Strohballenbau (updated)

Gebäude aus Strohballen im Bau„Die spinnen, die Briten!“ wusste schon der weise Obelix in seinem 8. Abenteuer bei der Reise auf die Insel zu berichten. Und damit hatte er nicht so unrecht, wie sich jetzt wieder zeigt. Denn im englischen Bradford ein Stück nord-östlich von Manchester soll in Kürze mit dem Bau von Europas größtem Gebäude aus Strohballen begonnen werden. Tausende von dicht gepackten Würfeln aus Stroh werden die tragenden Außenwände eines 2787 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes bilden. Dafür musste sogar die weiterführende Schule der Gegend weichen.

In dem 4-Millionen-Pfund-Projekt wird zukünftig das Gemeindezentrum für eine sozial angeschlagene Gegend im Osten Bradfords untergebracht. Dazu kommen noch 14 Arbeitsstätten für kleinere, neu gegründete Firmen oder boomende Geschäftszweige. Mit der Konstruktion aus Strohballen hat man sogar die Europäische Union (EU) dazu gebracht, das Projekt mit 1,19 Millionen Britischen Pfund (macht etwa 1,37 Millionen Euro) zu unterstützen. Nachhaltigkeit zahlt sich eben aus, sagt man sich auch in Brüssel. Tony Holditch, Geschäftsführer der Newlands Community Association (NCA), der lokalen Entwicklungsgesellschaft, die im Projekt die Steuerung übernommen hat, sagt dazu:

Wir wollten die Designgrenzen wirklich herausfordern und ein Gebäude von ausgezeichneter Güte bauen. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen und schlechter Neuigkeiten im ganzen Land investieren wir in etwas Neues und Anderes. Das Projekt wird vielen Menschen zum Vorteil sein.

Die Wände aus Strohballen werden etwa 90 cm dick, unterbrochen von Säulen aus Mauerwerk, die zur statischen Unterstützung benötigt werden. Als Bekleidung der Strohballen kommen Kalk und Zedernholzbretter zum Einsatz. Erdwärme dient als Energiequelle. Zusätzlich sorgen Solarzellen auf dem Dach für grünen Strom. Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und für Toiletten, Duschen und zur Bewässerung von Pflanzen im Gebäude eingesetzt. Holzbekleidung und Teppiche sind aus wiederverwendeten Materialien hergestellt. Das Gebäude soll in 36 Wochen fertiggestellt sein.

Nick Twigg, Baufachmann im Planungsbüro CBRE, deren Filiale in Leeds die Arbeiten von NCA unterstützt, meint:

Das Gebäude soll zum Maßstab für die Bewertung nachhaltiger Gebäude in Europa werden. Das Ergebnis ist ein phantastischen neues Center, von dem die Gemeinde profitieren wird, und das exemplarisch für „grüne“ Gebäude der Zukunft sein wird.

Nun ja, Nachhaltigkeit hin oder her, aber um ehrlich zu sein, würde ich es gerne vermeiden, mich längere Zeit in einem potentiellen Brandherd aufhalten zu müssen. Auch wenn Strohballen, die zum Bau von Häusern hoch verdichtet werden, nicht sonderlich gut brennen, will ich hier doch abschließend das Bild des Ergebnisses eines Brandes in einem Strohlager zeigen. Wirklich nicht schön…


Feuerwehrmann beim Löschen eines Brandes von Strohballen
Der Fairness halber noch einmal: Dieses Bild zeigt nicht das Ergebnis eines Brandes von einem Gebäude, das mit Strohballen gebaut wurde, sondern von einem Gebäude in dem herkömmliche Strohballen gelagert wurden.

Wer dennoch mehr wissen möchte über das Thema Bauen mit Strohballen, kann sich an den Fachverband Strohballenbau (Fasba) in Deutschland wenden. Da werden Sie geholfen.

Update: Ebenfalls in Großbritannien wurde an einem College der University of Cambridge eine Doktorarbeit über die Anwendung von Stroh als Dämmstoff in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) geschrieben. Das Fazit:

Wärmedämmverbundsysteme mit Stroh als Dämmstoff erfüllen alle Anforderungen an Dämmsysteme von Außenwänden. Wenn gut geplant und ausgeführt sind sie wärme- und schalldämmend, brandsicher, tragend, resistent gegen Ungeziefer, dauerhaft und ästhetisch mit herkömmlichen WDVS vergleichbar. Der Unterschied zu herkömmlichen WDV-Systemen besteht in besseren hygrischen Eigenschaften und der geringen Primärenergie.

