Belastung aus tieffrequentem Schall

Warnschild zu tragend von GehörschutzKlagen über tieffrequenten Schall scheinen in letzter Zeit zuzunehmen. Allerdings gibt es hierzu noch nicht allzu viele Untersuchungen, die auch eine erhöhte Belastung als Ursache belegen. Eine Zunahme von Klagen kann aber plausibel durch eine gesteigerte Anzahl tieffrequenter Schallquellen (Windkraftanlagen, Kraftwerke), durch den Fokus auf höherfrequentigen Schall bei der Schalldämmung oder durch gesteigerte Beeinflussung des menschlichen Organismus aufgrund tiefer Frequenzen erklärt werden.

Tieffrequenter Lärm, nach DIN 45680 in Frequenzen zwischen 10 und 80 Hertz, entsteht häufig so, dass eine Schallquelle Schall mit einem gewissen tieffrequenten Anteil abstrahlt, der aber erst dann dominant wird, wenn mittlere und hohe Frequenzen des Schalls nach der Ausbreitung und insbesondere nach einer Dämpfung, z.B. durch Fensterscheiben, gefiltert werden. Hierbei dringen tiefe Frequenzkomponenten nahezu ungehindert in hinter der Scheibe liegende Räume und das Geräusch erhält einen tonhaltigen Charakter, der die unangenehme Wirkung noch verstärkt. Das Geräusch wird dann zu Lärm.

Ein besonderes Merkmal in der „Klagestatistik“ bei tieffrequentem Schall bzw. Lärm ist die ansonsten ruhige Umgebung, in der sich die Betroffenen normal befinden, wie auch schon Wissenschaftler der Saldford University festgestellt haben. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass nicht allein das Vorhandensein tieffrequenter Geräuschanteile, sondern das gleichzeitige Fehlen anderer Frequenzen den Schall zu Lärm und damit zu einer Belastung werden lässt. Ebenso fühlen sich mehr ältere Menschen und eher Frauen von tieffrequentem Schall gestört.

 

Ausbreitung von Schallwellen an einem Hindernis

Aber was ist nun wirklich dran an den Klagen und dem Zusammenhang mit überproportional vertretenen Frequenzanteilen in einem Geräusch? Immerhin berichten die Betroffenen über Symptome wie Frustration, Nervosität, Einschlafstörungen, Müdigkeit, Angst, Druck in Ohren und Körper sowie Kopfschmerz. Untersuchungen an der Bergischen Universität in Wuppertal haben diesbezüglich ergeben, dass die Verteilung und Gewichtung von Frequenzen sehr wohl Einfluss auf die Bewertung eines Geräusches hat. In einem Hörtest wurden dort tieffrequente Stimuli mit steilen Flanken zu höheren Frequenzen von Probanden als eher belastend bewertet als Geräusche mit flachen Flanken, also höherem Anteil an mittleren und hohen Frequenzen.

Doch falls an dieser Hypothese was dran sein sollte, würde das bedeuten, dass leiser nicht immer besser sein muss. Lärmschutz bzw. Schallschutz kann sich in solchen Fällen also auch kontraproduktiv auswirken. Es bleibt also abzuwarten, welche Wege Forschung und Entwicklung auf diesem interessanten Gebiet der Bauphysik noch gehen werden.


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30 Kommentare

  1. Löwin sagt:

    Gibt es eine Möglichkeit sich vor tieffrequentem Schall zu schützen, den die Luftwärmepumpe unseres Nachbarn in unserem Haus verursacht.

    Wer kann helfen?

  2. Stefan sagt:

    Es wäre dann erstmal die Frage zu stellen, ob es sich beim Übertragungsweg des Schalls um die Luft oder um Bauteile, also Körperschallübertragung, handelt. Da ich ohne weitere Informationen dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit folgend von Letzterem ausgehe, ist es sicherlich am sinnvollsten, die Wärmepumpe des Nachbarn durch elastische Lager von der Konstruktion zu trennen, an der sie befestigt ist.

  3. Löwin sagt:

    Das wissen wir auch und haben auch angeboten, uns an den Kosten zu beteiligen!!
    Im Frühjahr haben wir bereits die Kosten für eine Akustikmessung getragen, da der LWP-Hersteller nur so die tiefen Frequenzen abstellen wollte.

    Dies hat er nicht getan, sondern nur die Lautstärke verringert.

    Der Nachbar will nichts machen, da er ja keine Probleme hat und schlafen kann – bzw. nur wenn wir alle Kosten übernehmen, auch spätere Wartungsarbeiten und auch noch Kosten für einen Anwalt, der den von uns gemachten Vorschlag in Auftrag unseres Nachbarn prüfen sollte.
    Also, solche LWP-Betreiber gibt es auch und wir sind kein Einzelfall!!!

    Der Schall tritt durch alle Räume vornehmlich in die, Richtung LWP des Nachbarn. Wir haben kein Fenster zu dieser Seite hin.
    Selbst im Dachstudio (Kein Fenster) ist der tieffrequente Schall auf dem Körper zu spüren.

