Vakuumdämmung in der Praxis

Aufgeschnittenes Vakuumisolationspaneel (VIP)Wenn die wärmedämmtechnischen Anforderungen an Gebäude steigen gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Wärmedämmung wird dicker oder die Wärmedämmung wird besser. Ersteres liegt nicht unbedingt im Sinne von Bauherren oder Architekten. Häufig hört man die Worte: Wir wollen doch keine neuen Burgmauern errichten. Also bleibt nur der zweite Weg, bei dem die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffes reduziert wird. Wie bei der Vakuumdämmung, die seit ein paar Jahren im Bauwesen immer populärer wird. Ein Hemmschuh für die Anwendung war bisher jedoch die fehlende Langzeiterfahrung in der Praxis. Doch hierzu gibt es jetzt neue Untersuchungsergebnisse vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE).

Die Forscher des ZAE zur Beantwortung stellten sich dabei unter anderem folgende Fragen:
  • Bleibt die Hülle eines Vakuumdämmelementes bei der Verarbeitung in der baulichen Praxis tatsächlich unversehrt?
  • Ist die Qualität des Vakuums in den Dämmpaneelen von Dauer?
Diese und andere Aspekte gaben Baufachleuten bisher immer Anlass zur Skepsis. Daher wurden vom ZAE im Rahmen des Projektes VIP-PROVE, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wurde, 26 Objekte, bei denen sogenannte Vakuumisolationspaneele (VIP)„>auf einer Fläche von mehr als 8000 m² als Wärmedämmung eingebaut wurden, überwacht und die Funktionstüchtigkeit und Zuverlässigkeit der neuen Dämmtechnologie analysiert. Die Paneele stammten von einer Vielzahl von Herstellern und wurden in unterschiedlichen Anwendungsbereichen (Innen, Außen, Decke, Kern, Brüstung, Dach) eingesetzt.

Die theoretische Lebensdauer von Vakuumdämmelementen liegt bei mehr als 50 Jahren. Da die Wärmeleitfähigkeit von Vakuumelementen direkt abhängig vom Druck in den Elementen ist, kann die Lebensdauer rechnerisch aus der Dichtheit der Vakuumbarrierefolie und dem benötigten Druck innerhalb der Paneele (ca. 10 mbar) für eine ausreichende Wärmeleitfähigkeit abgeleitet werden. Diese Annahme beinhaltet für die Praxis allerdings einige ideale Voraussetzungen wie eine optimale Qualität der verwendeten Materialien und des Produktionsprozesses sowie den unversehrten Einbau der Vakuumelemente. Und genau diese Aspekte wurde vom ZAE analysiert.

Das Ergebnis war auf den ersten Blick ernüchternd, konnte aber auf den zweiten Blick relativiert werden. Insgesamt waren über 12% der verbauten und untersuchten Vakuumdämmpaneele belüftet, d.h. fristen ihr Dasein im eingebauten Zustand mit einer Wärmeleitfähigkeit weit über dem versprochenen Niveau (etwa Faktor 2,5). Berücksichtigt man die Unerfahrenheit von Planern und Verarbeitern in einigen der betrachteten Projekte, so kann die Fehlerquote auf knapp 5% reduziert werden. Im Fazit des Projektes sowie in den Bauaufsichtlichen Zulassungen, die für Vakuumdämmprodukte bisher erteilt wurden, heißt es dann auch, dass der Einbau nur durch geschultes Fachpersonal erfolgen darf. Des weiteren bewertet das ZAE die Anwendbarkeit von Vakuumdämmung in der Praxis wie folgt:

Somit scheint für die Anwendung von Vakuumisolationspaneelen in der Baupraxis insbesondere die Handhabung und die Verarbeitung kritisch. Einmal intakt in der baulicher Anwendung integriert, scheint die Vakuumdämmung über alle unterschiedlichen Anwendungen hinweg zuverlässig zu funktionieren. Angesichts der Tatsache. dass bei den untersuchten Objekten Planer und Ausführende vielfach zum ersten Mal mit dieser neuen Dämmtechnik beschäftigt waren, scheint bei entsprechender Sorgfalt eine deutliche Verringerung der „Auffälligkeitsquote“ möglich.

Dennoch scheint mir an dieser Stelle aus zwei Gründen immer noch Vorsicht beim Einsatz von Vakuumisolationspaneelen (VIP) geboten:
  • Die für das Projekt analysierten Bauvorhaben wurden teilweise von Herstellern oder anderen „befangenen“ Personen vorgeschlagen, die kein Interesse daran haben können, dass minderwertige aber eventuell realistische Projekte untersucht werden.
  • Was beinhaltet die Aussage „deutliche Verringerung der Auffälligkeitsquote“ des ZAE? Ist damit eine Reduktion von 5% auf 2 oder 3% gemeint? Das erscheint mir nicht genug. Die Fehlerquote sollte gegen Null gehen, um eine ausreichende Zuverlässigkeit für den Planer und den Bauherrn gewährleisten zu können.

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