Algen und Pilze auf Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)

Algenbefall auf einer HausfassadeDie Pilzsaison ist für dieses Jahr zwar schon vorbei (vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Austernseitling zu ernten), aber das gilt nicht unbedingt für die Pilzarten, die sich an den Außenwänden von Gebäuden heimisch fühlen. Insbesondere an Fassaden, auf denen Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) aufgebracht wurden, gibt es in den letzten Jahren häufiger Fälle zu beobachten, bei denen sich die Putzoberfläche durch das Wachstum von Algen und Pilzen verfärbt – egal ob Neubau oder Altbau. Und der Grund dafür ist ausgerechnet im löblichen Bestreben der Menschen zu suchen, durch die Dämmung von Häusern Energie sparen zu wollen. Doch warum wächst dort überhaupt etwas an der Fassade und was kann man tun, wenn sich die Fassade des eigenen Hauses verfärbt?

Zunächst also zum ‚Warum‘. Wie schon genannt, sind vorwiegend mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) gedämmte Außenwände von Verfärbungen betroffen. Was also ändert sich in oder an der Außenwand, wenn man diese mit einem WDVS dämmt? Einfach ausgedrückt ändert sich das Temperaturprofil der Wand. Eine ungedämmte Wand lässt viel Wärme nach außen durch und dadurch ist auch die Temperatur auf der Außenseite der Wand verhältnismäßig hoch. Der Nachteil einer solch ungedämmten Konstruktion: durch den Verlust der Wärme aus dem Raum muss mehr geheizt werden und die Heizkostenabrechnung offenbart am Ende des Jahres keinen schönen Anblick.

Mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS), das aus einer Dämmschicht besteht, die auf der Außenwand befestigt wird, sowie aus einer Putzschicht als äußerem Abschluss, kann man diese unnötigen Wärmeverluste
verringern. Wird allerdings der Durchgang der Wärme auf diese Weise durch die Außenwand reduziert, erwärmt sich deren Außenseite nicht mehr so sehr. Eine Folge der geringen Oberflächentemperaturen ist das häufigere und länger anhaltende Überschreiten des sogenannten Taupunktes, wobei auf der Putzoberfläche Luftfeuchtigkeit ausfällt bzw. kondensiert. Diese erhöhte Feuchtigkeit führt unter bestimmten baulichen und klimatischen Umständen dann zu vermehrtem mikrobiologischem Befall der Fassade. Bereiche der Fassade, die wenig Sonne abbekommen oder die häufig regenfeucht sind, beispielsweise durch fehlende Dachüberstände oder an Fensterbänken, sind besonders betroffen.

Zudem kühlt die leichte Fassadendämmung und ihr Putz, die beide am Tag kaum Wärme speichern können, zur Nacht hin sehr schnell aus. Schneller jedenfalls als reines, massives Mauerwerk es tun würde. Auch dies ist für das Wachstum von Mikroorganismen an der Fassade nicht unbedingt nachteilig, da auch hierdurch die Taupunkttemperatur leicht unterschritten werden und Luftfeuchtigkeit auf dem Putz kondensieren kann. Ebenso ist die Wahl des Putzes und der Fassadenfarbe wichtig; sind diese vergleichsweise diffusionsdicht, weil sie beispielsweise kein mineralischer Putz verwendet wurde, entweicht Feuchtigkeit aus dem System zu langsam.

Man kann sich nun die Frage stellen, warum das erst in den letzten Jahren zu einem Problem geworden ist, obwohl WDVS mit ihren verputzten Oberflächen doch schon seit 30 Jahren und mehr zur Dämmung von Häusern eingesetzt werden. Der Grund ist in der Dicke bzw. der Qualität der Dämmschicht zu suchen. Je dicker diese wird bzw. je wirkungsvoller der Dämmstoff dämmt, desto geringer sind die außenseitigen Oberflächentemperaturen. Damit steigt dann das Risiko zur Unterschreitung der Taupunkttemperatur und für Verfärbungen der Fassade. Vereinfacht gesagt.

Das einfachste Mittel gegen den Befall der Fassade durch Algen und Pilze ist sicherlich das Ignorieren. Immerhin stellt der Bewuchs von Fassaden mit Algen oder Pilzen bautechnisch keinen Schaden dar, sondern ist für viele Geschmäcker einfach nur nicht schön anzusehen. Acht geben sollte man jedoch auf den gesundheitlichen Aspekt, falls Pilzsporen sich anschicken, durch zum Lüften geöffnete Fenster die Innenraumluft zu bevölkern. Ob und in wie weit das im Einzelfall ein Problem sein kann, lasse ich einmal dahingestellt, da mir hierzu keine glaubwürdigen Untersuchungen bekannt sind.

Eine weitere Möglichkeit ist die regelmäßige Reinigung der Fassade. Wem die neue Farbe seiner Außenwand nicht gefällt, der kann dem mikrobiologischen Bewuchs in regelmäßigen Abständen mit dem Hochdruckreiniger an den Kragen gehen. Doch das beseitigt nur die Symptome, die Ursache für die Verfärbungen bleibt unverändert bestehen. Zudem kann man davon ausgehen, dass der Anstrich auf einem Fassadenputz durch wiederholtes Reinigen mit einem kräftigen Wasserstrahl nicht langlebiger wird. Häufigeres Streichen der Fassade wird die Folge sein.