    Am schlimmsten ist es Nachts, wenn diese Kiste dann stundenlang läuft.

  4. Stefan sagt:

    Ein netter Nachbar, der technische Details gleich von einem Anwalt prüfen lässt.

    Dass man die Schallbelastungen ganz abstellen kann, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Eine Verringerung ist bei unzulässig hoher Belastung aber das Mindeste, was man erreichen muss. Nur wird der WP-Hersteller aber nicht unbedingt mehr als das Notwendigste tun, da er für die Arbeit selber einstehen muss. Und ob dieses Notwendige in Ihrem Fall ausreichend ist, kann ich ohne Messungen leider auch nicht beurteilen.

    Da der Nachbar keinen Handlungsbedarf mehr sieht und Sie verständlicherweise nicht bereit sind, in den sauren Apfel zu beißen und weitere Kosten in vollem Umfang zu übernehmen, können Sie noch den Weg über einen Sachverständigen gehen, der (leider auf Ihre Kosten) von beiden Seiten anerkannte Messungen der Schallbelastung durchführt und die Situation objektiv beurteilt. Ob diese Möglichkeit gleich im Rahmen eines Gerichtsverfahrens angewendet werden muss, kann ich nicht beurteilen, da Sie den Nachbarn besser einschätzen können. Ich würde aber noch einmal versuchen, die Situation zusammen mit einem unabhängigen Dritten zu klären. Stellt der Sachverständige fest, dass die Schallemissionen zu hoch sind, sollte der Nachbar auch ohne Richter einlenken, da er einen Prozess in der Regel nicht gewinnen würde.

    Es gibt darüber hinaus natürlich noch andere bauliche Möglichkeiten, den tieffrequenten Schall zu reduzieren, aber diese Kosten übersteigen bei weitem das, was Sie ein Sachverständiger bzw. eine elastische Lagerung der WP zusammen mit allen Folgekosten kosten würde.

  5. Löwin sagt:

    Wer definiert denn was unzulässig hoch ist.
    In unserem Fall geht es nicht um Lautstärke, sondern um tieffrequenten Schall.
    Dieser wurde vom Landratsamt bereits gemessen und liegt nach der
    bisherigen DIN 45680 nicht im entsprechnenden Bereich für die tiefen Frequenzen.
    Nach der modifizierten DIN 45680 würde die Frequenzen innerhalb der Werte liegen.
    Was kann man also mit einem LWP-Betreiber als Nachbar machen,
    der die Umwelt belastet mit seiner Kiste.
    Übrigens sind wir kein Einzelfall

  6. Stefan sagt:

    Nein, ein Einzelfall sind Sie mit Sicherheit nicht! Die Grenzen für eine unzulässige Belastung definiert aber leider der gründliche (= langsame) Gesetzgeber bzw. in diesem Fall die DIN 45680 oder die TA Lärm, gemessen bei (Terzmitten-)Frequenzen zwischen 10 und 80 Hz (alte Norm) und zwischen 8 und 125 Hz (neuer Entwurf). Wenn also die bereits gemessenen Werte nach aktuell gültiger Norm nicht bewertet werden können, müssten Sie m.E. bei einem weiteren Vorgehen ein Schädigungspotential im Einzelfall nachweisen können.

    Sie schreiben aber, dass Sie sich insbesondere in der Nacht von dem Geräusch gestört fühlen, also dann, wenn es im Haus ruhig wird. Haben Sie schon mal daran gedacht, die tiefe Frequenz durch eine andere weniger störende Frequenz überlagern zu lassen?

  7. Löwin sagt:

    Hallo,
    leider komme ich erst jetzt zum Antworten!
    Natürlich haben wir auch schon an so etwas gedacht.
    Aber eigentlich sollte man Nachts ohne Nachbars Brummtöne und ohne Überlagerungsmaßnahmen schlafen können!!!
    Jeder weiß wie wichtig guter Schlaf ist.
    Es ist je nicht nur die Störung der Brummtöne, es sind auch gesundheitliche Probleme – Herzrasen, ständige Aufwachphasen, Kopf-, Gliederschmerzen, Tinitus usw.
    Und der Brummton stört ja auch bei Tage in den entsprechenden Räumen. Wenn diese „Brummkiste“ läuft fühlt sich das an, als würde man elektr. aufgeladen.
    Ich kann nicht verstehen, weshalb der Gesetzgeber so lllllaaaannnngggggsaaaammm ist.
    Die Beschwerden über LWP haben sich seit ltz. Winter 2010 bei Bürgermeisterämtern, Landratsämtern und Umweltämtern gehäuft.
    Da wird anscheinend erst gehandelt, wenn Verantwortliche selber davon betroffen sind.
    Denn es kann jeden treffen!!!
    Wir überlegen ob wir in unserem Haus selbst etwas dagegen machen können (Schallfänger evtl.). Wissen aber nicht ob das funktioniert.Wir haben mit dem Nachbarn nochmals gesprochen und nochmals angeboten, die Schalldämmmaßnahmen zu bezahlen!!
    Jetzt will er auch noch die Wartungskosten in den nächsten Jahren und seine Anwaltskosten von uns übernommen wissen!!!
    Anstatt das Problem zu lösen, was vermutlich nicht viel ist, häuft er neue Probleme auf und macht sich in der Straße immer unbeliebter!!!
    Was soll man von solchen Menschen halten, denen jedes nachbarschaftliche Gefühl abhanden gekommen ist???
    Friedliche und ruhige Weihnachten!!

