Wohnen im Kraftwerk

Preisgewinner Plusenergiehaus TU DresdenMan kann sich ja nun die Frage stellen, ob der Titel des Beitrages aufgrund der aktuellen Stimmungslage im Fernen Osten so clever gewählt ist. Ich jedenfalls habe mir die Frage gestellt, als ich darüber im letzten Newsletter vom Bine Informationsdienst gelesen habe. Warum sollte ich in einem Kraftwerk wohnen wollen? Nur gut, dass die Herausgeber vom FIZ Karlsruhe dabei nicht an herkömmliche Kraftwerke denken, sondern vielmehr an Plusenergiehäuser, die mehr umweltverträgliche Energie aus Sonne, Wind oder Erdwärme produzieren als sie verbrauchen. Ein Fertighaus oder generell Wohnblöcke dort zu platzieren, hätte schon seine Vorteile, um hochwertige Energie zu beziehen.

Mehr noch: Der angesprochene Haustyp, der von Forschern der TU Dresden entwickelt wurde und im Februar den zweiten Preis beim Planungswettbewerb der Forschungsinitiative Zukunft Bau gewinnen konnte, versorgt mit überschüssig produzierter Energie Elektroautos für eine jährliche Gesamtlaufleistung von 29.000 km. Und das Haus ist vollständig wiederverwertbar! Es ist also auch ein nachhaltig umweltfreundliches Kraftwerk, das auf die Nutzung fossiler Brennstoffe gänzlich verzichtet.

Das Energiekonzept sieht vor, dass Solarstrahlung durch Photovoltaik nutzbar gemacht wird, Außenluft als Wärmequelle für die Wärmepumpe dient und Erdwärme die Außenluft vorwärmt/-kühlt. Damit sollen über das Jahr gesehen 12% mehr Energie erzeugt werden können, als das Haus rechnerisch verbraucht. Teile der zu viel produzierten Energie werden in einem 30 kWh großen Pufferspeicher zwischengelagert, wodurch 53% der erzeugten Stromes auch vom Haus direkt genutzt werden können. Die restliche Energie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, das dann als virtueller Puffer für die Wintermonate dient. Eine Neuerung für diese Art der Gebäude soll eine intuitive Benutzerführung der ansonsten recht komplexen Gebäudetechnik sein… ach, was wäre es schön, wenn das wirklich einmal jemand verwirklichen könnte!

Nach der Entwicklung steht nun die Vermarktung des Plusenergiehauses an. Hierfür wurden bereits Hersteller von Fertigteilhäusern und Anbieter von PV-Modulen von der TU Dresden als mögliche Partner kontaktiert. Der bisher für das Pilotprojekt ermittelte Preis von 960.000 Euro (für 142 m² Wohnfläche) soll durch eine Serienproduktion und wirtschaftliche Optimierung deutlich gesenkt werden können.

In der Begründung zur Preisvergabe der Forschungsinitiative Zukunft Bau steht über das Plusenergiehaus unter anderem folgendes:

Die Konfiguration des Volumens entwickelt sich folgerichtig aus der Besonnung und der damit verbundenen Maximierung der nach Süden orientierten Flächen. Die Anordnung der PV-Module wird architektonisch integriert und zur Gestaltung des Plusenergiehauses eingesetzt, die mit den schwarzen rahmenlosen Dünnschichtmodulen und den bündig eingebauten Fenstern eine prägnante Eigenständigkeit erreicht. Die Dachformen und Wandverkleidungen können sich je nach Ort und Lage ändern; in dieser Hinsicht erscheint der Beitrag besonders wertvoll. Die Gebäudeform ist für Solarenergieaufnahme optimiert und bleibt kompakt.

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