Energiesparen für Jedermann (Teil 5)

Wenn es um die Einsparung von Energie in Gebäuden geht, ist ein ganz wichtiger Punkt die effektive Nutzung von Haushaltskleingeräten und Unterhaltungselektronik. Es ist zwar nicht so, dass diese den Löwenanteil am Energieverbrauch in Gebäuden ausmachen, aber zum einen ist es relativ kostengünstig hier zu sparen, da für eine Ersparnis häufig nur geänderte Nutzungsgewohnheiten notwendig sind, zum anderen ist Strom für die Umwelt eine teuere Energiequelle, da er verlustbehaftet und mit Schadstoffemissionen erst aus primären Energieträgern wie Kohle oder Atomkraft umgewandelt werden muss. Grund genug also, dass wir uns im 5. Teil der Reihe “Energiesparen für Jedermann” auch diesen Thema widmen.

Wie gesagt, es soll hier erst einmal nicht um die großen Tiere in der Elektrogerätekategorie “Weiße Waren“, wie Kühlschrank, Wäschetrockner oder Herd, gehen. Das würde den Rahmen sprengen. Denn bereits bei den kleinen Fischen, also Mikrowelle, Computer und Fernsehen, kann man eine Menge erreichen. Und das macht sich erfreulicherweise letzten Endes auch im Geldbeutel bemerkbar. Dennoch hat die Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA) in einer forsa-Untersuchung nun herausgefunden, dass ein niedriger Energieverbrauch bei der Anschaffung von Elektrogeräten weniger wichtig ist als Bedienungsfreundlichkeit und lange Lebensdauer.



Grafik über den Stellenwert vom Energieverbrauch von Haushaltsgeräten bei einer Kaufentscheidung

Ein wichtiger Aspekt beim Energieverbrauch ist der sogenannte Stand-by-Verbrauch von Elektrogeräten, der durchaus für 15% des gesamten Stromverbrauches stehen kann. Dieser ist im Wesentlichen auf eine unglückliche Verknüpfung nicht durchdachter technischer Entwicklungen zurückzuführen. Auf der einen Seite steht dort die Tatsache, dass man sich vor ein paar Jahrzehnten – wenigstens auf europäischer Ebene – auf eine einheitliche Netzwechselspannung von 230 Volt geeinigt hat. So weit macht das auch Sinn, da hiermit geringere Leitungsverluste beziehungsweise größere zu überbrückende Entfernungen erreicht werden können, als bei geringeren Spannungen. Auf der anderen Seite ist es so, dass 230 Volt Spannung für die meisten Kleinverbraucher einfach zu viel sind. Diese benötigen für ihre Arbeit vielleicht nur eine Betriebspannung von 12 Volt. Das heißt also, dass die Netzspannung in fast allen Fällen durch einen Transformator reduziert werden muss. Auch das ist technisch eigentlich ohne große Energieverluste machbar. Jedoch weigern sich die weitaus meisten Hersteller von Elektrokleingeräten seit Menschen Gedenken, den Ein- und Ausschalter ihrer Geräte zwischen Steckdose und den Strom verbrauchenden Komponenten – wie dem Netzteil mit Transformator oder irgendwelchen LEDs – anzubringen. Der Effekt ist, dass Geräte, die eigentlich ausgeschaltet sind, klamm und heimlich an der Stromuhr drehen.

Und das nicht zu knapp. 5 Watt hört sich zwar nach nichts an, wenn man es mit der bekannten Leuchtleistung einer Glühbirne von 60 oder 100 Watt vergleicht, aber die Dauer macht es. Bei einem Verbrauch von 5 Watt 24 Stunden täglich über 365 Tage im Jahr muss man so für eine fragwürdige Gegenleistung auch schon mal 7 Euro bezahlen. Hier einmal ein paar Beispiele dafür, wieviel Strom durch den Halbschlaf von Elektrogeräten vergeudet wird:

Fernseher 5 Watt
Satelitten-Empänger 15 Watt
Stereoanlage 15 Watt
Spielekonsole 10 Watt
Computer 7 Watt
Drucker 8 Watt
TFT-Monitor 5 Watt
Scanner 4 Watt
DSL-Modem 12 Watt
Mikrowelle 9 Watt
Fax-Gerät 8 Watt
Anrufbeantworter 5 Watt
Espressomaschine 20 Watt
Video-/ DVD-Recorder 15 Watt
Schnurloses Telefon 4 Watt