  8. NoiseFacts sagt:

    @ Löwin,

    Das Problem kommt mir sehr bekannt vor. Die von Ihnen beschriebenen extrauralen Effekte weisen auf eine recht massive Belastung hin. „Massiv“ bedeutet dabei nicht unbedingt hohe Pegel, aber eine so lange Belastungszeitdauer (und Signalmuster), dass neuronale Strukturen, die beim unbelasteten Menschen als „Filter“ die Wahrnehmung und einige der Wirkungen mildern, eine „Umprogrammierung“ erfahren haben. Gut konstruierte und dimensionierte WPs zeigen das Problem seltener, da durch Intervallbetrieb wohl ausreichend Zeit für Regeneration von Innenohr und Höhrbahnen gegeben ist. Generell stellt aber niderfrequenter Lärm ein sehr reales und sehr ernstes Gesundheitsproblem dar.

    Die von Ihnen beschriebenen Symptome weichen übrigens von den „klassischen“ Stressymptomen ab (Familienarzt: „Hören Sie auf sich aufzuregen und alles wird gut“) – was ein Hinweis darauf ist, dass der Schalleintrag selbst die Symptome hervorruft, und zwar nach aktuellstem Stand der Forschung durch eine Beteiligung des Vestibularapparates, der, quasi unser evolutionsgeschichtlich „altes“ Ohr darstellt und besonders für tiefe Frequenzen eine sehr hohe Empfindlichkeit hat. Ein Signalreiz wird hier jedoch nicht in einem Höreindruck verwandelt sondern wirkt über den Bereich des Gleichgewichtssinns auf weite Bereiche des Gehirns (daher auch die Bandbreite an Symptomen).

    Um die Gesetzgebung auf Trab zu bringen und die peinliche Ignoranz mancher Behörden und vieler Hersteller zu beenden, hat Frau Eva Henkes die Website laerm-luftwaermepumpen.de ins Leben gerufen. Dort finden Sie Betroffene, die sich mit dem gleichen Problem konfrontiert sehen und die ebenfalls an Lösungen arbeiten.

  9. Frieda T. sagt:

    Frage an NoiseFacts (23.01.12): Haben Sie den Beleg (Quellenangabe) für die neueste wiss. Erkenntnis, dass der tieffrequente Schalleintrag selbst die Symptome hervorruft? Wäre sehr wichtig für mich, da ich auch Geschädigte bin, wenngleich durch Subwoofer u.ä. im Haus.

  10. Eckhardt sagt:

    Hallo Löwin,

    habt ihr zwischenzeitlich Euer Problem lösen können – wenn ja, wie?
    (Wir sind auch Betroffene – 2 LWP des Nachbarhauses erzeugen tieffrequente Töne, die uns den Schlaf rauben.)

  11. Sternschnuppe sagt:

    Hallo,
    leider gehören wir seit ca. 10 Monaten auch zu den Betroffenen, da auf dem Nachbargrundstück ein Doppelhaus mit jeweils 1 LWP (Ostseite der Häuser) in Richtung unseres Hauses (direkt zu unserem Garten) aufgestellt wurden, die uns den letzten Nerv rauben (Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlafstörungen, Gereiztheit, Übermüdung…). Meine Tochter leidet seit ein paar Monaten unter Tinnitus. Die Nachbarn haben 1 Gerät schon austauschen lassen, da es unverhältnismäßig laute und untypische Geräusche und Lärm von sich gegeben hat. Die Bauträgerin der anderen DHH (das Haus hat sie noch nicht losbekommen) ist nicht einsichtig und nimmt trotz diverser Anschreiben von uns keinen Kontakt auf; Baubehörde bezieht sich nur auf die vorgegebenen Werte des Herstellers (die nachts auf keinen Fall eingehalten werden). Meine Tochter kam schon mehrere Nächte gegen 0:30 dann gegen 2:30 Uhr ins Schlafzimmer, weil das Brummen in ihrem Zimmer unerträglich ist. Ihr Zimmer befindet sich auf der Südseite am weitesten von den LWP entfernt… Am Tag ist das Brummen selbst bei Radio/ Fernseher im Wohnzimmer wahrnehmbar und Konzentration bei Hausaufgaben im Zimmer meiner Tochter schwierig. Im Sommer ist die Süd-/ Westseite des Grundstücks betroffen, da die LWP auch für Warmwasser und zum Kühlen genutzt werden. Wir sind echt am Ende! Kann uns jemand Tipps geben oder aus Erfahrung berichten, was man machen kann; gerne auch Kontaktaufnahme per Mail!

