Belastung aus tieffrequentem Schall

Warnschild zu tragend von GehörschutzKlagen über tieffrequenten Schall scheinen in letzter Zeit zuzunehmen. Allerdings gibt es hierzu noch nicht allzu viele Untersuchungen, die auch eine erhöhte Belastung als Ursache belegen. Eine Zunahme von Klagen kann aber plausibel durch eine gesteigerte Anzahl tieffrequenter Schallquellen (Windkraftanlagen, Kraftwerke), durch den Fokus auf höherfrequentigen Schall bei der Schalldämmung oder durch gesteigerte Beeinflussung des menschlichen Organismus aufgrund tiefer Frequenzen erklärt werden.

Tieffrequenter Lärm, nach DIN 45680 in Frequenzen zwischen 10 und 80 Hertz, entsteht häufig so, dass eine Schallquelle Schall mit einem gewissen tieffrequenten Anteil abstrahlt, der aber erst dann dominant wird, wenn mittlere und hohe Frequenzen des Schalls nach der Ausbreitung und insbesondere nach einer Dämpfung, z.B. durch Fensterscheiben, gefiltert werden. Hierbei dringen tiefe Frequenzkomponenten nahezu ungehindert in hinter der Scheibe liegende Räume und das Geräusch erhält einen tonhaltigen Charakter, der die unangenehme Wirkung noch verstärkt. Das Geräusch wird dann zu Lärm.

Ein besonderes Merkmal in der „Klagestatistik“ bei tieffrequentem Schall bzw. Lärm ist die ansonsten ruhige Umgebung, in der sich die Betroffenen normal befinden, wie auch schon Wissenschaftler der Saldford University festgestellt haben. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass nicht allein das Vorhandensein tieffrequenter Geräuschanteile, sondern das gleichzeitige Fehlen anderer Frequenzen den Schall zu Lärm und damit zu einer Belastung werden lässt. Ebenso fühlen sich mehr ältere Menschen und eher Frauen von tieffrequentem Schall gestört.

 

Ausbreitung von Schallwellen an einem Hindernis

Aber was ist nun wirklich dran an den Klagen und dem Zusammenhang mit überproportional vertretenen Frequenzanteilen in einem Geräusch? Immerhin berichten die Betroffenen über Symptome wie Frustration, Nervosität, Einschlafstörungen, Müdigkeit, Angst, Druck in Ohren und Körper sowie Kopfschmerz. Untersuchungen an der Bergischen Universität in Wuppertal haben diesbezüglich ergeben, dass die Verteilung und Gewichtung von Frequenzen sehr wohl Einfluss auf die Bewertung eines Geräusches hat. In einem Hörtest wurden dort tieffrequente Stimuli mit steilen Flanken zu höheren Frequenzen von Probanden als eher belastend bewertet als Geräusche mit flachen Flanken, also höherem Anteil an mittleren und hohen Frequenzen.

Doch falls an dieser Hypothese was dran sein sollte, würde das bedeuten, dass leiser nicht immer besser sein muss. Lärmschutz bzw. Schallschutz kann sich in solchen Fällen also auch kontraproduktiv auswirken. Es bleibt also abzuwarten, welche Wege Forschung und Entwicklung auf diesem interessanten Gebiet der Bauphysik noch gehen werden.


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53 Kommentare

  1. Micha Sch. sagt:

    Hallo an alle Schallgeplagten,
    Ich wohne seit 1998 in meiner DHH und seit März/April diesen Jahres nehme ich im gesamten Haus (vom Keller bis DG) und auch im Nachbar-Doppelhaus ein tieffrequentes pulsierendes Geräusch (änhlich einem tuckernden Motor im Leergang mit sporadischen kurzen Aussetzern) wahr, nicht nur in der Nacht, wenn es ruhig ist, sondern auch am Tage.
    Tagsüber spürt man dann aber eher einen Druck in den Ohren und im Brustbereich, der ein Unwohlseins-Gefühl auslöst.
    Ab und zu ist dieses Geräusch auch mal komplett weg (wenn auch selten) und ich habe den Eindruck, dass das auch wetterabhängig ist, wie stark man das Geräusch aufnimmt – also vor allem, wenn es kalt und klar ist.
    Ich nehme an, dass das mit einem runden Swimmingpool zusammenhängt, der im März/April auf dem Nachbargrundstück in ca. 25m Abstand errichtet und auch einbetoniert wurde. Dummerweise aber an der Grundstücksgrenze zum nächsten Nachbarn mit einer hohen Hecke, hinter der dort eine 8 Jahre alte Luft-Wasser-Wärmepumpe steht, die genau in diese Richtung des Pools zeigt. Diese Wärmepumpe-Außeneinheit ist nicht schall- oder vibrationsentkoppelt und steht nur angeschraubt auf 2 ca. 50cm hohen Betonstützen auf einem Betonfundament. Lt. Aussage des Nachbarn ist diese auch noch nie gewartet worden und den Ventilator kann man manchmal auch schon mit bloßem Ohr wahrnehmen.
    Könnte es nun sein, dass das Bodenfundament diese Schwingungen aufnimmt, an das Fundament des Pools weiterreicht und ich das über de Keller „bekomme“ – oder aber der tieffrequente Anteil des Ventilator als Schall auf die Poolwand trifft und diese als „große Tröte“ funktioniert und ich den Schall durch die Fenster bekomme?
    Auch die Wärmepumpe selbst ist nicht mehr als 20-25mm entfernt.
    Es wäre schön, wenn ich dazu mal Eure Meinung hören könnte.
    Herzlichen Dank und schöne Grüße
    Micha

  2. Stefan sagt:

    Es ist aus der Entfernung natürlich schwer zu sagen, ob die Wärmepumpe zusammen mit dem neuen Pool das alleinige Problem darstellt. Es ist unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Ich würde es doch eher für möglich halten, dass die Pumpen des Pools die Ursache für ihre Beschwerden sind. Auch wenn diese normalerweise nicht 24/7 laufen. Haben Sie diese Möglichkeit schon Untersucht?

  3. Micha Sch. sagt:

    Dankeschön für den Kommentar, die Umwälz- bzw. Filterpumpe für den Pool läuft seit Ende September schon icht mehr. Als sie noch lief, hatte ich ihre Schwingungen schon so im Haus wahrgenommen. Die steht momentan unverhaust hinter einem Holz-Gartenschuppen auf einer Plaste-Unterlage, welche auf dem Sandboden liegt.
    Da werde ich wohl nochmal mit dem neuen Nachbarn sprechen müssen, dass er da einen stabileren Untergrund schafft.
    Ich hatte extra solange bis zum Sommerende gewartet, um die möglichen Quellen des Schalles zu minimieren. Leider war es die Poolpumpe nicht.

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