Schallschutz aus der Steckdose

Hohlwanddose in einer leichten TrennwandSchallschutz ist in den vergangenen Jahr(zehnt)en ein immer wichtigeres Thema im Bauwesen geworden. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt höhere Geräuschpegel in der Umgebung und der Wunsch des Menschen, diesem in den eigenen 4 Wänden entfliehen zu können. Auch wenn die nationale Normung dem Stand der Technik schon seit etlichen Jahren hinterher hinkt, gibt aus der Forschung doch in regelmäßigen Abständen Neues zum Schallschutz in Gebäuden zu berichten. Und sei es auch ’nur‘ zum Schallschutz von Steckdosen in leichten Trennwänden.

Trennende Bauteile zwischen Wohn- oder Nutzungseinheiten unterliegen natürlich Anforderungen an den Schallschutz, um eine übermäßige Belästigung von Bewohnern durch ihre Nachbarn zu vermeiden. Für Wände ist hier das Luftschalldämm-Maß das Maß aller Dinge. Doch je besser das Schalldämm-Maß einer Wand, desto eher machen sich undichte Stellen in der trennenden Konstruktion bemerkbar. Diese undichten Stellen können in leichten Trennwänden durch Bohrlöcher oder unzureichend verspachtelte Fugen zwischen Gipskartonplatten entstehen. Oder durch den Einsatz von Steckdosen in den ansonsten dichten Schichten.

Bisher gab es kaum systematische Versuchsergebnisse, die den Einfluss von Steckdosen auf das Luftschalldämm-Maß von leichten Trennwänden dokumentieren konnten, da Schallmessungen an kleinen Öffnungen nicht unproblematisch sind. Hingegen wurde von verschiedenen Stellen der Einfluss theoretisch abgeleitet. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) hat sich nun einmal hingesetzt und die fehlenden Praxiswerte in diversen Versuchen und unter Einbeziehung verschiedener Parameter ermittelt. Die Messergebnisse des IBP widerlegen jedoch alle bisherigen Theorien, da insbesondere der Einfluss stehender Wellen bei Frequenzen über 1000 Hz komplett falsch bewertet war.

Was bedeutet das aber nun in konkreten Fällen?

Legt man den schlimmsten Fall zugrunde, reden wir hier um eine Reduktion des Schalldämm-Maßes einer Trennwand von 20 dB! Ja, zugegeben, das wird in der Praxis kaum auftreten, da hier vorausgesetzt wurde, dass die Trennwand als solche ein Schalldämm-Maß von über 63 dB aufweist und beidseitig mit einem Schlitz mit einer Größe von 3 x 400 mm in gegenüberliegender Position versehen wurde. Zudem wurde zur Messung des Einflusses der Schlitze auf das Schalldämm-Maß die Hohlraumdämmung aus Mineralwolle entfernt. Dennoch wurde anhand realistischerer Versuchsaufbauten mit Hohlraumdämmung nachgewiesen, dass die Existenz von Schlitzen bzw. der Einsatz undichter Steckdosen das Schalldämm-Maß der Trennwände immerhin noch um 8 bzw. 4 dB verringert.

Gerade bei Steckdosen wurden daraufhin weiterführende Versuche durchgeführt, da es gerade hier kostengünstige konstruktive Möglichkeiten gibt, den schalltechnischen Einfluss der Steckdosen zu verringern. Es wurde Hohlwanddosen getestet, bei denen die Öffnungen zur Durchführung von Stromkabeln durch elastische Membranen luftdicht verschlossen sind. Hier sollte es der Schall schwerer haben, sich durchzuwurschteln. Und tatsächlich war der Unterschied der Schalldämmqualität der Trennwand in den Versuchen mit luftdichten Steckdosen so gering, dass er im Rahmen der Messgenauigkeit als nicht feststellbar klassifiziert werden muss – auch wenn hier zwei Steckdosen einander direkt gegenüber eingebaut wurden.

Im Fazit kann man festhalten, dass Steckdosen in leichten Trennwänden in der Regel keinen merklichen Einfluss auf die Schalldämmung der Wand haben, solange deren Hohlraum mit schallabsorbierendem Dämmstoff gefüllt ist. Nur einander direkt gegenüberliegende Öffnungen sollte man vermeiden. Sollte dies nicht möglich sein, kann man für ein positives schalltechnisches Ergebnis aber immer noch auf Steckdosen mit luftdichtem Hohlraumeinsatz zurückgreifen. Geht es um kleine(!) Schlitze in der Konstruktion, reicht es aus, diese Öffnungen an der Oberfläche luftdicht z.B. mit Klebeband zu verschließen. Ein vollständiges Ausfüllen der Fehlstellen z.B. durch Gipsmasse ist nicht notwendig.

Und noch eine letzte Bewertung des IBP: Spezielle und teure Schallschutzdosen sind Mumpitz und bringen keinerlei Vorteile gegenüber handelsüblichen, luftdichten Steckdosen.

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8 Kommentare

  1. Jan sagt:

    schallschutz finde ich schon wichtig, aber ob es da an der Steckdose liegt??? Wichtiger sind doch eher Fenster, Türen, Decken und Böden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man an einer Steckdose viel verbessern kann (Schalltechnisch).

  2. Stefan sagt:

    Das kommt darauf an, welches Bauteil man betrachtet. Bei Außenbauteilen sind Fenster und Türen sicher wichtiger, aber bei leichten Trennwänden zwischen Wohneinheiten sind nun mal Steckdosen oder andere Durchdringungen der Schwachpunkt. Und hier lässt sich alleine durch die Luftdichtheit eben einiges erreichen.

  3. Steckdosen sagt:

    Hallo,

    @Jan ich sehe das genau so wie du meiner meinung nach kann man an der Steckdose nicht vieles verändern das musss höchstwahrscheinlich an der Hohlwanddose sein.

  4. OneEar sagt:

    Hallo Stefan

    Glückwüsch zu deinem Blog.

    Hab‘ versucht die Quelle deiner
    Infos zu finden, leider erfolglos.

    Kannst Du mir Deine Quelle nennen ?

    Danke und Grüsse

    OneEar

  5. Stefan sagt:

    Hallo OneEar,
    Das war ein Beitrag aus der Zeitschrift Trockenbau-Akustik (Nr. 29 (2012), No.1-2, pp.28-32). Und dieser hat sein Wissen wiederum aus der Bachelorarbeit von Maren Krämer, geschrieben 2011 am Lehrstuhl für Bauphysik der Uni Stuttgart mit dem Titel „Einfluss kleinflächiger Öffnungen auf die Schalldämmung von Bauteilen“.
    Gruß, Stefan

  6. OneEar sagt:

    Danke

    Grüsse

    OneEar

  7. Horst sagt:

    Es ist denke ich kein Geheimnis, dass eine Steckdose sehr wohl den Schallschutz einer Wand bedeutend beeinflussen kann (Stichwort: Schlüssellocheffekt). Kleine Öffnungen in einem trennenden Bauteil führen zu einer deutlichen Verschlechterung des resultierenden Schalldämmmaßes.

    Zur Vermeidung einer Verschlechterung des Schalldämmmaßes im Bereich von Steckdosen gibt es sog. Schallschutzdosen (z.B. von Kaiser).

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