Was ist Radon?

… und ist Radon im Haus wirklich gesundheitsschädlich? Jedes Mal, wenn das Thema Radon im Bereich des Bauwesens angesprochen wird, kommt die Frage auf, wie gefährlich Radon im Innenbereich von Gebäuden nun wirklich ist. Sind es nicht nur Minenarbeiter, die aufgrund hoher Radonkonzentrationen an ihrem Arbeitsplatz unter Tage vermehrt Lungenkrebs entwickeln? Früher sicherlich schon, doch zeigen groß angelegte epidemiologische Untersuchungen, dass sich dies in vielen Ländern zu ändern scheint.

Diese Untersuchungen haben in Europa, in Nordamerika und in China den eindeutigen Beweis dafür erbracht, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Menge Radon in Gebäuden und der Anzahl von Fällen von Lungenkrebs gibt. Dies bestätigt auch die WHO in ihrem letzten Handbuch über Radon.

Auch wenn der Name „Radon“ auf Radioaktivität hindeutet, handelt es sich dabei nicht um eine Strahlung, sondern vielmehr um ein Gas. Dieses ist sowohl farblos als auch geschmacks- sowie geruchslos und daher ohne Messinstrumente unmöglich zu erkennen. Radon entsteht durch den Zerfall von Radium-226 in der Erde, meist in Gegenden mit hohem Gesteinsvorkommen und erhöhter Urankonzentration. In Deutschlands Süden – speziell im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge und im Erzgebirge – ist dabei eine höhere Konzentration messbar als im Norden. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Übersicht über den Radongehalt im Boden veröffentlicht. Abhängig von den Bodenverhältnissen gelangt mehr oder weniger Radon aus der Erde nach oben. In Gegenden, wo Radon im Boden produziert wird und wo Gebäude stehen, kann Radon durch undichte Bodenplatten in die Gebäude eindringen.

Radon, das also überall in der Natur vorkommt, wird zu einer Reihe radioaktiver Isotope, unter anderem Polonium-218. Das bindet sich an feste Oberflächen, zum Beispiel von Staub oder anderen Aerosolen, und wird auf diesem Weg in die Lungen der Bewohner des Gebäudes transportiert, wo wiederum andere radioaktive Isotope entstehen. Bei diesem Vorgang wird kurzwellige Alphastrahlung freigesetzt, die die Zellen schädigen und damit zu Krebs führen kann.

In einem Großteil der Fälle, bei denen Lungenkrebs aufgrund einer erhöhten Radonbelastung im Innenraum festgestellt wird, sind oder waren die Bewohner Raucher. Es gibt jedoch auch Opfer, die noch nie geraucht haben. Und es konnte bisher kein unterer Grenzwert für die Belastung durch Radon festgelegt werden, worunter kein Risiko für Lungenkrebs vorhanden ist. 90% der Opfer von Lungenkrebs sterben innerhalb von 5 Jahren nach Ausbruch der Krankheit. In Deutschland wird die Zahl der Lungenkrebsopfer aufgrund von Radonbelastung mit 1900 angegeben.

Durch die Untersuchungen konnte auch herausgefunden werden, dass sich das Risiko für Lungenkrebs jedes Mal um 10% erhöht, wenn die Konzentration von Radon im Innenraum um 100 Bq/m³ (Becquerel pro Kubikmeter) steigt. Geht man also von einem Basisrisiko für die Entstehung von Lungenkrebs von 10% aus, wird das Risiko auf 11% steigen, wenn im Haus eine Radonkonzentration von 100 Bq/m³ (hier liegt im Übrigen auch die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von Radonkonzentrationen in der Raumluft) vorliegt. Des weiteren wollen Forschern einer Studie auch einen Zusammenhang zwischen Radon in Gebäuden und akuter lymphatischer Leukämie bei Kindern hergestellt haben. Dieser muss jedoch nach eigener Aussage noch verifiziert werden.

Warum aber ist die Belastung von Radon in Gebäuden – wie Eingangs erwähnt – erst in letzter Zeit zu einem Problem geworden? Dies liegt an bautechnischen Forderungen bezüglich der Luftdichtheit von Gebäuden. Früher konnten Staub und Aerosole, die mit Radonisotopen belastet waren, in ausreichender Menge durch natürliche Lüftung aus der Raumluft entfernt werden. Heute geschieht dies nicht mehr „automatisch“, solange man keine Lüftungsanlage benutzt. Durch den verringerten Luftaustausch erhöht sich die Konzentration von Radon immer mehr, bis hiervon eine erhöhte Gesundheitsgefahr ausgeht.

Das Bundesministerium für Umwelt hat einem Merkblatt bauliche Maßnahmen zur Senkung gefährlicher Kozentrationen in Abhängigkeit der Radonbelastung definiert:
  • bis 100 Bq/m³ müssen keine baulichen Maßnahmen durchgeführt werden
  • bei 100 bis 400 Bq/m³ sollte die Konzentration zum Beispiel Lüften gesenkt werden
  • bei 400 bis 1000 Bq/m³ sind bauliche Maßnahmen wie Abdichtungen einzuplanen
  • über 1000 Bq/m³ sollte ein Fachmann mit einer Sanierung beauftragt werden

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