Sparen durch Information

Energiezähler kWhEs herrscht die landläufige Meinung, dass man den Energieverbrauch von Gebäuden am sinnvollsten durch Wärmedämmung, dichte Gebäude und Haustechnik effektiv senken kann. Stimmt das wirklich? Wie die Erfahrung zeigt, helfen konstruktive Maßnahmen in der Tat. Doch gibt es eventuell auch andere, einfachere und kostengünstigere Möglichkeiten, derer man sich bedienen kann? Die gibt es, wenn man den Ergebnissen einer Untersuchung der Deutschen Energieagentur dena, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mieterbund, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Energiedienstleister ista durchgeführt wurde, glauben darf.

Auf der einen Seite muss man für den Aspekt der Energieeinsparung sicherlich Neubauten sehen. Hier kann der sinnvolle Einsatz moderner Technik wie die Wärmerückgewinnung durch eine Lüftungsanlage, ausreichende Dämmschichtdicken und eine gute Detailplanung im Bereich der Gebäudehülle leicht in die Planung einfließen und dem Nutzer des Gebäudes einen finanziellen Mehrwert bieten. Anders verhält es sich im Gebäudebestand. Altbauten können oft nicht adäquat technisch nachgerüstet und damit rentabel energetisch saniert werden. Konstruktive Randbedingungen setzen hier Grenzen.

Man kann – entsprechend der vorgenannten Untersuchung der dena – jedoch auch einen anderen Weg einschlagen und den Nutzer einer Immobilie gezielt und vor allem regelmäßig über Energieverbräuche informieren. Dies hilft dann nicht nur bei Altbauten sondern auch in Gebäuden, die zumindest auf dem Papier dem aktuellen Stand der Technik einhalten. Die regelmäßige Darstellung des eigenen Verbrauchs führt demnach zu einer Optimierung des eigenen Heizverhaltens.

Bei der Untersuchung wurde der Heizenergieverbrauch von Mehrfamilienhäusern in Essen, Berlin und München in den letzten 3 Heizperioden gemessen und ausgewertet. Mietern wurden diese Verbrauchsdaten im Monatsrhythmus zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis: im Vergleich zu tausenden deutscher Mehrfamilienhäuser, die über keine kontinuierlichen Informationen zum Energieverbrauch verfügen, wurde in den Mieteinheiten des Modellvorhabens durchschnittlich 16% weniger Heizenergie benötigt. Zudem sank der durchschnittliche Energieverbrauch aller Wohneinheiten in den am Modellvorhaben beteiligten Mehrfamilienhäusern erfreulicherweise um 12%. Dies ist nicht alleine durch Einsparung aus direkter Information erklärbar, sondern muss vielmehr als Ergebnis vom Austausch unter den Mietern und entsprechender Sensibilisierung der Hausgemeinschaft zum Thema gewertet werden. Ein erfreulicher Nebeneffekt.

Energiedatenmanagement kann also scheinbar etwas bewirken. Hinzu kommt, dass sich die Einsparung verglichen mit den Ausgaben für Monitoring und Informationsfluss für die meisten Mieter rentiert. Dabei ist die fortschreitende Automatisierung des Ableseprozesses und die damit einhergehende Kostenreduktion ein großer Vorteil. Es muss an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass es große regionale Unterschiede in den Ergebnissen des Modellvorhabens gibt, deren Gründe noch näher untersucht werden müssen.

Das Modellvorhaben bietet noch zwei weitere interessante Aspekte. Zum einen sehen 84% der an der Untersuchung beteiligten Mieter die transparentere Information zum eigenen Verbrauch als Grund für ein bewussteres Heizverhalten. 83% davon sind der Ansicht, dass sie heute effizienter heizen als früher. Zum anderen sind 70% der Mieter, die aufgrund der Verbrauchsinformationen rentable Einsparungen erzielen konnten, bereit, die Kosten für verbesserte Dienstleistungen zu übernehmen, so denn eine Kostenneutralität für sie gewährleistet ist.

Den ersten Punkt kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Der Energieversorger meines Schwiegervaters bot in der Vorweihnachtszeit ein Gewinnspiel an, in dessen Verlauf sich die Teilnehmer über ihren Energieverbrauch monats- und tagesaktuell informieren und diesen auch mit vergangenen Zeiträumen vergleichen konnten. Diese Möglichkeit wurde nicht nur für reine Informationszwecke genutzt, es wurde auch ein bewussteres Heizverhalten an den Tag gelegt. Lassen wir einmal das aktuell milde Winterklima außen vor, zeigte die Verbrauchskurve der letzten Wochen in der Konsequenz bereits nach kurzer Zeit eine erfreuliche Tendenz nach unten.

Psychologie und Technik liegen in einigen Fällen scheinbar nicht sehr weit auseinander.

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