Zuhause im Micro Home

Vertikalschnitt durch das Diogene Micro Home von Renzo PianoIch weiß nicht genau, wie groß ein durchschnittliches Wohnzimmer ist. Sagen wir mal 25 Quadratmeter. Ich habe neulich auf einem privaten Sender einen Bericht über Menschen gesehen, deren gesamtes Heim nicht größer ist als 25 Quadratmeter. Und das ist nicht dem Zwang zum Sparen geschuldet, das ist gewollt. Wohlhabende Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft leben auf solch engem Raum. Und sind glücklich. Alles rückt ein wenig näher zusammen, alles hat seinen Platz, und der Platz ist ausreichend. Ein Micro Home ist ein kleines Zuhause, das alles bietet. Kann sich so ein Trend durchsetzen?

Die Architekturform ‚Micro Home‘ – und man muss hier wirklich schon von einer Architekturform sprechen, damit alles funktioniert – stammt aus den USA und erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Eine kleine und bis ins Detail optimierte Wohnfläche ist das, was ein Micro Home auszeichnet. Von Architekten entworfene Micro Homes verfügen oft nur über einen Wohnraum, der nur wenige Quadratmeter groß ist. Hierin wird gewohnt, gekocht, geschlafen, geduscht, gelebt.

Gibt es denn überhaupt eine Notwendigkeit, Wohneinheiten auf so eine kleine Größe schrumpfen zu lassen?

Ein Grund kann in der stetig und absehbare Zeit unaufhörlich wachsenden Erdbevölkerung gesehen werden. Nicht nur in Millionen-Metropolen müssen sich Architekten und Bauschaffende Gedanken machen, wie man Menschen auf möglichst engem Raum unterbringen kann, ohne die Lebensqualität einzuschränken.

Hinzu kommt, dass sich mehr und mehr Menschen auf das Wesentliche konzentrieren wollen. Diese Simplizität ist in einem Micro Home nicht nur möglich sondern sogar eine Notwendigkeit. Doch gerade auf dem begrenzt zur Verfügung stehenden Raum kann man seine Individualität auf besondere Weise zum Ausdruck bringen, ohne dass moderne Anforderungen an Wohnkomfort zu kurz kommen.

Zuletzt geht es auch darum, dass Mobilität in unserer modernen Zeit immer wichtiger wird. Micro Homes können die passende Antwort auf diese Problematik geben. Sie lassen sich leicht ab- und an einem anderen Ort wieder aufbauen. So kann man sein gewohntes Wohnumfeld einfach an den Ort mitnehmen, wo man gebraucht wird. Traditionelle Umzüge mit Möbelkartons und Möbelwagen entfallen und das individuell gestaltete Zuhause bleibt den Betroffenen erhalten.

Variabilität und Multifunktionalität werden in Micro Homes groß geschrieben. Klein ist groß. Großen Objekten wie Betten werden entweder mehrere Aufgaben zugeschrieben oder sie werden als platzsparende Schrankklappbetten ausgeführt, damit sie nur bei Bedarf wertvollen Raum einnehmen. Oder aber es wird die Höhe des Raumes genutzt und man schläft auf einer flachen Zwischenebene unter dem Dach oder der Raumdecke. Ebenso kann man über Modulbauweise viel erreichen, wenn man beispielsweise den Singlehaushalt erweitern möchte.

Auch die Nutzung von Micro Homes ist vielfältig. Wochenendhäuser sind dabei, Imbissbuden, mobile Büros, Infostände, Werkstätten oder eben ein mobiles Zuhause. Der Preis für die Herstellung – wenigstens von Basismodellen – orientiert sie sich an ihrer geringen Größe. Wenig Quadratmeter für wenig Geld. Wobei die Kosten bei einigen Anbieter durch Eigenleistung noch reduziert werden können.

Die Anzahl an Projekten, Entwürfen und gebauten Häusern zum Thema ‚Micro Home‘ ist überraschend groß. Es gibt einige spezielle Firmen, die Micro Homes bereits von der Stange anbieten. Man kann Low-Budget-Modelle zum Selbstbau oder hochwertige Designvarianten wählen. Die Modelle in einem stilvollen Design und mit teurer Ausstattung gehen dann natürlich mehr ins Geld. Dabei sind einige Micro Homes sicherlich eher als Prestigeobjekte von Architekten und Designern zu sehen.

Hier ein paar Beispiele für architektonisch und funktionell interessante Micro Homes:

Exbury Egg

  • Fertigstellung: 2013
  • Architekt: Stephen Turner
  • Material: Holz
  • Funktion: Atelier
  • Besonderheit: High-Tech und Natur vereint

Waldidyll im ‚Nido‘

  • Fertigstellung: 2010
  • Designer: Robin Falck
  • Material: Holz
  • Besonderheit: recyclefähige Materialien aus der Region; unter 9 m²

Diogene Micro Home

  • Fertigstellung: 2013
  • Architekt: Renzo Piano
  • Material: Furnierschichtholz mit Aluminiumhaut
  • Funktion: Wohnraum
  • Besonderheit: nahezu autark

Es existieren auch auf dem deutschsprachigen Markt einige Anbieter für Micro Homes. Allen gemein ist der Versuch, mit ihrem Angebot auf möglichst engem Wohnraum die tagtäglich benötigten Funktionen möglichst platzsparend unterzubringen.

Zweithaus
Zweithaus realisiert Freiräume für individuelles Leben und Arbeiten, Kindergärten und Flüchtlingsunterkünfte. Dank des exklusiven Konzepts effektiver und effizienter Objektrealisierung erfüllt ZweitHaus den größer werdenden Wunsch nach individuellen Freiräumen. So werden die Ansprüche des modernen Lebens auf Sicherheit und Geborgenheit mit größtmöglicher Flexibilität verbunden.

m-ch – micro compact home
Das micro compact home ist ein in Leichtbauweise ausgeführter, modularer und mobiler Minimalwohnraum für ein bis zwei Personen. Durch seine kompakten Maße von 2,66m fügt sich der Kubus nahtlos in unterschiedlichste Umgebungen und Gegebenheiten ein; seine funktionalen Bereiche – Schlafen, Essen und Arbeiten, Kochen und Sanitäreinrichtungen – bieten alles Notwendige für den Alltagsgebrauch.

Smarthouse
Die Micro Homes von Smarthouse zeichnen sich durch ein solides und durchgängiges Konzept aus. Die Bewohnbarkeit und die Optik sind als gut einzuschätzen. Sehr viel Wert wird bei Smarthouse auf eine modulare Bauweise gelegt, die heutzutage immer beliebter wird. So lassen sich Häuser je nach gewünschtem Zweck beliebig erweitern und ausbauen. Weitere Funktionen werden so im Laufe kurzer Zeit möglich.

Wohlwagen
Mit dem Mirco Home Konzept auf Rädern stellt der ‚Wohlwagen‘ wohl den Exoten bei diesem ungewöhnlichen Thema. Wohnwagen war gestern, heute ist Wohlwagen. Wohlwagen können in ihrer Form und den gewünschten Funktionen ganz individuell entworfen und gebaut werden. Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten sind bei diesem Modell eines Micro Homes denkbar.

Ob sich der Trend am Ende – aus Überzeugung oder aus Notwendigkeit – wirklich durchsetzt oder ob viele Interessenten im Augenblick nur die Machbarkeit des Konzeptes testen wollen, bleibt abzuwarten. Ich finde es schon mal faszinierend zu sehen, wie gut man die Räume des täglichen Lebens mit ein wenig Nachdenken optimieren kann.

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