Fremdsprachen am Bau

Vor einiger Zeit gab es in der Baupraxis ja schon einen Beitrag über die korrekte Fachsprache im Bauwesen und wie beispielsweise niemals die Stärke einer Isolierung eine Kältebrücke hinter einer Fassadenverkleidung verhindern kann. Aber das ist nur die Fachsprache. Richtig kompliziert wird es, wenn in einem vereinten Europa auch diverse Fremdsprachen in einem Bauprojekt eifrig mitmischen. Wie soll man sich denn bitte mit Kollegen und Arbeitern, die der deutschen Sprache kaum mächtig sind, verständigen, wenn man selber die richtigen Ausdrücke nicht kennt?

Ich denke bei diesem Thema nicht nur an die häufig fleißigen und zuverlässigen Arbeiter aus osteuropäischen Ländern wie Polen oder Rumänien. Dass es hier regelmäßig zu Verständigungsproblemen kommt, ist bekannt und in vielen Fällen leider nicht zu ändern. Der deutschsprachige Vorarbeiter kann eben nicht überall gleichzeitig sein. Mehrkosten sind für das Bauprojekt damit aber auch schon vorprogrammiert. Ich hatte vor ein paar Wochen den Fall, dass auf einmal die Bodenplatte eines Wohnhauses fast einen Meter zu kurz war. Aber wem soll man die Schuld geben, wenn einen keiner versteht?

Über die Arbeit auf der Baustelle hinaus kann aber auch die fortschreitende Globalisierung problematisch werden. Da will nun der französische Stararchitekt ein neues Opernhaus in Ich-weiß-nicht-wo entwerfen. Oder Schweizer Meister ihres Faches ein neues Stadion in Übersee. Oder die deutsche Baufirma bietet für ein prestigeträchtiges Projekt im Nahen Osten. Oder das Konsortium für das nächste Großprojekt setzt sich aus Firmen verschiedener Länder zusammen. In keinem der Fälle bringt einen die Muttersprache wesentlich weiter, geschweige denn ans Ziel. Egal, ob man sich in der Planung eines Projektes befindet oder in dessen Ausführung.

Zudem ist es in vielen Fällen nicht damit getan, dass man als Verantwortlicher eine Sprache versteht oder sich eventuell radebrechend artikulieren kann. Glücklich kann sich da derjenige fühlen, der einen Muttersprachler in seinem Team weiß – gerne auch mehrere. Damit hat man nicht nur Vorteile in Bezug auf die Sprache, sondern lernt auch leichter die Mentalität und Traditionen der Einheimischen zu verstehen und zu akzeptieren.

Obwohl ich der Meinung bin, dass ich drei Sprachen fließend spreche, komme ich beim Verfassen fachlich orientierter Texte immer mal wieder ins Schwitzen. Das Verständnis ist dabei nicht das Problem, doch geht es ja in erster Linie darum, dass der Gegenüber mich und mein Anliegen versteht. Missverständnisse können gerade in Ausschreibungstexten und Verträgen richtig teuer werden.

Was also tun? Professionelle Übersetzer bieten hier eine richtig gute Hilfe. Natürlich sollte man Angestellte von Übersetzungsbüros nicht auf die Baustelle schicken, doch bei niedergeschriebenen Worten bieten sie unersetzliche Dienste. Dabei ist es zugegeben schwierig sich auf den weiten Gebieten des Hochbaus und des Tiefbaus, des Städtebaus, des Straßenbaus, des Wasserbaus oder des Garten- und Landschaftsbaus zu Hause zu fühlen. Daher finden auch Profis bei Fachausdrücken nicht immer den richtigen Ton, doch ist der Sinn bei guter Arbeit ohne Missverständnisse zu verstehen.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Text von einem Muttersprachler der Zielsprache übersetzt wird. Nur so können wichtige Nuancen der Sprache auch in die übersetzten Texte einfließen. Und natürlich hilft es nicht, wenn sich ein Bau-Laie mit der Übersetzung eines Fachtextes beschäftigt. Gerade für Fachübersetzungen in Architektur und Bauwesen sollten Übersetzer gefunden werden, die sich sowohl in der Sprache als auch im Fach zurecht finden.

Ansonsten wird aus der Wärmebrücke schnell eine ‚heat bridge‘ oder aus dem ‚pylon‘ ein Mast und kein Pfeiler. Und schon muss man nachbessern…

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Ein Kommentar

  1. Peter sagt:

    Klasse Artikel, den drucke ich mir gleich mal aus 😉

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