Luftentfeuchtung

Schwimmbad mit Holzdach und HolzbrückeÜber das Thema der Bauwerkstrocknung hatte ich ja schon geschrieben. Wenn es nicht ganz schlimm mit dem Zustand eines Gebäudes bestellt ist oder nur prophylaktisch gehandelt werden soll, kann es zur Vermeidung von Bauschäden notwendig werden bzw. ausreichend sein, die Luft in Innenräumen zu entfeuchten. Oder zu befeuchten. Oder – wenn man es allgemein ausdrücken will – feuchtetechnisch zu konditionieren. Sinnvoll kann das beispielsweise in Schwimmbädern sein oder in Gebäuden wie Museen, in denen die Luftfeuchte auf einem konstanten Niveau gehalten werden soll.

Aber was kann eigentlich passieren, wenn die Luftfeuchte in Räumen dauerhaft (viel) zu hoch ist? Zum einen kann es dann zu direkten Schäden an Bauteilen kommen, deren mechanische Eigenschaften durch diese hohe Feuchtigkeit nachteilig verändert werden. Bestes Beispiel ist hier der natürliche Baustoff Holz, in dem abhängig vom Feuchtegehalt der Umgebungsluft und der daraus resultierenden Ausgleichsfeuchte Quell- und Schwindverformungen auftreten können. Diese können zu einer geringeren Belastbarkeit von Bauteilen führen. Zum anderen kann eine erhöhte Luftfeuchte in einem Raum zu einem erhöhten Wachstum von Schimmelpilzen beitragen, insbesondere im Bereich von Wärmebrücken an Außenbauteilen.

Will man Luft entfeuchten, sollte man natürlich ein wenig darüber wissen, wie sich Wasser in der Luft verhält. Der maximale Wassergehalt der Luft ist zunächst einmal abhängig von der Lufttemperatur. Je wärmer die Luft ist, umso mehr Wasser kann sie in Dampfform aufnehmen. Bei 20°C sind dies beispielsweise 17 g Wasser pro Kubikmeter Luft. Mehr geht nicht, ohne dass der Wasserdampf in eine flüssige Form übergeht.

Das Maß aller vieler Dinge ist hier die relative Luftfeuchte. Damit ist die Menge Wasserdampf gemeint, die bei einer bestimmten Temperatur im Vergleich zur maximal aufnehmbaren Menge in der Luft ist. Eine relative Luftfeuchte von 50% entspricht bei 20°C Lufttemperatur also einer Wassermenge von 8,5 g/m³. Fällt die Temperatur bei konstanter Wassermenge, steigt demnach die relative Luftfeuchte. Fällt die Temperatur so weit, dass eine relative Luftfeuchte von 100% erreicht wird, spricht man von der Taupunkttemperatur.

Hieran kann man jedoch leicht die Krux bei der Entfeuchtung von Luft erkennen: In kälterer Umgebung wie in unbeheizten Kellern – womöglich noch mit feuchten Wänden – ist es nicht so leicht, die Luft zu entfeuchten, da durch die niedrige Lufttemperatur auch die Verdunstungsrate gesenkt wird. In solchen Fällen ist es sinnvoller, die Luft im Keller nicht nur zu entfeuchten, sondern gleichzeitig zu erwärmen.

Prinzipiell kann man für die Luftentfeuchtung drei Wirkungsweisen unterscheiden:

  • Kondensationstrocknung
  • hygroskopische Absorption
  • Adsorption von Wasserdampf

Im ersten Fall wird die (mehr oder weniger) feuchte Luft an einem kalten Wärmetauscher (Kühlrippen) gekühlt. Die dort kondensierende und ablaufende Feuchtigkeit wird aufgefangen und gesammelt. Wichtig ist hierbei, dass die Temperatur der Kühlrippen unter der Taupunkttemperatur der Raumluft liegt. Für den Hausgebrauch übliche Kondenstrockner kühlen die Luft mit einem Peltier-Element, allerdings ist die Leistung hier nicht so hoch. Für höhere Effizienz wird das Peltier-Element durch einen Kompressor ersetzt und es wird ein Kühlmittel in einem Kühlkreislauf verwendet. Der Sammelbehälter für das Kondensat muss natürlich regelmäßig geleert werden.

Für eine hygroskopische Absorption wird die Luft im Luftentfeuchter in Kontakt mit einer hygroskopischen Flüssigkeit gebracht, meist einer Salzlösung mit Lithiumchlorid, Lithiumbromid oder Kalziumchlorid. Der Wasserdampf wird Teil der Lösung und verdünnt diese. Bei diesem Vorgang entsteht Absorptionswärme, wodurch die hygroskopische Flüssigkeit bzw. die Umgebungsluft unter Umständen gekühlt werden muss. Da die Flüssigkeit durch den absorbierten Wasserdampf verdünnt wird, muss sie von Zeit zu Zeit getrocknet werden.

Wird der Wasserdampf adsorbiert, geschieht dies in der Regel mit Silikagel oder Zeolithen. Diese haben eine große innere Oberfläche und sind daher hygroskopisch (wasseranziehend). Kommt der Wasserdampf in Kontakt mit dem Adsorbens, kondensiert er. Auch hier kann eine Kühlung notwendig werden und auch das Trocknungsmedium muss bei längeren Nutzungszeiten durch Erhitzen regeneriert werden.

Egal für welche Wirkungsweise man sich am Ende entscheidet, passende Geräte zur Luftentfeuchtung gibt es sowohl für den Hausgebrauch als auch mit entsprechend höherer Leistung für den Profi. Bei seiner Wahl sollte man in Abhängigkeit von der Aufgabenstellung folgende Punkte im Auge behalten:

  • die Größe des Wassertanks, die Möglichkeit einer kontinuierlichen Leerung und eine Überlaufsicherung
  • der Geräuschpegel bei der Arbeit
  • ein Hygrostat zur automatischen Steuerung inkl. Feuchtigkeitsanzeige
  • der Arbeitsbereich (Luftmenge, Temperatur und relative Luftfeuchte)
  • die Entfeuchtungsleistung (abhängig von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte)

Der Fachhandel hilft bei der Suche nach einem geeigneten Gerät sicher gerne mit dem einen oder anderen guten Rat weiter.

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Ein Kommentar

  1. Norman Schöne sagt:

    geschicktes Lüften des Kellers entfeuchtet den Keller enorm, langfristig können dadurch sogar kleinere (also nicht zu viel nachfütternde Bauschäden)kompensiert werden.
    Das geht grundsätzlich per Hand, dafür braucht man zwei so kleine Thermometer mit Luftfeuchtemesser und eine Taupunkttabelle bspw. von Brillux.
    Viel eleganter geht das natürlich mit einem oder zwei kleinen Außenwandlüftern und einer el. Steuerung. Das kostet ca. zwischen 350 und 1000 Euro plus Einbau.
    Das beste was man m.E. machen kann.
    Ich habe eine kontinuierliche gesteuerte für die Entfeuchtung optimierte Lüftung des Kellers, bei sehr geringem Stromaufwand.
    Zwei Lüfter inkl. der Steuerung kommen mit ca. 30-50W im Betrieb aus. Ein Entfeuchtungsgerät verbraucht locker mal 400-X Watt.

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