Lehmbau als Alternative

Lehmsiedlung von Ait BenhaddouIrgendwann nachdem der Mensch die Höhlen verlassen und bevor er sich Häuser aus gebrannten Ziegeln gebaut hat, war es schon modern, die Außenwände aus Lehm zu errichten. Lehmbau gibt es seit Jahrtausenden und er wurde in seiner Ursprungszeit insbesondere im Nahen Osten verwendet. Lehm war damals kostenlos und für die technischen Mittel dieser Zeit sehr einfach zu verarbeiten. Erst mit der beginnenden Industrialisierung in Europa wurde Lehm im Bauwesen durch industriell hergestellte Baumaterialien wie Zement und Gips mehr und mehr verdrängt.

In Deutschland kam Lehm aus nahe gelegenen Baugruben. Er wurde hierzulande unter anderem für den Bau massiver und tragender Wände verwendet, aber auch für die nichttragende Ausfachung von Fachwerken, als Schüttung in Decken und als Putz von Wänden oder Decken. Um eine gewisse Stabilität im Volumen zu sichern, wurde Lehm oft mit klein gehäckseltem Stroh oder anderen widerstandsfähigen Naturfasern vermischt oder auf verflochtenen Weidenzweigen aufgebracht. Die Naturfasern geben dem Lehm auch eine geringere Wärmeleitfähigkeit.

Lehm ist ein mineralisches Zerfallsprodukt von Gestein und besteht als natürlicher Baustoff aus Ton (bis 0,002 mm), Schluff (0,002 bis 0,063 mm), Sand (0,063 bis 2 mm) und Kies (2 bis 63 mm). Als Bindemittel dient immer der Ton. Enthält Lehm zu viel Sand, wird er mager und brüchig. Enthält er zu viel Ton wird er fett und reißt beim Trocknen. Schadstoffe sind beinahe ein Fremdwort – es ist einfach nicht mehr drin, als der Boden hergibt. Lehm kann roh verarbeitet oder mit anderen natürlichen Rohstoffen vermischt werden. Zudem bedarf es nur sehr wenig Energie, um Lehm für den Einsatz am Bauwerk vorzubereiten. Neue Verfahren zur Herstellung und optimierte Rezepturen – wie die Zugabe von Kalk – machen Lehm für die Verfechter des nachhaltigen Bauens zu einem sehr wichtigen Baustein.

Frischer Lehmputz kann auf nahezu allen festen Untergründe aufgebracht werden – lassen wir einmal Teflon außen vor. Erdfeucht kann er darüber hinaus in Schalungen eingebracht und durch Stampfen so verdichtet werden, dass feste und haltbare Wandkonstruktionen entstehen. Zum Einbau von Türen oder Fenstern werden Holzstützen in die Lehmwand eingesetzt, um eine ausreichende Verankerung zu gewährleisten. Das gleiche gilt für Befestigungen von schweren Gegenständen an der Wand, z.B. bei Küchenschränken.

Lehm hat als natürlicher Baustoff jedoch ein Problem: er quillt und schwindet in Abhängigkeit von der Feuchtigkeit in der Umgebung. Daher ist Lehm vor direkten Feuchteeinflüssen oder auch vor Frost unbedingt zu schützen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Festigkeit des Lehms reduziert wird und Verwitterungsprozesse den Baustoff schädigen. In unseren Breiten muss eine Lehmkonstruktion also durch eine geeignete Schalung oder Dachüberstände geschützt werden. Der Einsatz von Lehm in Innenräumen ist also durchaus vorteilhaft.

Die Eigenschaft der Wasseraufnahme, die neunmal höher sein kann als bei Gips, ist jedoch auch positiv zu bewerten. So können Holz und andere organische Baustoffe, die in Kontakt mit Lehm stehen, von diesem durch Kapillarkräfte wirkungsvoll entfeuchtet und trocken gehalten werden. Diese Eigenschaft als auch die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Lehm wirken sich nicht nur günstig auf andere Baustoffe sondern auch auf das Innenklima aus. Wenn es immer Sommer draußen heiß ist, bleibt es in den Räumen eines Lehmhauses angenehm kühl. Im Winter sorgt der Lehm über lange Zeit dafür, dass die Raumluft nicht zu trocken wird.

Führt man eine Lehmkonstruktion technische korrekt aus, kann ein Lehmbau Jahrhunderte überdauern. Lehm ist dabei wie kaum ein anderer Baustoff für den Selbstbau geeignet. Doch obwohl Lehm ein einfaches Baumaterial ist, sollte man immer einen Experten um Rat fragen, damit man keine unliebsamen Überraschungen erlebt. Denn Lehm erfordert trotz aller Einfachheit eine Menge Materialverständnis und Flexibilität.

Wer hierzu mehr erfahren möchte, sei an den Dachverband Lehm e.V. oder die Schweizer IG Lehm als unabhängige Anlaufstellen verwiesen.

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