Natürlich ist der Stand-by-Verbrauch bei Geräten wie einem Anrufbeantworter oder für den Timer eines Videogerätes nur schwer zu vermeiden. Aber ich könnte die Liste auch gerne noch weiter führen (Niedervolt-Halogenleuchten, Bewegungsmelder, Akkuladestationen, Uhren an Haushaltsgeräten, Hausklingeln…) Summiert man diese Zahlen für einen durchschnittlichen Haushalt auf, kommt man auf einen erstaunlichen Verbrauch von weit über 1000 kWh im Jahr! Das entspricht landesweit gesehen dem Stromverbrauch von Berlin mit seinen 3-Komma-irgendwas Millionen Einwohnern, der hier einfach verschwendet wird. Geht man davon aus, dass man auch nur die Hälfte des Stand-by-Verbrauchs vermeiden kann, kann man so im Jahr über 100 Euro sparen. Beziehungsweise den Betrieb eines ausgewachsenen Atomkraftwerkes. Wer es nicht glaubt, kann sich auf der Homepage von der Bauking AG selber ein Bild seines Energiesparpotentiales machen. Dass ein Elektrogerät nicht ganz ausgeschaltet ist, kann beispielsweise daran erkennen, dass immer noch eine kleine rote Lampe am Gerät leuchtet oder dass das Gerät auch Minuten nach dem Ausschalten noch warm ist.

Stromsparschiene mit Master-Funktion für einen ComputerAber wie kann man denn den Stand-by-Verbrauch reduzieren? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Hier sei natürlich das Ziehen des Netzsteckers genannt, wenn das Gerät nicht genutzt wird. Wem der Zugang zur Steckdose zu beschwerlich ist, kann das Gerät auch an sogenannte Stromsparschienen anschließen, die einen eigenen Ein- und Ausschalter haben oder bei denen selten genutzte Geräte erst über die Aktivierung eines Mastergerätes eingeschaltet werden. Weitere Spartipps:
  • Fernseher: Immer am Gerät selber ausschalten, nicht nur über die Fernbedienung
  • Computer: Ein Laptop verbraucht weniger Energie als ein Desktop-Computer. Letztere können nur an ihrer Rückseite vollständig ausgeschaltet werden
  • Drucker: Tintenstrahldrucker sind sparsamer als Laserdrucker
  • Monitor: Bei Pausen von mehr als 10 Minuten ausschalten
  • Fax-Gerät: Es gibt Einschaltboxen, die das Gerät erst aktivieren, wenn ein Fax eingeht
  • Transformator: Ringkerntrafos verbrauchen in der Regel weniger Energie als sogenannte Manteltrafos.
  • Stereoanlage: Eine Stereoanlage mit hoher Nennleistung verbraucht auch mehr Energie. Eine 2-stellige Nennleistung ist meist schon ausreichend

Letztendlich kann man also auch stromsparende Elektrogeräte kaufen. Hier ist unter anderem die Wahl einer sinnvollen Nennleistung wichtig. Wird ein Haartrockner mit einer Leistung von 1600 Watt jeden Tag 15 Minuten genutzt, kommen hier jährlich 164 kWh zusammen. Warum also nicht bei der nächsten Neuanschaffung nach ein wenig geringerer Leistungsaufnahme schauen und so ganz nebenbei 5 Euro im Jahr sparen? Haare trocknen auch beim Einsatz von 1200 Watt-Geräten ganz gut… habe ich mir sagen lassen ;-)


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2 Kommentare

  1. Björn sagt:

    Guter Artikel. Allerdings müsste bei dem Beispiel mit den Haaren auch die Lebenszeit berücksichtigt werden die ja durch ein 1.200 Watt-Geräte verkürzt wird. Eben weil ich länger brauche. Ich schlag also vor dass auch bei Frauen wieder Kurzhaarfrisuren pflicht sein sollten! ;-) Grüße.

  2. Stefan sagt:

    Du brauchst mit 1200 Watt zwar ein wenig aber noch lange kein Drittel länger. Das ist so ein wenig wie mit den großen Autos, die alle Möchtegerns sich kaufen. Die kommen auch nicht viel schneller damit an's Ziel als diejenigen mit den kleinen Sparsamen ;-)

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