Sturmsichere Dächer

Von einem Sturm gelöste Biberpfannen auf einem SteildachMan hat dieses Jahr schon irgendwie das Gefühl, dass das Frühjahr übergangslos in den Herbst führt. Und dann beginnt traditionsgemäß die Zeit der Stürme, die wahrscheinlich auch durch Klimaänderungen bedingt, immer häufiger und schwerer werden. Hat sich so ein Sturm dann wieder beruhigt, steht manch ein braver Hausbesitzer jedoch vor einem Scherbenhaufen und wünscht sich nicht viel mehr als eine gute Sturmsicherung seiner Dacheindeckung. Seitens des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks wurden wegen der erwarteten Stürme dann auch die Anforderungen an die Windsogsicherung von Dachziegeln und Dachsteinen verschärft.

Der Gesetzgeber trug zuvor durch eine Überarbeitung der DIN 1055-4 (Windlasten) dem häufigerem Auftreten von Starkwindereignissen und Stürmen Rechnung. Seit dem 01. März 2011 gelten daher für Dächer, die mit Dachziegeln oder Dachsteinen gedeckt sind, strengere Vorschriften zur sogenannten Windsogsicherung. In der Praxis bedeutet dies, dass Windlasten neu berechnet, Dachbereiche bezüglich ihrer Windbelastung neu aufgeteilt sowie eine größere Anzahl von Dachziegeln bzw. Dachsteinen als bisher künftig durch Verklammerungen mechanisch gesichert werden müssen.

Die neuen Vorschriften gelten für Dächer, die nach dem 01. März 2011 neu errichtet oder saniert werden. Hausbesitzer sollten die Einhaltung der Vorschrift beachten, denn aufgrund der Verkehrssicherungspflicht haften sie für Schäden, die beispielsweise durch herabfallende Dachziegel entstehen. Das kann schnell sehr teuer werden. Von dieser Haftung können Hausbesitzer entbunden werden, wenn sie nachweisen können, dass die Fachregeln für Windsogsicherung eingehalten wurden und das Dach regelmäßig gewartet wird. Können diese Nachweise nicht erbracht werden, droht der Verlust des Versicherungsschutzes – sowohl bei der Haftplicht- als auch bei der Gebäudeversicherung.

Der Verband Privater Bauherren (VPB) hat in diesem Zusammenhang einen Ratgeber herausgegeben, der eine interessante Checkliste zum Thema “Sturmsicherung von Dächern” enthält. Auch er weißt explizit darauf hin, dass sich der Hausbesitzer immer in der Pflicht der Verkehrssicherung befindet, egal ob sich bei einem Sturm die Eindeckung des Daches oder die Bekleidung der Fassade löst. Auch sieht man dort neben der Gefahr durch den Sturm selber die Möglichkeit, dass Wasser durch undichte Dacheindeckungen in die Dachkonstruktion gedrückt wird und dort zu Wasserschäden führt.

Will man darüber hinaus wissen, in welchem Umfang ein Dach künftig vor Windbelastungen geschützt werden muss, sind die folgenden Parameter entscheidend:

Gebäudestandort
Der Gebäudestandort wird mit Hilfe einer Karte über Windzonen bestimmt, von denen es in Deutschland 4 gibt. Steht ein Gebäude in den Windzonen 2, 3 und 4, wird innerhalb der Zonen außerdem zwischen Binnenland und Küste (einschließlich Inseln der Ostsee) unterschieden. Die Küste ist dabei als fünf Kilometer breiter Streifen landeinwärts definiert. Auch die Geländetopografie wird mit geht in die Berechnungen mit ein. Liegt ein Gebäude zum Beispiel höher als 800 m über NN, muss bei der Berechnung der Windlast ein Erhöhungsfaktor berücksichtigt werden.

Dachform
Um die erforderliche Windsogsicherung zu berechnen, wird zunächst zwischen Satteldach, Walmdach und Pultdach unterschieden. Je nach Form ergeben sich so unterschiedlich starke Auswirkungen auf die am Dach herrschenden Windgeschwindigkeiten. Diese Auswirkungen fließen in die Berechnung zur Windsogsicherung mit ein.

Gebäudeabmessungen
Neben der Dachform spielen bei der Berechnung auch die Gebäudeabmessungen eine Rolle, da in unterschiedlichen Höhen unterschiedliche Windgeschwindigkeiten herrschen. Und je höher das Gebäude, desto größer die Windlast. Zukünftig wird deshalb in vier Dachbereiche unterschieden: Ortgangbereich, Innenbereich, Traufbereich, Firstbereich. Besonderheiten gibt es bei Dachdurchdringungen (= Unterbrechung der Dachfläche, die waagerecht breiter als 50 cm ist und an mindestens einem Punkt höher als 35 cm aus der Fläche herausragt). Für diese Bereiche ist eine Windsogsicherung analog dem Ortgangbereich vorzusehen. Die Dachfläche einer Gaube kann üblicherweise wie der Ortgangbereich befestigt werden.

Dachneigung
Eine weitere Einflussgröße bei der Berechnung der Windsogsicherung ist die Neigung der Dachflächen. Ab 65° Dachneigung gelten besondere Regeln. Die Fachregel hält fest, dass ab einer Dachneigung von 65° jeder Dachziegel zu befestigen ist.

Deckunterlage
Auch die Deckunterlage hat Einfluss auf die Windlast. Die Neuregelung zur Berechnung der erforderlichen Windsogsicherung unterscheidet dabei verschiedene Varianten wie Ortbeton- und Massivdächer, Holzschalungen mit Unterdeckungen oder Unterspannungen. Zur Windsogberechnung für Gebäude ohne Deckunterlage wird eine Sonderberechnung benötigt, die ein Fachplaner erstellen kann.

Dachziegelmodell
Ab sofort bilden Dachziegelmodell und die dazugehörige Sturmklammer das Windsogsicherungssystem. Diese Kombination muss vom Hersteller nach DIN EN 14437 geprüft werden.

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4 Kommentare

  1. Alexander sagt:

    So langsam paßt sich die hiesige eh schon recht stabile Bauweise an die Umweltveränderungen an. Einerseits erschreckend, andererseits gut zu wissen, dass hier reagiert wird, um schlimme Folgen weitestgehend zu vermeiden. Aber was ist mit Dächern, die vor dem 1.März 2011 errichtet/saniert wurden?

  2. Stefan sagt:

    Tja, die werden wohl nach und nach saniert oder nach und nach dem Darwin’schen Prinzip zum Opfer fallen: Survival of the fittest.

  3. Sina sagt:

    Gibt es darauf denn eine Garantie?

  4. Stefan sagt:

    Garantieren kann ich die beiden Möglichkeiten: Sanieren oder zusammenbrechen. Oder war etwas anderes gemeint?

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