Der Gutachter als Hilfe beim Hauskauf

Jedes Haus hat seine Geschichte. Und seine Geheimnisse, über die man als Käufer jedoch am liebsten nichts wissen möchte. Oder vielleicht doch? Dann weiß man wenigstens vor dem Kauf, worauf man sich einlässt und kann etwas dagegen tun (lassen). Doch wie kann man dem Haus als Fernfahrer, Lehrer oder Krankenschwester seine baulichen Geheimnisse entlocken? Wie erkennt man vor dem Kauf, dass etwas im Argen liegt? Dazu hat man ohne Fachkenntnisse eigentliche keine Möglichkeit. Daher ist es häufig sinnvoll, ein weiteres Augenpaar mit zu einer Hausbesichtigung zu nehmen, dass sich mit dem Bauen von Häusern auskennt: das geschulte Augenpaar eines Gutachters.

Keine Bange, es ist keine Schande, sich für diese Art von Hilfe an eine fremde Person zu wenden. Immerhin kauft man sich nicht jeden Tag ein Haus. Damit fehlt es einfach an der nötigen Erfahrung, die für eine solche Aufgabe unerlässlich ist. Denn nicht immer ist das Haus von Innen so fehlerfrei, wie die saubere Fassade, die kurz vor dem Verkauf noch gestrichen wurde. Gutachter und Sachverständige sind in der Regel ausgebildete Architekten oder Bauingenieure und lassen sich vom Äußeren eines Hauses kaum täuschen. Sie wissen, wo man nach Fehlern in einem Altbau suchen muss und wie Verkäufer versuchen, diese möglichst effektiv zu verstecken.

Das technische Wissen ist die eine Seite, das Augenmerk des potentiellen Käufers beim Ortstermin ist die andere. Während der Käufer sinnvollerweise auf den Schnitt der Wohnung, den Lichteinfall im Wintergarten, die mögliche Position des Ehebettes, der Größe der Garage und die Aussicht aus den geputzten Fenstern achtet, wird der Gutachter nicht von solch subjektiven Zwängen beeinflusst. Er kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren und sieht so völlig andere Dinge als der von Gefühlen überwältigte Hauskäufer.

Und genau aus diesem Grund habe auch ich vor dem Kauf meiner jetzigen Bleibe einen erfahrenen Kollegen gebeten, die Bausubstanz einmal genau unter die Lupe zu nehmen. So konnte ich mit meiner Frau noch über die renovierungsbedürftige Küche diskutieren, während sich mein Kollege auf dem 25 Jahre alten Dachboden austoben konnte.

Gutachter können beispielsweise Schimmelbefall im Haus entdecken, der nur notdürftig entfernt und überstrichen wurde. Es können durch Feuchtemessungen auch mögliche Belastungen der Holzkonstruktion des Dachstuhles geortet werden, die man als Laie nicht erkannt hätte. Ebenso ist das Erkennen von Schädlingsbefall an Holzkonstruktionen nicht unbedingt ohne professionelle Hilfe möglich. Bereits getrocknete Wasserrohrbrüche können an’s Licht kommen, weil man weiß, wo man suchen muss. Im Ernstfall können auch Schwächen an der Statik eine Hauses identifiziert werden, die sich ansonsten nur durch scheinbar harmlose Risse in der Fassade äußern.

Natürlich macht ein Gutachter seine Arbeit nicht kostenlos. Der Preis für seine Arbeit – in der Regel ein paar Hundert Euro – sind aber bei einem ernst gemeinten Interesse an einer Immobilie gut angelegt. Selbst wenn der Gutachter keine Mängel aufdeckt, ist das positiv zu bewerten, denn so kann man letztendlich mit großer Sicherheit ein Haus kaufen, in dem man glücklich alt werden kann. Sollte der Gutachter trotz einer makellosen Fassade Mängel am Objekt der Begierde finden, kann der Käufer mit diesem Argument versuchen, den Kaufpreis zu drücken. Damit wird der Arbeitslohn des Gutachters schnell wieder wett gemacht.

Doch auch Gutachter können bestimmt nicht alle Mängel erkennen. Schimmelbefall über abgehängten Decken oder mangelhafte Elektroinstallationen setzen selbst dem geübten Auge Grenzen. Für das Erkennen verdeckter Schäden bräuchten selbst Gutachter einen Röntgenblick. Und der wurde bei Menschen bisher (leider) noch nicht konstatiert.

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