  12. Stefan sagt:

    Da bin ich, aus der Entfernung beurteilend, in diesem Fall wirklich überfragt. Ich schlage ein direktes Gespräch mit der Bauträgerin vor, und wenn dies keinen Erfolg bringt, würde ich einen Sachverständigen damit beauftragen, die tatsächliche Lärmbelastung zu ermitteln. Im Sinne der Gesundheit sollte man diese Investition nicht scheuen.

    Ansonsten werde ich aber gerne sämtliche Antworten an die angegebene Mailadresse weiterleiten, falls diese per Mail und nicht als Kommentar hinterlassen werden.

  13. Frieda T. sagt:

    Hallo Stefan,
    Ihre Antwort wurde an mich weitergeleitet, obwohl sie mich nicht betrifft. Ich hatte mich seinerzeit an NoiseFacts gewandt, um die Quellenangabe zu dort erwähnten wiss. Erkenntnissen zu erfahren, aber nie etwas gehört. Die Web-Adresse von Eva Henke enthält dazu leider auch nichts. Haben Sie neueste wissenschaftliche Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen (Vestibularapparat etc.)?

  14. Holger S. sagt:

    Hallo,

    ich bin über Google „welche Frequenzen lässt Fensterscheibe durch“ auf diese Seite gestoßen. Mein Problem wird durch den Eingangtext, daß Fensterscheiben hohe und mittlere Frequenzen dämpfen, tiefe ab eher durchlassen bestätigt. Vor meinem Wohnzimmerfenster sind Parkplätze errichtet worden: rangierende Autos und zuknallende Autotüren bringen mich im Haus schier zur Weißglut, da insbesondere die dumpfen, tiefen und „schlagartig“ kommenden Töne mich jedesmal hochschrecken lassen, wohingegen das Zuknallen der Autotüren bzw. das Rangieren der Autos ich nicht als besonders unangenehm empfinde, wenn ich mich draußen im Garten aufhalte. Was das „Erschrecken“ für die Gesundheit bedeutet, kann sich wohl jeder selber vorstellen.

    Die Idee Schallschutzfenster einzubauen wird ja durch obige These etwas in Frage gestellt und eine Beton-Lärmschutzwand müßte ich noch gerichtlich durchpauken – ganz abgesehen von den Kosten.

    Insoweit möchte ich hier die Lösung eines Gehörschutzes andiskutieren. Was für die einen Leute ein Hörgerät ist – weil sie schlecht hören – gibt es in ähnlicher Form ja auch als Gehörschutz zu kaufen.

    Hat hier jemand schon Erfahrung mit so einem Lösungsansatz?

  15. Stefan sagt:

    Ähmm, ich bin hier raus. Solch einen Gehörschutz kenne ich zwar, aber ich habe keinerlei Erfahrungen zu diesen Geräten. Interessieren würde es mich allerdings schon zu erfahren, was die können…

  16. NoiseFacts sagt:

    Ich bitte um Entschuldigung, dass hier so viele Fragen aufgelaufen sind. Tieffrequenter Schall hat auch bei Belastung im unterschwelligen Bereich den Effekt einer langfristigen Sensibilisierung zur Folge. Dabei ist es wichtig hervorzuheben, dass dieser Effekt seinen Ursprung bereits auf der Ebene des Innenohrs zeigt. Zwei Mechanismen wirken dabei leicht zeitversetzt:

    a) Eine Veränderung des hydrostatischen Drucks der Endo- und Perilymphsysteme im Innenohr (sog. Hydrops). Die Betroffenen zeigen dann die Effekte einer „Pseudokinetose“ (sopite syndrome) oder Symptome ähnlich einem „Tullio“. Das macht sich z.B. in einer erhöhten Empfindlichkeit für Schall bemerkbar, die gleichzeitig mit Benommenheit und Schwindel, Übelkeit, Schlafstörungen und kalten Händen einhergeht.

    Dauert eine tieffrequente Schallbelastung jedoch weiter an, glaubt der Körper nun, er müsse durch diese Form der Seekrankheit ein Vermeidungsverhalten einleiten. Zum Vergleich: eine andauernde Schallbelastung aus einer technischen Quelle (typ. wäre z.B. ein BHKW oder eine Windkraftanlage), die bei 16Hz einen Schalldruck von 116dB SPL in einem angrenzenden Wohnraum hervorruft, wäre für die meisten Menschen unhörbar, stellt aber für den im Innenohr liegenden Vestibularapparat die Entsprechung einer periodischen Vertikalbewegung von 1 Meter dar.

