Baumärkte und ihre Preise

Wand mit Werkzeugen in einem Baumarkt BaustoffhändlerIch will mit diesem Beitrag nun keine Diskussion darüber anfachen, in wie weit ein Rabatt von 20% auf alles (außer Tiernahrung) für den ‚Geiz ist geil‘- und ‚Ich bin doch nicht blöd‘-geprägten Kunden als ausreichender Anreiz angesehen wird, in einem bestimmten Baumarkt einzukaufen oder auch nicht. Denn dafür ist es im insolventen Beispiel ‚Praktiker‘ ja mittlerweile sowieso zu spät. Billig ist nicht einfach besser, es ist oft einfach nur billiger. Und genau da muss man im Bereich der Baumärkte auch ansetzen: bei der Qualität und beim Service. Denn wer nur auf den Preis setzt, der hat den (Bau-)Markt nicht verstanden.

Lassen wir dem Deutschen das Auto als sein liebstes Kind, so ist das Heimwerken doch des Deutschen (Mannes) liebster Zeitvertreib. Dieser wird aber nicht einfach nur so betrieben, er wird als Selbstbestätigung gesehen. Do-it-yourself – oder Heimwerken auf Neu-Deutsch – ist mehr noch die Anerkennung der eigenen Leistung, egal ob es sich dabei das positive Empfinden bei der korrekten Installation einer neuen Deckenlampe oder nach der angeschlossenen Errichtung eines Anbaus handelt.

Natürlich darf ein Baumarkt günstige Preise versprechen. Viele Kunden wären sicherlich froh, wenn sie Zugriff auf eine Übersicht über Baumarkt Prospekte hätten. Aber der Baumarkt muss dem häufig unerfahrenen Kunden auch über die entsprechende und vermeintlich preiswerte Ware hinaus das Gefühl vermitteln können, dass er – der Kunde – hier Antworten auf seine Fragen bekommt. Kundenservice und das Empfinden des Kunden, in einem Baumarkt verstanden zu werden, sind also im Sinne einer langfristigen Kundenbindung nicht zu verachten.

Es ist in diesem Zusammenhang auch egal, ob es sich um eine (inter-)nationale Baumarktkette wie OBI (dem unangefochtenen Marktführer in Deutschland), Praktiker, Hornbach oder Bauhaus handelt, oder um regionale Marken wie Max Bahr (gehörte übrigens auch zu Praktiker) oder Hellweg oder um einen lokalen Baustoffhändler.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Baumarkt ihres Vertrauens, aber es gibt keinen Verkäufer, der Ihnen sagen kann, ob nun das Sägeblatt XY oder der Rasendünger YX besser für geeignet sind als die Konkurrenzprodukte. Dann kauft man dieses eine Mal das preiswerteste Produkt. Man kann es ja mal versuchen, ist ja günstig. Aber wehe, wenn dieses Produkt nicht geholfen oder nach kurzer Nutzung den Geist aufgegeben hat. Dann wird man es bestimmt nicht wieder kaufen und auch die Chancen, dass der Baumarkt des Vertrauens Sie wegen der mangelhaften aber notwendigen Beratung wieder sieht, sind stark geschrumpft.

Wenn ich hier einen Rat aus eigener (bitterer) Erfahrung abgeben darf: Wer sich Werkzeuge oder Baustoffe, die einmalig intensiv oder wenigstens mehr als nur zweimal genutzt werden sollen, zu günstigen Preisen kauft, wirft sein Geld zum Fenster hinaus. Hier kommt der Schaden hinterher teurer als die Anschaffung. Man sollte daher bei Baumarktwerbeversprechen nicht nur auf den Preis achten, sondern in erster Linie auf die Qualität des Produktes und kurz danach auf die Anwendung und ihre Wichtigkeit.

Die Baumarktkette OBI hat übrigens aus der Insolvenzmasse von Praktiker den Slogan ‚20% auf alles, außer Tiernahrung‘ für 20% Rabatt gekauft. Mal sehen, ob wir diese Worte in Zukunft noch einmal hören werden…

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