Sieht man das ganze Problem von der bautechnischen Seite, kann man eigentlich nur Abhilfe schaffen, wenn man die Oberflächentemperaturen des Außenputzes erhöht. Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Zum einen kann man von vornherein einen Dickputz verwenden, der mehr Wärme über eine längere Zeit speichern kann und damit eine höhere Oberflächentemperatur erreicht als ein herkömmlicher Putz. Aktuell denkt man auch über den Einsatz von Phase Changing Materials (PCM) in Fassadenputzen nach, um die Wärmespeicherfähigkeit zu erhöhen.

Die zweite Möglichkeit ist auch wieder nur dazu geeignet, die Symptome von Algen und Pilzen auf Wärmedämmverbundsystemen zu bekämpfen. Sie wird sehr oft bei der konventionellen Sanierung von Fassaden genutzt, die durch Mikroorganismen optisch beeinträchtigt sind, und greift leider auf einen chemischen Ansatz zurück, der in Fachkreisen sehr umstritten ist. Nach der Reinigung der Fassade mit einem Hochdruckreiniger wird darauf ein Biozid (z.B. Terbutryn oder Zink-Pyrithion) aufgetragen, das das Wachstum von Mikroorganismen verhindern soll. Problematisch scheint jedoch, dass sich das Biozid mit der Zeit und dem Regen abwäscht und sich im Grundwasser ansammelt. Darüber hinaus ist auch die Wirkungsdauer auf wenige Jahre begrenzt, wonach die Prozedur wiederholt werden muss. Putzhersteller verwenden diese Biozide vermehrt auch direkt in ihren Produkten, um mirkobiellem Wachstum vorzubeugen. Doch auch hier stellt sich die Frage nach der Widerstandsfähigkeit der Zusatzstoffe gegenüber Regen und Witterung, selbst wenn die Biozide verkapselt sind. Am Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) wird daher zur Zeit im Auftrag des Umweltbundesamtes nach Alternativen zu Bioziden im Putz gesucht.

Die letzte und vielleicht sinnvollste bauliche Alternative zur Reduktion des Wachstums von Pilzen und Algen auf gedämmten und verputzen Fassaden liegt in der Wahl des Basismaterials für den Putz. Mineralische Putze kombiniert mit Silikatfarben geben dem WDVS die Möglichkeit, Feuchtigkeit über die hydroaktiven Oberflächen in kälteren Phasen zu puffern und am Tag schnell wieder abzugeben. Wasserabweisende (hydrophobe) Beschichtungen und selbstreinigende Oberflächen mit dem Lotus-Effekt haben bisher nicht die gewünschte Wirkung gezeigt.

Eine schnelle Austrocknung der Oberfläche scheint also einen größeren Einfluss zu haben als eine geringe Wasseraufnahme. Der WDVS-Hersteller Saint-Gobain Weber hat dies offensichtlich erkannt und bietet einen Oberputz an, der die Wassertropfen rein physikalisch ohne den Einsatz von Bioziden dehnt und so eine größere Oberfläche zur Verdunstung schafft. Durch die kapillaren Eigenschaften des Putzes wird Regenwasser und Tauwasser in Schichten des Putzes hinter Oberfläche gesaugt und die Oberfläche selber trocknet schneller ab. Mikroorganismen wird so der Nährboden entzogen.

Es ist doch irgendwie schade, dass der Wille zur Einsparung von Energie solche Probleme mit sich bringt. Aber man kann scheinbar nicht alles gleichzeitig haben. Oder doch?

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5 Kommentare

  1. heinz zagel sagt:

    Hallo! Ich hätte zwei Fragen zur Reinigung der Hausfassade mit 5cm Vollwärmeschutz von Sto / Baujahr 1988.
    Welchen Druck darf ich beim Abspritzen mit einem Hochdruckreiniger maximal verwenden, um den Wandaufbau nicht zu beschädigen?
    Welche Spritzdüse muss ich nehmen?

    Danke!
    H.Z.

  2. Stefan sagt:

    Uii, das ist ein System aus einer Zeit weit vor der Meinigen. Da würde ich mich an einen Handwerker wenden, eventuell sogar bei Sto direkt eine Anfrage stellen.

    Auf der anderen Seite… 5 cm WDVS mehr als 25 Jahre alt… sollte man da nicht eher über eine Aufdopplung nachdenken als über eine Reinigung?

    Gruß, Stefan

  3. Manfred M sagt:

    Hallo Heinz
    habe das gleiche Problem
    vor ca 10 Jahren habe ich mit Lithofin Aussenreiniger gearbeitet.Clohrhaltig
    Hat gut funktioniert.
    Hast du inzwischen was gemacht?
    Aufdopplung ist dochein Blodsinn wenn der Putz noch gut ist.
    Stefan fang mal an zu rechnen in wieviel hundert Jahren deine 50.000 € reingewirtschaftet sind
    Manfred M

  4. Manfred M sagt:

    Fuers Aufdoppeln meinte ich

  5. Stefan sagt:

    Wenn wir jetzt noch wüssten, wie groß Heinz‘ Haus ist, können wir auch gerne über eine mögliche (oder unmögliche) Amortisation reden…

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