Die Sprache von Immobilienanzeigen

Immobilienanzeigen in einer Zeitung unter die Lupe genommenMit Immobilienanzeigen wollen Makler oder Privatleute in der Regel Geld verdienen. Das ist an sich natürlich ein höchst ehrbares Vorhaben – wenn der Verkäufer denn die Sprache in der Annonce ehrlich verwendet und nicht zu Übertreibungen neigt. Um hier und jetzt nicht falsch verstanden zu werden: viele Makler lassen sich hier nichts zu Schaden kommen. Aber es gibt auch Anzeigen, die anders verstanden werden können, als sie geschrieben sind. Und genau darum geht es im Folgenden.

Wer eine Immobilie wie ein Einfamilienhaus oder Mietwohnungen provisionsfrei in Essen, in Berlin oder in Hintertupfingen sucht, der kann sich in Zeitungen oder im Internet nach geeigneten Angeboten umsehen. Sucht jemand in einer anderen Region eine Immobilie, ist das Internet des bessere Ort für eine Suche. Das Problem ist nur, dass man aus der Entfernung nur schlecht erkennen kann, ob die Sprache in der Anzeige auch Wort hält. Da gibt es mitunter wirklich blumige Formulierungen…

Für Schnellentschlossene: Bei diesem Ausdruck sollte der interessierte Käufer erstmal ganz ruhig bleiben. Makler bieten mit diesen Worten oft Immobilien an, die sich schon längere Zeit erfolglos auf dem Markt befinden, und spielen so ein wenig mit den Konkurrenzgenen der Verbraucher. Aber auch wenn eine solche Immobilie neu und eventuell auch noch günstig auf dem Markt ist, sind Schnellschüsse nicht zu empfehlen. Zunächst sollte ein Sachverständiger sich das Objekt ansehen, um technische Mängel aufzudecken.

Liebhaberobjekt: Nach Meinung der Makler können nur Liebhaber über die versäumten Instandhaltungsarbeiten an diesen Objekt hinwegsehen. Normalerweise müsste man ‚renovierungsbedürftig‘ schreiben, doch dann dürfte das einem baldigen Verkauf nicht förderlich sein. Misstrauisch sollte man allerdings werden, wenn der Verkäufer den Zustand der Immobilie gänzlich verschweigt.

Verkehrsgünstig: Eine gute Infrastruktur und Verkehrsanbindung sind schon nicht schlecht, wenn man mobil sein möchte. Was aber ist, wenn mit der günstigen Lage eine Hauptstraße oder eine Autobahn gemeint ist, die vor der Haustüre vorbeiführt? Dann sollte man sich besser nicht auf die Angabe in der Immobilienanzeige verlassen.

Ruhige Lage: Diese Beschreibung bedeutet für den Interessenten häufig das exakte Gegenteil als bei der verkehrsgünstigen Lage. Ruhe, Abgeschiedenheit, weite Entfernungen bis zum nächsten Supermarkt, bis zur nächsten Schule, aber dafür viele Bäume und womöglich auch idyllische Natur. Allerdings könnte der Wiederverkauf sich bei solchen Objekten als schwierig erweisen. Aber das wird dann vom tüchtigen Makler am Ende als ‚Immobilie für Schnellentschlossene‘ verkauft.

Beliebtes Neubaugebiet: Was übersetzt so viel bedeuten kann, wie Baulärm und Dreck. Nun ja, ob das beim Interessenten so beliebt ist, muss noch bewiesen werden. Ist der eigene Garten schon fertig und 100 Meter weiter wird der nächste Schwung Häuser errichtet, ist es mit der willkommenen Ruhe auf dem eigenen Grundstück nicht so sehr weit her.

Aufstrebendes Viertel: Die Frage, die man hier eigentlich stellen muss, wäre ‚aufstrebend von welchem Niveau?‘. Was findet der Interessent bei seinem ersten Besuch vor? Ein Drogenviertel wird sich kaum in eine Luxusgegend verwandeln können. Und wenn wirklich was verändert wird, dann führt da meistens Baulärm und andere Störungen mit sich.

