Mehrgeschossiger Wohnungsbau in Holz

Holzhaus als HochhausWenn man bei Thema ‚Häuser in Holzbauweise‘ nicht direkt an Brettertrümmer denkt, die von einem Hurricane in den USA aufgestapelt wurden, stellt man sich doch sofort danach traditionell im skandinavischen Stil erbaute Ferienhäuser vor. Bunte Farben an der Fassade, Fenster mit Sprossen, gemütlich mit Kachelofen, flachgeneigte Dächer und eingeschossig – traditionell also wie der Baustoff Holz selber. Die Realität in Deutschland könnte schon bald anders aussehen, wie in der Schweiz. Dort haben Zimmereien in den letzten Jahrzehnten den mehrgeschossigen Holzbau für Wohngebäude populär gemacht.

Dem Bauherrn in der Schweiz bieten sich hier sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Warum sollte sein deutscher Kollege nicht auch in diesen Genuss kommen? Der Trend ist sicherlich unverkennbar, Im Gewerbebau lag der Anteil der Holzbauten Jahr 2003 bei 9%, 2010 waren es dann schon 19%. Zudem erwarten 36% der in einer Umfrage angesprochenen Architekten in Deutschland ein Steigerung der Bautätigkeit im Holz(rahmen)bau in den kommenden 5 Jahren.

Ob man dann einen reinen Holzbau bevorzugt oder eine Mischbauweise, bei der man mit Verbundelementen aus Holz und Beton für tragende Decken dem Architekten wesentlich mehr Freiheiten bietet, soll nicht entscheidend sein. Wichtig ist der Aspekt der möglichen Vorfertigung großer Element, die im Trockenen erfolgen kann und so den Baufortschritt auf der Baustelle bei Wind und Wetter wesentlich verkürzt. Zudem entfallen bei der Fertigung Trocknungszeiten, die man bei traditionell gemauerten Gebäuden hätte. Vor Ort kann dann der Innenausbau in einem wettergeschützten Gebäude vorgenommen werden.

An einem konkreten Projekt wurde der Rohbau eines viergeschossigen Wohnhauses mit 15 Wohneinheiten in 3 Wochen fertiggestellt. Die tragenden Teile bestehen bei diesem Haus zu etwa 90% aus Holz. Holzwerkstoffplatten beplanken ein Holzskelett und sorgen neben einem Treppenhauskern aus Stahlbeton für die notwendige Steifigkeit des Gebäudes. Die Kombination des Traditionsbaustoffes Holz mit Stahlträgern ermöglichte eine offene, flexible Bauweise und große Spannweiten für die Decken.

Auf die 4 Geschosse lässt sich der Holzbau allerdings schon lange nicht mehr begrenzen. 10 Geschosse in Melbourne, 9 Geschosse in London, 8 Geschosse in Bad Aibling, 8 Geschosse im österreichischen Dornbirn oder 7 Geschosse inmitten von Berlin geben da schon eher Visitenkarten ab. In Deutschland wird man in diesen Höhen von Seiten der Behörden jedoch regelmäßig mit Bedenken zum Brandschutz der Gebäude konfrontiert.

Der Energieverbrauch konnte in dem genannten viergeschossigen Mehrfamilienhaus soweit gesenkt werden, dass eine Förderung des Gebäudes durch die KfW für ein Effizienzhaus 40 möglich wurde. Hierfür sorgen unter anderem 28 cm Steinwolle, die als Dämmstoff in den Außenwänden verbaut wurden und einen U-Wert von 0,09 W/m²K ermöglichten. Durch die Wahl nicht brennbarer bzw. schwer entflammbarer Materialien in den Konstruktionen stellt die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben für den Brandschutz auch kein Problem dar.

Der geringe Bedarf an Heizwärme des Hauses wird durch eine Erdwärmepumpe bereit gestellt, deren Strombedarf wiederum in hohem Maße durch Solarstrom gedeckt wird, den eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert. Den 15 Mietern des Holzhauses bleiben so normalerweise fällige Nebenkosten für die Heizung und die Bereitstellung von Warmwasser erspart. Darüber hinaus profitiert man auch von der Einspeisevergütung des nicht genutzten Solarstroms. Alles in allem soll sich auf diese Weise ein Haus bauen lassen, dessen Preis mit dem eines Hauses mithalten kann, das in konventioneller Bauweise und mit konventionellen Baustoffen erstellt wurde.

Neben den finanziellen Vorteilen bei den laufenden Kosten des Hauses gibt es für die Bewohner aber auch noch weniger direkt messbare Anreize. Darunter fällt unter anderem das Innenklima, das mit dem feuchteregulierenden Baustoff Holz spürbar angenehmer wird. Und mit Holz als sichtbarem Gestaltungselement wird auch der optische Eindruck ein ganz anderer.

Tja, warum sollte man sich nicht mal näher mit den Möglichkeiten des Naturbaustoffes Holz beschäftigen? Immerhin wächst Holz nach, Kalksandstein nicht.

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