Wärmepumpen und Schallschutz

Luft-Luftwärmepumpe SplitgerätDer Bundesverband Wärmepumpe e.V. hat einen Leitfaden zur Verringerung von Schallbelastungen aus Wärmepumpen veröffentlicht. Ein nicht ganz unwesentlicher Beitrag, wenn man bedenkt, dass Wärmepumpen an der Wärmeversorgung von Gebäuden heute schon einen Anteil von etwa 10% haben. Doch Wärmepumpen können sowohl bei einer Aufstellung in Gebäuden als auch an der frischen Luft Schallemissionen erzeugen, die es nach vorherrschenden Standards zu begrenzen gilt. Planung und fachgerechte Ausführung sind dabei das A und O.

Der Bundesverband Wärmepumpe spricht daher in seinem Leitfaden zusammenfassend folgende 10 Empfehlungen aus:
  • Der zulässige Immissionsrichtwert (in dB(A)) unterscheidet sich je nach Gebietsart. Die Einstufung der Gebietsart ist bei der zuständigen Baubehörde zu erfragen. Für die Planung sind in der Regel die Nachtwerte anzusetzen.
  • Die Herstellerangaben sind bei der Auswahl des Aufstellortes mit zu berücksichtigen.
  • Eine Verdopplung des Pegels, z. B. durch eine zweite Schallquelle gleicher Schallabstrahlung, entspricht einer Erhöhung um 3 dB. Für das durchschnittliche menschliche Gehör ist eine Erhöhung um 10 dB notwendig, damit ein Geräusch als doppelt so laut empfunden wird.
  • Der gemessene Schalldruckpegel ist immer abhängig von der Entfernung zur Schallquelle.
  • Der Schallleistungspegel ist eine schallquellenspezifische, abstands- und richtungsunabhängige Größe, die nur rechnerisch ermittelt werden kann.
  • Schallabsorbierende Umgebungsflächen sollten bevorzugt werden. So ist beispielsweise eine Aufstellung auf einer Rasenfläche einem Standort auf einer geschlossenen Betonfläche vorzuziehen.
  • Mit einer Verdopplung der Distanz zur Schallquelle reduziert sich der Schalldruckpegel um jeweils 6 dB(A).
  • Um Schwingungen und Geräusche im Gebäude zu minimieren, sind Wärmepumpen möglichst gut vom Baukörper zu entkoppeln.
  • Außen aufgestellte Wärmepumpen (auch Split-Verdampfer) sind so zu installieren, dass der Luftstrom an keiner Seite behindert wird, da dies zu einem höheren Betriebsgeräusch führt und die Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst.
  • Grundsätzlich ist bei dem Anschluss der Wärmepumpe an Rohr- und Elektroleitungen auf eine schalltechnische Entkopplung zur Hausinstallation zu achten.

Der Leitfaden kann direkt bei Bundesverband Wärmepumpe in seinem vollen Wortlaut heruntergeladen werden: Leitfaden Schall


Zurück zur Startseite >>>

7 Kommentare

  1. Johannes sagt:

    Hast du noch naehere Informationen dazu ?

  2. Stefan sagt:

    Hi Johannes,
    ich habe selber leider einige leidige Erfahrungen mit WPs innerhalb von Gebäuden gemacht. Allerdings sind die nicht niedergeschrieben und waren zumeist geringer Erfahrung geschuldet 😉 Aber ich finde den Leitfaden vom Bundesverband generell mal nicht so schlecht. In welcher Richtung suchst du denn nach Infos?
    Gruß, Stefan

  3. Simon_G sagt:

    Der Leitfaden ist, salopp gesagt, eine Frechheit. Die Hauptproblematik, nämlich den niederfrequenten Schall bis hin zu Schall im IS Bereich, wird vollkommen ausgeblendet. Die Physik wird idealtypisch angenommen und Themen wie Summenwirkung mehrerer Anlagen bleiben AFAIK aussen vor.

    Da hilft aber der Leitfaden des Bayrischen Umweltministeriums weiter. Der ist vorbildlich aufgebaut und redet (meist) Klartext:
    http://www.lfu.bayern.de/laerm/luftwaermepumpen/index.htm

    Schön ist der lösungsorientierte Ansatz: viele Beispiele zu do’s und einige zu den don’ts. Auch konstruktive Mängel verbreiteter Anlagentypen werden benannt: Prüft man daraufhin mal die „Daikons“, „Somsongs“, „Sonyos“ und „Mitsubushis“, so fällt auf, dass die vor schallschutztechnischen Mängeln oft nur so strotzen.

