Schweizer Standard für Nachhaltiges Bauen

Logo SNBS Standard Nachhaltiges Bauen SchweizDie Schweizer sind bekannt für ihre Unabhängigkeit. Irgendwo in dieser grundlegenden Einstellung spielt sicher auch die Versorgung mit Energie eine Rolle. Darum verwundert es nicht, dass man in der Schweiz schon im Jahre 1994 mit dem Minergie-Konzept einen der ersten Energiestandards für Gebäude in Europa geschaffen hat. Doch dabei kann es nicht bleiben, will man über die Energieeffizienz hinaus etwas für Klima und Umwelt tun. So hat man das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) gegründet, in dem man Standards und Leitlinien mit interdisziplinären Anforderungen definieren will.

Energieeffizienz von Gebäuden alleine reicht in der Schweiz also nicht mehr aus. Eine vernünftige Einstellung, stellen doch auch andere Aspekte wie Stadtplanung und eine effektive Infrastruktur wichtige Säulen im Bauwerk der Nachhaltigkeit dar. Es geht nun vielmehr darum, langfristige ökologische Lösungen zu finden und zu realisieren.

Hierzu haben sich in der Schweiz Wissenschaft, Wirtschaft, öffentliche Hand, Bildung und Politik zusammengetan, um das schon genannte ‚Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz‘ ins Leben zu rufen. Die Nachhaltigkeit, die man anstrebt, soll sich am Ende nicht nur auf Gebäude und die Infrastruktur beschränken, sondern auch den Staat und die Gesellschaft mit einschließen. Themen wie Energieeffizienz und Klimaschutz, Raumentwicklung und Mobilität, Konsum und Nutzung natürlicher Ressourcen aber auch sozialer Zusammenhalt und Lebensqualität sollen behandelt werden. Dabei definiert man nachhaltiges Bauen

als eine ganzheitliche, zukunftstaugliche Entwicklung von Siedlungen und Infrastrukturen, die Einzelobjekte, Gebäudeparks und den Infrastrukturbau im Kontext von Quartier-, Stadt- und Raumentwicklung betrachtet.

Die folgenden Aufgaben schreibt das NNBS sich dazu auf die Fahnen:

  • Erhalt bzw. Erhöhung der städtebaulichen Qualitäten
  • Sicherstellung von Gesundheit, Sicherheit und Behaglichkeit
  • Zukunftsfähige Infrastruktur und Grundversorgung
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft
  • Förderung der Investitionen in nachhaltige Immobilien
  • Minimierung der Lebenszykluskosten
  • Erhalt von Naturräumen und Artenvielfalt
  • Effizienter Umgang mit Ressourcen
  • Minimierung der Umweltauswirkungen (Boden, Wasser, Klima, Luft)
  • Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts

In diesem Zusammenhang hat man im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) im Sommer 2013 die Arbeit an einem Standard Nachhaltiges Bauen in der Schweiz (SNBS) begonnen. Dieser Standard soll nicht nur für den Hochbau sondern auch für Infrastrukturprojekte und für die Stadtentwicklung gelten. Schon in der frühen Entwicklungs- und Planungsphase eines Projektes soll dessen gesamter Lebenszyklus in die Betrachtungen einbezogen werden. In den kommenden Monaten soll die Übertragbarkeit des Standards auf reale Bedingungen verifiziert werden.

Für die Einhaltung dieses Standards werden also sowohl eines Gebäude an sich, aber auch dessen Standort analysiert. Geeignete Kriterien und Indikatoren mit zugehörigen Gewichtungsfaktoren beschreiben die Qualitätsziele des Standards. Zunächst ist dessen Anwendung jedoch nur für Wohngebäude, Bürobauten und Verwaltungsgebäude möglich. Der Standard lässt sich aber sowohl für Neubauten als auch für Bestandsgebäude einsetzen.

Wichtig hierbei ist zu erwähnen, dass es sich bei diesem Standard nicht um ein Gütesiegel im Verständnis von BREEAM, LEED oder DGNB handelt, sondern vielmehr um ein objektives Resultat für den Anwender, das als Selbstdeklaration verwendet werden kann. Dabei wurden bewährte Hilfsmittel, Normen und Richtlinien wie SIA 112/1 (Nachhaltiges Bauen – Hochbau) oder das Minergie-Konzept soweit möglich und sinnvoll in den neuen Standard integriert. Für den Anwender ist so eine vollständige Beurteilung eines Gebäudes mittlerer Größe innerhalb von 5 bis 10 Arbeitstagen möglich. Die Optimierung der Lebenszykluskosten gleicht jedoch in der Regel den Aufwand zur Erstellung einer Beurteilung wieder aus.

Um eine Kompatibilität mit europäischen Standards für Nachhaltigkeit zu erreichen, flossen bei der Ausarbeitung des SNBS ausländische Zertifizierungssysteme wie beispielsweise das von der DGNB ein. Für eine Beurteilung sind die folgenden Bereiche und Kriterien zu berücksichtigen:

Bereich Thema Kriterien
Gesellschaft Kontext und Architektur Ortsanalyse
Themen und Pflichtenheft
Planung und Zielgruppen Planungsverfahren
Diversität
Nutzung und Raumgestaltung Halböffentliche Räume
Private Räume
Wohlbefinden und Gesundheit Visueller, akustischer und thermischer Komfort
Raumluftqualität
Wirtschaft Kosten Lebenszykluskosten
Handelbarkeit Objektgrösse und Eigentumsverhältnisse
Bausubstanz
Vermietungssituation
Ertragspotential Erreichbarkeit
Bevölkerung und Arbeitsmarkt
Mietzinsniveau in der Gemeinde
Nutzbarkeit des Grundstücks
Qualität der Lage und Entwicklungsperspektiven
Regionalökonomie Regionalökonomisches Potential
Umwelt Energie Primärenergie nicht erneuerbar
Klima Treibhausgasemissionen
Ressourcen- und Umweltschonung Umweltschonende Erstellung
Umweltschonender Betrieb
Umweltschonende Mobilität
Natur und Landschaft Artenvielfalt
Landschaftszersiedelung

Der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) schafft ein gemeinsames Verständnis für nachhaltiges Bauen, baut auf bewährte Instrumente und baut diese mit innovativen Elementen aus. Die umfassende Nachhaltigkeitsbeurteilung für Neubau und Bestand ist anwenderfreundlich und zukunftsgerichtet für Bauherren und Investoren. Zudem können die Kriterien später in ein Zertifizierungssystem übertragen werden.

Bekannter Nachteil des Standards aus der Schweiz:
Die Bestnote 6 kann aufgrund bestehender Zielkonflikte nicht erreicht werden.

Naja, keiner ist perfekt.

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