Individuell geschnitten: Kleine Räume, Winkel und Nischen kann man bei einer Immobilie erwarten, die mit diesem Attribut beschrieben ist. Für eine entsprechend großzügige Raumaufteilung wird man also noch ein paar Handwerker ins Haus lassen müssen.

Für junge Leute: Hinter dieser Formulierung können sich zwei Bedeutungen verbergen. Zum einen kann es um den zu erwartenden Geräuschpegel im Haus oder in der Wohngegend gehen, wenn junge Familien oder Studenten in der Nachbarschaft leben. Ähnliches gilt im Übrigen auch für ‚familienfreundliche Wohngegenden‘. Zum anderen kann die Bauweise bzw. die Ausstattung des Hauses angesprochen sein, bei der beispielsweise der Aufzug in einem Mehrfamilienhaus nicht vorhanden ist.

Klassischer Altbau: Kann so viel heißen wie hohe Decken, wie dicke aber ungedämmte Wände, wie undichte Fenster, wie Nachtspeicherheizung und und und. Wer hier zu viel Geld für den Ausgleich der Nebenkosten hat, der sollte sich überlegen, dieses nicht besser zukunftssicher(er) in energieoptimierte Gebäude zu investieren.

Gut erhaltene Immobilie: Ja, das mag sein. Aber diese Immobilie ist dann eben nur gut erhalten, nicht unbedingt renoviert. Hier sollten sich die Interessenten auf ein wenig mehr Arbeit einstellen, um das Haus wieder in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen.

Aufwändig saniert: Das ist doch schön für den Käufer. Der muss sich dann nicht selber mit langen und dreckigen Sanierungen rumschlagen. Allerdings hat so eine vorzeitige Sanierung zwei Nachteile. Erstens müssen die Arbeiten dem potentiellen Käufer zusagen und zweitens wird der Verkäufer seine Investitionen mit Sicherheit über eine hohen Preis wieder reinholen wollen.

Lichtdurchflutete Räume: Das deutet zwar auf großzügig geschnittene Räume und auf weniger Stromverbrauch für Licht hin, aber wenn keine ordentlichen Verschattungseinrichtungen angebracht sind, darf sich der Bewohner im Sommer auch über sommerliche Temperaturen in den Innenräumen freuen.

Unverbaute Lage: Unverbaut ja, aber sind die Lage und die Aussicht dann auch unverbaubar und bleiben es in Zukunft so? Es gibt doch sicher schöneres als ein 4-geschossiges aussichtsblockierendes Mehrfamilienhaus, das ein paar Jahre nach dem Erwerb des eigenen Hauses vor dessen Haustüre gebaut wird.

Seriöse Gegend: Seriös steht hier als Synonym für langweilig. Das könnte beispielsweise ein Bankenviertel sein, wo nach 17 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt und die Straßenlaternen ausgeblasen werden. Wer sich hierfür interessiert, der mag seine Ruhe.

Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür: Diesen Satz kann man ausnahmsweise durchaus wörtlich nehmen. Über einem Supermarkt, direkt an einer Einkaufsstraße, Warenlieferungen mitten in der Nacht, Abholung von Abfall in den frühen Morgenstunden, Glascontainer unter dem Küchenfenster. Will das wirklich jemand haben?

Also Augen auf beim Häuserkauf. Niemand sollte zu schnelle Schlüsse nach dem Lesen einer Immobilienanzeige ziehen, sondern sich erst einmal gründlich über Immobilie und dessen Lage informieren.

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Ein Kommentar

  1. Sophie sagt:

    Ich wohne in Wien und war schon zweimal auf der Wohnungssuche und kann sagen, dass die Situation gar nicht empfehlenswert ist, besonders wenn man sich entscheidet allein, ohne irgendeine Firma, eine Wohnung zu finden. Das habe ich nur bei meiner ersten Suche gemacht und habe mich danach für eine Firma, die provisionsfrei arbeitet (http://seg.at/de/home) entschieden.

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