ergestellt werden soll. Holz ist super, aber nicht alleien auf der Welt und man bedenke wie noch vor wenigen Jahren über Holzhäuser (ua.aus OSB-Platten) geschmunzelt wurde, heute sind sie Standart und die Ziegelindustrie in Not! 😉

  5. Stefan sagt:

    Man schmilzt sogar Glas und Steine und macht sie zu Dämmstoffen… 😮

  6. Michael Kipp sagt:

    Weniger Ist mehr ,ein Bild sagt Mehr als Tausend Worte.
    Habe Erfahrungen beim Baustrohplattenbau gesammelt
    und Möchte Sie euch weitergeben.(Innenausbau )

    Bei Unseren Projekt Zukunftweisender Schausteller Schindelwohnwagen

    http://www.mobilelocatsion-service.de/weltpremiere-am-23092016-/schindelwohnwagen-.html

    Ist als Anregung gedacht für den Innenausbau

    Gruß Michael

  7. Stefan sagt:

    Ein sehr spannendes Projekt… ich wünsche noch viel Freude mit dem Wohnwagen auf den Straßen und in den nächsten Wintern!

  8. Michael Kipp sagt:

    Jetzt haben alle Bauherrn (oder Baufrauen ) einmal die Möglichkeit in einer Ferienwohnung (zukunftsweisender Schindelwohnwagen) zum Probewohnen, wo Baustrohplatten im Fußboden, Wände und Decke verbaut sind.

    http://erlebnisferienwohnung.npage.de/willkommen.html

    Einmal eine Nacht im Wagen darüber schlafen in den Ferien (und auch Riechen) lässt Entscheidungen schneller fallen als manche Experten gutachten.
    Die Baustrohplatten wurden an den Wänden nur tapeziert, um den realen Eindruck nicht zu verzerren. Der Boden ist ein PVC Boden mit Trittschalldämmung, mit den Baustrohplatten darunter ist doppelte Trittschalldämmung entstanden. In der Decke kamen über die Baustrohplatten Vinylacrylplatten, die biegbar waren in den Rundungen.

    Freue mich, Euch als Erlebnisgäste zu begrüßen in der Musterferienwohnung zukunftsweisender Schindelwohnwagen.

  9. Michael Kipp sagt:

    Für alle die sich nichts unter Baustrohplatten und Ihre Verarbeitung vorstellen können, habe ich unter Facebook noch umfangreiches Infomaterial das zeigt ,wie auch Lichtstromleitungen hinter die Baustrohplatten verlegt werden (anschaulich)
    Für die Stabilität habe ich der Baustrohplatte eine Belastung in Oktober 2017 unterzogen zur meiner “ vollsten Zufriedenheit “
    Mit einen LKW.
    Info unter https://www.facebook.com/michael.kipp.3572

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