Neue Normen für Abdichtung gegen Feuchtigkeit

Abdichtungen von Bauwerken gegen Feuchtigkeit sind ein ganz entscheidender Aspekt für deren Dauerhaftigkeit. Das spiegelt sich auch in der Anzahl diverser Normen, Vorschriften und Verordnungen zum Thema wieder. Sind Bauteile oder Anschlüsse von Bauteilen nicht ausreichend bzw. normgerecht abgedichtet, kann es zu Schäden am Bauwerk kommen, für deren Folgen ein KfZ-Sachverständiger nur einen Ausdruck kennt: Totalschaden. Fäulnis, Rost, Schimmel, Risse oder im schlimmsten Fall der Verlust der statischen Tragfähigkeit von Bauteilen sind dann nur die technischen Folgen; die finanziellen können weitaus gravierender sein.

Leider ist das Thema ‚Abdichtung‘ ein genauso wichtiges wie umfangreiches. Das zeigt auch die Statistik. Knapp 12% aller Bauschäden resultieren aus mangelhaft ausgeführten Gebäudeabdichtungen. Hierunter sind Keller mit 32% der Spitzenreiter und schlagen mit durchschnittlich 15.000 Euro pro Schaden zu buche. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl von Abdichtungsschäden um etwas mehr als zwei Drittel erhöht. Alarmierende Zahlen.

Eigentlich sollte man sich hier schon wundern, denn jedes Kind weiß doch, dass Feuchtigkeit im Bauwerk tunlichst zu vermeiden ist. Warum kann man also keine trockenen Gebäude errichten und dann auch so erhalten? Immerhin sind Abdichtungen von Bauwerken schon seit 1932 ein Teil der Normung und damit Stand der Technik. Die Normungsarbeit mündete zuletzt in der heute gültigen DIN 18195, die mittlerweile auch schon aus 10 Teilen besteht.

Das Schlimmste ist aber eigentlich, dass DIN 18195 noch nicht einmal alle Bereiche des Themas abdeckt, wie beispielsweise die Ausführung Weißer Wannen oder nicht genutzter Flachdächer. Hier müssen noch Richtlinien und Vorschriften wie DIN 18531 Dachabdichtungen oder die Fachregeln des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) wie z.B. die Flachdachrichtlinie aushelfen. Zu all diesen technischen Anforderungen an den Handwerker kommen jedoch auch Zeitdruck, Kostendruck und Unkenntnis bezüglich der Tauglichkeit der vielen anwendbaren Produkte für einen bestimmten Anwendungsfall hinzu. Ein Dschungel für den Ausführenden.

Um eine bessere Übersichtlichkeit auf der Vorschriftenseite gewährleisten zu können und weil auch die europäische Normung adäquat berücksichtigt werden muss, hat der zuständige Normenausschuss nun eine vollständige Überarbeitung und Neugliederung des Bereiches beschlossen. Dabei sollen in Zukunft mehrere Normen veröffentlicht werden, von denen jede nur jeweils einen Anwendungsbereich behandelt und nicht mehr primär die Art der Wasserbeanspruchung betrachtet:
  • DIN 18531 Abdichtungen von Dächern
  • DIN 18532 Abdichtungen von Verkehrsflächen
  • DIN 18533 Abdichtungen von erdberührten Bauteilen
  • DIN 18534 Abdichtungen von Innenräumen
  • DIN 18535 Abdichtungen von Behältern
Eine weitere Norm, DIN 18536, für die Abdichtung erdberührter Bauteile bei Bestandsgebäuden wurde zwar in’s Auge gefasst, die Arbeiten jedoch zunächst zurück gestellt. Auch ein Erscheinungsdatum für die anderen 5 Normen ist noch nicht bekannt.

Um Querverweise zu anderen Dokumenten zu vermeiden, werden die neuen Abdichtungsnormen alle notwendigen Angaben für eine Abdichtungsaufgabe enthalten. Hierunter fallen dann Planungsgrundlagen, geeignete Materialien und deren Verarbeitung sowie Angaben zur Instandhaltung. Auch wenn hierdurch Angaben in den verschiedenen Normen wiederholt werden, müssen Planer und Ausführende dann nur noch eine einzige Norm im Regal stehen haben.

Mal sehen, ob das unsere Gebäude in absehbarer Zeit wieder wasserdichter werden lässt…

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