  4. Stefan sagt:

    Stimmt, der Leitfaden ist wirklich gut. Als Frechheit würde ich den anderen Leitfaden allerdings nicht bezeichnen. Er ist für den Einstieg zufriedenstellend geeignet und hat natürlich Schwächen, wenn es um die Tiefe geht. Aber wie gesagt: wenn Geschädigte Hilfe suchen, dann ist das Dokument vom Bayrischen Umweltministerium die besser Alternative.

  5. Simon_G sagt:

    Naja, das ist eigentlich mein Punkt: Die Geschädigten müssten nach gar nix suchen, wenn man endlich mal das Thema LFN (low frequency noise) und Infraschall als des große Problem der LWPs benennen würde. Die Fakten sind dokumentiert, neue Forschung zur besonderen Wirkung niederfrequenten Lärms (auch aus Deutschland) liegt vor. Aber den Behörden fehlen nach eingenen Angaben die Gesetze um handeln zu können und die Rechtsprechung traut sich nicht, bestehende Richtlinien auszuschöpfen. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

    Einzelne Behörden aber auch der ein- oder andere Hersteller geben im privaten Gespräch offen zu, dass es da ein Riesenproblem aber auch eine massiven Reglungsbedarf gibt, da einige schwarze Schafe eine an sich sinnvolle Technologie in Verruf bringen. Das fängt damit an, dass ein ungedämmter Altbau nicht mit einer 15KW-Anlage kombiniert werden kann. Das ist technischer und ökonomischer Schwachsinn. Trotzdem ist das gang und gäbe, weil profitabel.

    Ein Vertreter eines Herstellers meinte auf einer Messe: „Einige unserer Wettbewerber sollten ein schlechtes Gewissen haben – die konstruieren schlecht“. Im Grunde das, was der Leitfaden des Bayr. Umweltministeriums bestätigt.

    Aber „niederfrequenter Schall geringer Pegel“ darf bei uns kein Problem darstellen, da das ja das Bild des grünglücklichen Windrädchendeutschlands trüben würde. Und wer hat die Neufassung der der DIN 45680 verhindert, die den Bürgern 5dB besseren Schutz gegen niederfrequenten Schall bieten würde? Unter anderem die Bahn AG – man hat keine Lust in Schallschutz zu investieren, Investoren mögen lieber Rendite… wer hat sich Ende letzten Jahres als einziger Minister bei der Umweltministerkonferenz der Länder GEGEN einheitliche Länderrichtlinen zur Schallemmission von LWP und Klimageräten ausgesprochen? Johannes Remmel, Umweltminister von NRW, dem Bundesland also in dem überproportional viele Wärmepumpenhersteller ansässig sind…

    Das erfüllt einen nicht wiklich mit der Zuversicht, dass wir Europas Umweltproblem Nr.1, den Lärm, demnächst in den Griff bekommen werden.

    Wie textet „Daikon“ so schön? Heizen mit Luft und Liebe – wohl eher mit Luft und Lärm…

  6. Marcus sagt:

    Wisst Ihr ob man den tieffrequenten Lärm und Infraschall mit einem günstigen Gerät messen kann? Ich habe mal bei http://www.schallpegel-messgerät.de geschaut, bin aber nicht sicher, ob so eines dafür geeignet ist.

  7. Stefan sagt:

    Hallo Marcus,

    die Frage wäre dann: Was ist günstig 😉

    Auf der Seite, die du verlinkt hast, gibt es 3 Geräte mit Preisen zwischen 29 und 131 Euro. Bei allen Geräten die nicht vom Fachhändler kommen, sollte man dazu sagen, dass deren Messgenauigkeit stark begrenzt ist und nur als Anhaltspunkt angesehen werden kann.

    Das ganz günstige von Trotec brauchst du dir für tieffrequenten Schall nicht kaufen, da dieser unter 100 Hz zu messen ist, das Gerät aber erst bei 1000 Hz anfängt zu messen. Außerdem kann man bei der angegebenen Genauigkeit auch nur konstatieren, ob da Schall ist oder nicht.

    Das Gerät von PCE für 131 Euro misst Frequenzen bis hinunter zu 31,5 Hz. Das reicht für tieffrequenten Schall aber nicht für Infraschall, der erst bei 20 Hz beginnt. Da ist die Frage, was du wirklich brauchst.

    Dann gibt es bei Amazon aber noch einen digitalen Schallpegelmesser für 38 Euro, den ich zwar nicht kenne, aber dessen Produktinfos für den tieffrequenten Bereich ähnlich dem von PCE sind.

    Weitere ähnlich günstige/billige Geräte, die zwar messen können, das aber nur begrenzt genau:
    Schallpegel-Messgerät von Pollin
    Schallpegel Messgerät von ELV
    Schallpegel-Messgerät von McCheck

    Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.
    Schönes Wochenende noch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*