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7 Kommentare

  1. Björn sagt:

    Okay ich hätte da auch so meine Bedenken aber Wikipedia sagt dazu: Beidseitig mit 5 cm Lehmputz versehen entsprechen moderne Strohballengebäude der Brandschutzklasse F90 (Feuerwiderstandsdauer 90 min), was einer 20 cm dicken Betonwand entspricht. Von daher kann ich es mir dann doch ganz gut vorstellen. Sofern genug Lehm dran ist 😉

  2. Stefan sagt:

    Das ist auch richtig so. Auch brennen, wie ich geschrieben habe, verdichtete Strohballen nicht so schnell wie normales Stroh. Dennoch würde ich gerne sicher gehen, dass die Sprinkleranlage gut dimensioniert ist und die Feuerwehrzufahrten immer frei sind. Denn das Potential für einen verheerenden Brand ist hier beträchtlich höher als mit vielen anderen Baumaterialien.

  3. Oliver sagt:

    Also Stefan, das darf ja wohl nicht wahr sein, was Du da öffentlich von Dir gibst…
    Mir ist schon klar, dass es immer noch viele Menschen in Deutschland gibt, die keine Ahnung von Strohballen als Baustoff haben – und sicher gibt es genug die sich durch diesen Blog-Beitrag (negativ) beeindrucken lassen…
    Aber wenn ich doch (offensichtlich) keine Ahnung von der Materie habe schreibe ich doch nicht so unqualifiziert persönliche Meinungen und Bewertungen über ein fachlich hoch-innovatives Thema.

    Die Meldung aus England ist ja ganz schön übersetzt und somit auch dem deutschen Leser erschlossen – vielen Dank dafür!
    Aber die letzten 5 Sätze und das Foto solltest Du wirklich weglassen – Du läufst sonst Gefahr, Dich der Lächerlichkeit preis zu geben.

    Und dann der letzte Hinweis "wer DENNOCH mehr wissen möchte über das Thema"…
    Ich will ja nicht unterstellen, dass Du das bewusst und mit Absicht gemacht hast, aber das ist wirklich billigste Psycho-Schiene (Kenn' ich sonst nur von BILD)…

  4. Stefan sagt:

    Hallo Oliver, vielen Dank für deinen Kommentar. Mir ist schon bewusst, dass ich eine provokative Art gewählt habe, dieses Thema hier im Blog anzufassen. Und da ich meine Äußerungen in diesem Beitrag auch klar als meine (persönliche) Befürchtung darstelle, bleibt es jedem Nicht-Bild-Leser frei gestellt, sich seine eigenen Meinung zu bilden. Aus Fachkreisen weiß ich allerdings auch, dass die relative Brandsicherheit nicht unumstritten ist. Und ein Blog ist schließlich auch dazu da, seine Meinung zu äußern (wie du es ja auch getan hast) und zu Diskussionen anzuregen.

  5. Troubadix sagt:

    Hallo Oliver,
    ich finde wer einen Dr.- Ing. als Titel hat ,sollte einen solchen sach- und inhaltsfreien Blogbeitrag nicht veröffentlichen, in dem im Romanstil subjektive, von Halbwissen geprägte Pseudoinfos verbreitet werden. Einfach selber mal gründlich zur Bauweise recherchieren und informieren, wie man das damals an der Uni für wissenschaftliches Arbeiten gelernt hat. Nicht falsch verstehen: Auch ein Dr. hat das Recht auf eine freie, persönliche Meinung. Auf einer sachlichen Webseite dies aber so schlecht zu vermischen übersteigt meine Toleranz bei weiten. Mein Vorschlag: Beitrag komplett überarbeiten, Prosa und Mischmasch aus persönlicher Meinung und Halb, bzw. gar nicht Wissen raus und auf jeden Fall das Foto raus, dann meinen Kommentar löschen. Oder gleich bei der Beton- oder Mineralfaserindustrie als Lobbyist anheuern, oder wie hieß die Branche nochmal mit dem schwarzgelben Logo…

  6. Troubadix sagt:

    Hier der Vollständigkeit halber Dein eigenes Selbstbekenntnis aus Deinem impressum: Der Betreiber dieser WEbseite ist stets darum bemüht, dass die auf dieser Homepage enthaltenen Informationen zutreffend sind. Ich finde das ist ein absolut löblicher Anspruch.

  7. Stefan sagt:

    Einen Kommentar mit so vielen Phrasen und Plattitüden haben wir auch noch nicht bekommen.
    Also nochmal langsam zum Mitlesen:
    Dieser Blogbeitrag stellt nicht den Anspruch an eine wissenschaftliche Abhandlung (dafür sind Blogs generell nicht gedacht), die sich zum Ziel setzt, die Prinzipien des Strohballenbaus zu erklären. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem knapp 3000 Quadratmeter großen Gemeindezentrum, das aus Strohballen besteht.
    Wenn ich mich in einem aus Stroh gebauten Einfamilienhaus aufhalten soll, habe ich kein Problem damit. Aber auch als Dr.-Ing. kann ich mir nicht vorstellen, dass ein solch großes Gebäude in deutschen Maßstäben gemessen brandschutztechnisch unbedenklich ist.

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