    In anderen Worten, die Menschen zeigen die natürliche Reaktion auf einen Stimulus, der dem von Tagen und Wochen auf einer Schiffschaukel entspricht.

    b) der andere Effekt ist der einer „selektiven“ Hyperakusis, d.h. einer erhöhten Empfindlichkeit auf einen Schallreiz einer bestimmten Frequenz. Betrifft diese Empfindlichkeit vor allem tiefe Töne, so ist immer häufiger davon auszugehen, dass hier die sog. „OHCs“, die äußeren Haarzellen der Cochlea eine Beschädigung erfahren haben. Die OHCs sind eine ziemlich geniale Erfindung: sie stellen als „hydromechanischer Verstärker“ eine Komponente des Frequenzteilers, bestehend aus inneren (IHCs) und äußeren Haarzellen dar. So kann das Ohr z.B. ein bedeutungstragendes Signal von Schwankungen des Umgebungsluftdruckes trennen.

    Leider sind die Signale der OHCs an das Gehirn NICHT (direkt) mit einer Wahrnehmung verbunden. Zudem ermüden die OHCs bei frequenzstabilen Signalen sehr schnell – und sterben dann auch quasi umgehend ab (binnen weniger Tage). Das konnten wir bereits mehrfach im Umfeld von Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken beobachten und darauf weist zudem auch aktuelle Forschung der Ludwig-Maximilian-Universität hin.

    Dabei ist der absolute Pegel offenbar weniger entscheidend als z.B. die die Belastungsdauer und die „spektrale Ausgewogenheit“ der Gesamtimmission in den Wohnraum: damit werden sozusagen Isolierglasfenster im Umfeld von LWWP zu einem objektiven Risikofaktor, da diese maskierende (=schützende) mittlere Frequenzen ausfiltern, tiefe Signale aber übertragen. Damit diese „OHC Apoptose“ (Zellsterben) einsetzen kann, müssen interessanterweise (und logischerweise) weder eine Hör- noch eine Wahrnehmungsgrenze erreicht werden – unsere normalen Schutzmechanismen (Vermeidung) sind also für diese Form der Belastung denkbar schlecht ausgestattet.

    In Teilen sind die o.g. Zusammenhänge mittlerweile auch beim Umweltbundesamt angekommen: deren Publikation 40-2014, die sog. „Machbarkeitsstudie Infraschall“ vom Juni 2014 weist nun auf einige der genannten Effekte hin – genauso wie auf den unzureichenden Schutz durch TA-Lärm und DIN 45680.

  17. Stefan sagt:

    Na, DAS nenne ich mal eine ausführliche Antwort.
    Vielen Dank an NoiseFacts, dass er sich die Zeit genommen hat, das Thema für die Allgemeinheit so ausführlich zu beantworten!

    Entschuldigen müssen Sie sich nicht. Es sollte mehr dieser ‚ehrenamtlichen Mitarbeiter‘ geben 😉

  18. Holger S. sagt:

    Hallo,

    ich habe mich bei einschlägigen Unternehmen kundig gemacht, die Gehörschutz anbieten.
    Auch hier wurde vorab deutlich gemacht, Zitat: „Tiefe Töne lassen sich mit Gehörschutzstöpseln nur sehr bedingt dämmen. Besonders sehr tiefe Frequenzen (unter 100 Hz) durchdringen Wände und auch Gehörschutz oft ohne größe Verringerung ihrer Intensität.
    Für solche langwelligen Signale stellen Gehörschutzstöpsel kein ernsthaftes Hinderniss dar.“

    Werde 2 unterschiedliche Systeme jetzt trotzdem bestellen und demnächst hier berichten.

  19. Frieda T. sagt:

    Vielen Dank an NoiseFacts für die Ausführungen zu tieffrequentem Schall und den Verweis an die Forschungen der LMU! Die Machbarkeitsstudie des UBA kenne ich; sie ist schon deshalb hilfreich, weil man sich in Rechtsfragen eher auf die Stellungnahme einer staatlichen Institution als auf eine einzelne Studie glaubhaft berufen kann.
    Trotzdem fällt es den Behörden schwer, die Erkenntnisse ernst zu nehmen, leider.

  20. Lohbauer-Hilbrecht Marianne sagt:

    Unhörbarer Lärm

    Sehr geehrte Damen und Herrn

    Seitdem eine Shisha-Bar im Erdgeschoss unter mir eröffnet hat, werde ich ich immer wieder durch die Musikanlage, die direkt unter der Decke und an der Wand angebracht ist, von durch-schlagenden Bässen um meine Nachtruhe gebracht. Es hat sich zwar schon einiges gebessert, nach dem ich die Polizei und das Ordnungsamt gerufen habe.

    Zur zeit werden weder Türen nachts zugeknallt, noch sind die Bässe in hörbarer Lautstärke vorhanden. Trotz aller dem vibriert der Boden. Es scheint sogar der Lärm von der Straße sich zu verstärken, bis zu einem leisen Brummen das ich dabei höre.

    So weit so gut, das ist alles zu ertragen, solange ich wach bin und nicht schlafen will.

    Oft kann ich nicht einschlafen oder werde um 3 Uhr Morgens wach, weil mein Bett sehr stark vibriert.

    Während der Zeit wenn alles vibriert und brummt habe ich Herzbeklemmungen, Mundtrockenheit, Muskelverspannungen ich fühle ein allgemeines Unbehagen.

