Zukunft der Bauingenieure

Wir haben jetzt bei diversen Gelegenheiten über die Möglichkeiten berichtet, wie man bei Gebäuden mit guter Planung und vernünftigem Einsatz technischer Hilfsmittel wie Wärmedämmung oder Wärmepumpen effektiv Energie einsparen kann. Energie… pah! Da geht es für Bauingenieure um Peanuts, wenn man Professor Udo F. Meißner, dem Vorsitzenden des Fakultätentags für Bauingenieur- und Vermessungswesen, Glauben schenken mag. Für ihn können Bauingenieure viel mehr:

Wer die Welt retten will, sollte Bauingenieur werden. Denn Bauingenieure werden sich zunehmend um die bebaute Natur kümmern: Hält der Deich, wenn das Hochwasser kommt? Wie muss der Fluss reguliert werden?

Das haben aber die Studienanfänger dieser Jahre noch nicht richtig realisiert. Hier ist die Zahl der angehenden Bauingenieure nach Angaben des Deutschen Statistischen Bundesamtes in den letzten Jahren auf ein absolutes Minimum gefallen. Warum eigentlich? In kaum einer anderen Branche gibt es so vielfältige Aufgaben zu lösen. Bauvorhaben gibt es viele, und deshalb ist Bauingenieur noch lange nicht gleich Bauingenieur:
  • wer im Tiefbau beschäftigt ist, baut Kanalisations- und Kläranlagen
  • von Hochbau spricht man bei allen Gebäuden, die über der Erde entstehen
  • zum Konstruktiven Ingenieurbau gehören Brücken
  • zum Wasserbau zählt man Vorhaben wie Talsperren, Deiche und Wasserkraftanlagen
  • Straßen, Hafenanlagen oder Flughäfen fallen in die Rubrik Städtebau
Doch nicht auf jeder Baustelle wird neu gebaut: Sanierung, Modernisierung und Instandhaltung machen etwa 40 Prozent des gesamten Bauvolumens in Westdeutschland aus – auch hier sind Bauingenieure gefragt. Neben den unerlässlichen technischen Kenntnissen brauchen Bauingenieure aber zunehmend auch einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Sie sollten also wissen, was sich hinter Controlling, Kalkulation und Bilanzierung verbirgt. Zudem sollten sie CAD (computer-aided design) beherrschen. Darüber hinaus arbeiten Baukonzerne ja mittlerweile weltweit, was Fremdsprachen unerlässlich macht. An manchen Hochschulen gibt es sogar das Fach Auslandsbau/Internationales Bauen, bei dem es vor allem um juristische und wirtschaftliche Besonderheiten bei Bauten im Ausland geht.

Die Job-Ampel des Magazines Stern deutet sogar auf noch mehr Vorteile. Zusammenfassend gilt hier:

Leichter Einstieg, schneller Aufstieg.

Infolge einer Analyse der Universität Duisburg-Essen muss mit Blick auf das Jahr 2015 von insgesamt nur etwa 5.500 Absolventen an Universitäten und Fachhochschulen ausgegangen werden. Die Mehrheit davon wird an Fachhochschulen ihren ersten Abschluss erworben haben. Dabei sind aber bereits 37% der Bauingenieure über 50 Jahre alt, über 6.000 werden zukünftig pro Jahr in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen. Da gibt es ein Missverhältnis, das ausgeglichen werden muss. Dabei ist das Ausbildungsniveau deutscher Bauingenieure international hoch anerkannt und sichert gute Chancen auch für interessante Anstellungen im Ausland. Zu guter Letzt sind nur 14 Prozent der 4200 arbeitssuchenden Bauingenieure unter 35 Jahre. Bei den Jüngeren bleibt das Risiko der Arbeitslosigkeit also eher gering.

Setzt man das Niveau der entsprechenden Studienanfängerzahlen mit den Absolventenzahlen in Beziehung, so lässt sich tendenziell die Aussage formulieren, dass bundesweit das Erfolgsniveau bei den Bauingenieuren an Fachhochschulen und Universitäten insgesamt zwischen 55 und 60% liegt. Insbesondere eine Verbesserung der Berufsperspektiven könnte dazu beitragen, dass sich der Studienerfolg und somit auch die Zahl der Absolventen an Universitäten etwas stärker erhöht. Inwieweit der Studiengang des Bachelors zu dieser spürbaren Verbesserung der Erfolgsquote führt, bleibt gegenwärtig allerdings noch offen. Interessant könnte auch der Abschluss des Studiums mit Promotion sein, wodurch gute Möglichkeiten im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) eröffnet werden.

Es gibt also noch viel zu tun, um die Welt retten zu können. Aber wir können natürlich klein anfangen und schon einmal unsere Gebäude für die Zukunft rüsten.


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