    Da ich anfangs an Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung glaubte, habe ich mich von einigen Ärzten wie Hausarzt – Kardiologe – Nervenarzt – HNO-Arzt untersuchen lassen, bis auf eine leichte Schwerhörigkeit im hohen Tonbereich wurde nichts festgestellt.
    Die Besitzerin und den Besitzer habe ich schon einige male gebeten die Boxen anders zu platzieren, jedoch die zeigen keine Einsicht. Auch den Vermieter habe ich angeschrieben, aber der reagiert nicht. Ich hoffe Sie können mir helfen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Marianne

  21. Stefan sagt:

    Hallo Marianne,

    die Ursache, die Symptome und das Leiden sind bekannt, aber leider kann ich hier keine Abhilfe schaffen. Solange sowohl Mieter als auch Vermieter ihre Ohren auf Durchzug stellen, werden Sie ohne einen Anwalt nicht viel ändern können. Eventuell können Sie aber in einem persönlichen Treffen mit dem Vermieter noch etwas erreichen. Besteht hierzu die Möglichkeit?

    Gruß und viel Erfolg,
    Stefan

  22. NoiseFacts sagt:

    Hallo Marianne,

    ganz kurz, da das Thema sich doch teilweise ein wenig von Haustechnik entfernt:

    Eine subjektive Vibrationswahrnehmung ist eine aus der Literatur bekannte Folge einer lang anhaltenden Belastung durch tieffrequenten Schall. Dabei muss die Schallbelastung zunächst gar nicht wahrnehmbar sein, um in einem mehrstufigen Prozess die Funktion des Innenohrs (Hörschnecke UND Vestibularapparat) nachhaltig zu stören: Die von Dir genannten Symptome einer Brummwahrnehmung und die des Vibrationsgefühls werden auffallend häufig gemeinsam im Umfeld von technischen LFN-Quellen beschrieben. Diese stehen auch miteinander in einem pathophysiologischen Zusammenhang, der zwar der Medizin bekannt ist, bei deutschen Akustikern aber nicht diskutiert wird, da man seit Jahren nicht über das für LFN-Wirkungen nicht anwendbare „Lärmwirkungsmodell“ hinauskommt (LFN = low frequenc noise).

    Eine „selektive“ Hyperakusis für tiefe Frequenzen im Kontext von LFN-Belastungen wurde aber auch in der Akustik bereits in den 80ern von Moller und Pedersen (DK) beschrieben, analoge Beschreibungen existieren auch aus Japan (Inukai, 2004). Damals war der zugrundeliegende Mechanismus einer Sensibilisierung durch eine Überlastung (und dann Absterben) der Haarzellen der Cochlea (Hörschnecke) noch nicht bekannt. Heute geht man davon aus, dass nach dieser „De-afferentation“ ein sog. Endolymphhydrops gebildet wird (das Warum ist noch nicht ganz klar).

    Die Folge dieser Lymphansammlung ist eine zusätzliche Sensibilisierung des gesamten Innenohrs – und damit auch der Otolithenorgane (v.a. sacculus vestibularis) für niederfrequente Schallreize (Vgl. Dr. Mireille Oud „Verklaring voor hinder van laagfrequent geluid“ – auf Englisch unter „Low-frequency noise: a biophysical phenomenon“ zu finden). Insgesamt ist aber eine Empfindlichkeitssteigerung des Innenohrs um rechnerisch ca. 40dB für tieffrequenten Schall denkbar und wird in der Realität auch durch unsere Messungen im Umfeld von z.B. BHKW bestätigt.

    Effekte wir Herzrasen, Bluthochdruck, Schwindel, Vibrationsgefühl und Verspannungen des Großen Kopfwenders und des „Schollenmuskels“ (musculus soleus) sind daher als bekannte Effekte einer (akustischen) vestibulären Reizung und so als eine direkte Folge der Schallbelastung zu sehen.

    Leider hinken in Deutschland Gesetzgebung und Rechtsprechung (vor allem aber das Wissen der technischen Akustik) hinter dem Stand der Neurootologie um ca. 30 Jahre hinterher (vgl. UBA-Publikation 40-2014). Das ist kein Zufall, sondern der „Verdienst“ von Bremsern in der Politik und der Untätigkeit deutscher Akustikverbände. Damit wird aber die rechtliche Durchsetzung Deiner Ansprüche fast unmöglich – vor allem, da unsere Messverfahren nach DIN 45680 / TA-Lärm „zeitlich mitteln“ und auch einer ggf. zusätzlichen Vibrationsbelastung gegenüber „blind“ sind.

    In deinem Fall würde ich zunächst auf guten Gehörschutz (z.B. Uvex Whisper orange, ggf. auch gelb) setzen und mir schell einen Rechtsbeistand suchen (Mieterschutzbund?).

    Wenn das nicht hilft, solltest Du wirklich bald den Auszug in Erwägung ziehen. Das ist zwar teuer und ärgerlich – aber bei Deutscher Rechtslage oft die einzig sinnvolle Alternative. Deine Gesundheit geht vor. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens nicht alleine da: Prof. Dr. Kameier hat auf der diesjährigen DAGA Konferenz für solche Fälle den Schluss gezogen (paraphrasiert): „… langfristig ist den Betroffenen nur der Auszug aus den belasteten Immobilien zu empfehlen…“

    Das zeigt deutlich, wie unsäglich der „Schutz“ der Bevölkerung durch die aktuelle Fassung DIN 45680 in der Realität ausfällt. Auch in der derzeitigen Novellierung wurden keinerlei Verbesserungen sichtbar – alles dreht sich um die (subjektive) Wahrnehmung, physiologische Schallwirkungen werden ignoriert …

  23. Stefan sagt:

    NoiseFacts, vielen Dank für deine sehr informativen und fachlich sehr versierten Beiträge – zum wiederholten Mal!

    Ein Auszug aus einer Mietwohnung ist natürlich als letzter Schritt zu sehen, wenn alle mediativen und juristischen Mittel ausgenutzt bzw. ausgeschlossen wurden und bevor die Gesundheit permanent geschädigt wird.

  24. Lebensart sagt:

    NoiseFacts ich habe mir Ihre Kommentare durchgelesen und bin nach fast endloser Suche nach fundierten Informationen sehr erleichtert eine so fachkundige Erläuterung zu dem Thema zu finden. Ich wäre Ihnen mehr als dankbar und würde mich sehr freuen, wenn Sie per Email Kontakt zu mir aufnehmen könnten.(n.lebensart@gmx.de) Wie unschwer zu erkennen ist sind sie wirklich jemand der sich wissenschaftlich mit der Thematik des tieffrequenten Schall auseinandergesetzt hat.

  25. Schanzenstern sagt:

    Hallo Stefan,
    Danke für die Seite,

    hallo NoiseFacts,

    Danke für diese reichhaltigen Infos. Ich bin seit vier Monaten dem Surren einer Zuluftanlage ausgesetzt, die mit den gesetzlich erlaubten 50 dB läuft. Das allerdings über Stunden. Da ich in einem Innenhof mit Kaminbebauung lebe, kommen die Geräusche auf meinem Balkon im 3.Stock in der selben Lautstärke an. Knapp 50 dB monotones Rauschen halte ich nicht aus, deshalb bleiben die Fenster geschlossen. Dann habe ich genau das Phänomen, dass die geschlossenen Fenster die Geräusche verändern. Im Innern messe ich bei geschlossenen Fenstern nur 30 dB, habe aber immer das Gefühl von Druck auf den Ohren und fühle mich zunehmend „angetastet“. Lange Rede, kurzer Sinn: Gibt es seit dem letzten Eintrag noch wissenswertes Neues (Studien, Forschung, Erkenntnis und/oder ggf. Urteile)? Über Infos diesbezüglich wäre ich sehr dankbar, da ich überlege, wie ich weiter vorgehen kann.
    Danke im Voraus

  26. Noise Facts sagt:

    Hallo Schanzenstern,

    das Problem mit Lüftungen ist bekannt – bzw. sollte bekannt sein: Jeder Ventilator produziert im Betrieb vor allem tieffrequente Schallanteile (das rührt aus dem chaotischen System von Verwirbelungen her, die im Betrieb erzeugt werden: jedes „chaotische“ System folgt bei der Verteilung der erzeugten Frequenzanteile der Formel 1/f … das ist in etwa dann „pink noise“. Pink noise ist aber in bestimmten Kontexten der Neurologie dafür bekannt, bestimmte Prozesse stärker zu beeinflussen als z.B. „white noise“ (lineare Verteilung der Frequenzanteile).

    Werden Ventilatoren besonders „langsam“ betrieben, z.B. um zu niedrigen dB-A Werten zu kommen, kann zudem der Effekt des „rotating stalls“ einsetzen, wodurch noch mehr tieffrequente Anteile produziert werden. Das sehen wir im Wohnumfeld sogar recht häufig.

    Auf die 1/f Verteilung „setzt“ sich dann noch der sog. „Drehklang“ als ein Produkt der Flügelzahl und der Drehfrequenz und in Ihrem Fall vermutlich noch der Grundton des Lüftungskanals (Prinzip Orgelpfeife). Ihr Fenster filtert dann die „maskierenden“ mittleren Frequenzanteile aus, während nicht wahrnehmbare tieffrequente Anteile ungehindert in Ihren Wohnraum gelangen und dort letztlich zu Schädigungen von Innenohr und ZNS führen.

    Aber die deutsche TA-Lärm kennt nur die „Störung/Stressfolgen“ (und die Ertaubung) als Schallwirkungen und damit haben Betroffene nach wie vor sehr schlechte Karten.

    Nach unseren Erfahrungen ist der Dialog mit dem Verursacher im Großteil aller Fälle der einzig zielführende Weg (leider). Dazu sollte in einem ersten Schritt die Belastung messtechnisch erfasst werden (nach DIN 45680). Auch könnten Sie herausfinden, ob andere Anwohner auch Störungen durch die Anlage erfahren – mehr Betroffene = mehr Druck. Das Messen sollte eigentlich Ihr Umweltamt übernehmen, wenn Sie den magischen Satz „Belastung durch tieffrequenten Schall“ äußern. In der Realität ist es aber leider so, dass die Ämter oft überlastet, schlecht ausgestattet und wenig motiviert sind. Oft hören wir, dass Verursacher sogar im Vorfeld von der bevorstehenden Messung in Kenntnis gesetzt werden. Seltsamerweise bringen die Messungen dann immer ganz harmlose Werte…

    Es kann also ganz erhellend sein, wenn man mittels geeigneten Messgerätes nach der Faustformel „Leq C-bewertet-minus-Leq A-bewertet“ die grobe Größenordnung der LFN-Belastung ermitteln kann. (Leq = äquivalenter Dauerschallpegel). Neben einem Privatgutachten oder dem Erwerb eines Messgerätes in der 2K-EUR-Klasse sollte man dazu vor die iOS App „SPLnFFT“ ins Auge fassen. Die kostet nur 3,99 EUR, ist aber frappierend präzise. Da „C-minus-A“ eine deutsche Erfindung ist, muss man den Vorgang mit der App durch zwei Einzelmessungen ermitteln. Dabei ist ausschlaggebend, dass es während der A-Messung wirklich *ABSOLUT* still ist (macht man daher am besten morgens um 3 Uhr) und man für die C-Messung (DIN-konform) eine Stelle mit einem Belastungsmaximum findet (oft liegen die auf den Winkelhalbierenden der Raumecken in Wandnähe).

    Ermittelt man jetzt eine Differenz um 20dB, dann interessiert sich u.U. das Umweltamt dafür (bei 19,99 dB ist es nach guter deutscher Behördendenke aber ganz harmlos und Ihr Privatproblem…). Wissenschaftler der LMU, die das C-A-Verfahren seinerzeit mit als erste anwendeten, sahen aber bereits bei 10dB Handlungsbedarf, erfahrende Akustiker wissen, dass schon bei 6dB typ. gesundheitliche Störungen auftreten können… hier zeigt sich leider mal wieder, dass die aktuelle DIN 45680 eher den Verursacher als den Betroffenen schützt.

  27. Stefan sagt:

    Vielen Dank für Ihre ausführliche und qualifizierte Antwort!
    Hätte ich nicht besser schreiben können 😉

  28. Schanzenstern sagt:

    Hallo Noise Facts,
    super!!! So viel Wissen und so kurze Reaktionszeiten. Ich messe mit dem Iphone und werde mir jetzt die App kaufen. Das Umweltschutzamt hatte ich bereits kontaktiert, da war ich allerdings noch nicht so im Tieffrequenzthema „drin“, sondern hatte bezüglich der dB-Höhe angefragt und messen lassen. Jetzt kann ich – dank des Blogs und der qualifizierten Antworten – versuchen mehr zu veranlassen. Ich melde mich, wie es weitergeht. Danke und liebe Grüße

  29. Schanzenstern sagt:

    Hallo Noise Facts, leider muss ich noch einmal um Hilfe bitten. Es gibt mehrere Bundles der App. Welches nehme ich und kann ich damit einzelne Frequenzen messen? Danke und LG

  30. Noise Facts sagt:

    Im Prinzip sollte die Basisversion mit SPLnFFT ausreichen. Diese App produziert die genauesten Werte und umgeht wohl zudem elegant Verzerrungen des iOS Betriebssystems. Ich verwende aber mehrere Apps parallel, da andere z.B. leichter zu bedienen sind, oder weitere Features bieten.

    Grundsätzlich muss man beim Messen zwischen „normgerecht“ und „wissenschaftlich sinnvoll“ unterscheiden. Die in der DIN 45680 betrachteten Parameter sind v.a. für die technische Akustik relevant – biologische / pathophysiologische Parameter sind kein Gegenstand von TA-Lärm und DIN 45680.

    Will man das Schädigungspotenzial einer anthropogenen LFN-Belastung untersuchen, so sind das FFT und das FFT über Zeit (3D-FFT)weitaus aussagekräftiger. Deswegen verwende ich derzeit z.B. noch RealTimeSpectrogram von Oxford Wave Research.

    Was unter iOS kaum zu finden ist, ist eine gute kombinierte Darstellung von FFT und Zeitverlauf. Hier kommt man aber mit „Spectrum View“ oder ggf. auch „Spectrider“ auf Windows-Systemen weiter (beides Freeware). Nachteil: man muss in ein Messmikro plus Vorverstärker investieren (ca. 110 EUR) und das System ist nicht wirklich kalibrierbar… aber die Spektrogramme muss man ohnehin „lesen“ lernen wie Ultraschall- oder Röntgenbilder: das Verhältnis der Messwerte zueinander ist relevant, nicht der punktuelle Absolutwert.

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