Aufdopplung von Wärmedämmverbundsystemen

Der Aufbau von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) sollte mittlerweile bekannt sein. Eine Dämmschicht wird mit Hilfe eines Klebemörtels und/oder mechanischer Befestigung auf einer vorhandenen Außenwand appliziert. Geschützt wird diese Dämmschicht dann durch ein Putzsystem, das aus armiertem Grundputz und einem optisch ansprechendem Deckputz besteht. Dieses System hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland für die Dämmung von Außenwänden durchgesetzt. So weit, so gut. Doch die Anforderungen an den Wärmeschutz sind in dieser Zeit gestiegen und was macht man, wenn man ein älteres System mit unzureichender Dämmschichtdicke sanieren will bzw. muss? Der Rückbau von WDVS ist nicht unmöglich, aber er ist beschwerlich und kostspielig. Eine Alternative ist die sogenannte Aufdopplung des WDVS.

Das erste Mal, dass ein Wärmedämmverbundsystem an einem Bauwerk eingesetzt wurde, war 1957 in Berlin, also vor mittlerweile 60 Jahren. In den ersten Jahrzehnten nach der ‚Erfindung‘ des WDVS gab es allerdings noch keine ernst zu nehmenden Energieeinsparanforderungen für Gebäude. Darum waren die eingesetzten Dämmschichtdicken auf wenige Zentimeter, irgendwo zwischen 2 und 5 cm, begrenzt. Ein Anfang, nicht mehr. Nach der Energiekrise Ende der 70er Jahre ging es dann recht schnell und sowohl die Dicke der Dämmung als auch die verarbeiteten Quadratmeter stiegen.

Heute werden WDVS jährlich auf ca. 40 Millionen Quadratmetern Außenwand als Wärmedämmung eingesetzt, wenn die Zahlen des ehemaligen Fachverbandes WDVS korrekt sind. Nur waren aber auch vor 30 Jahren schon mehrere zig-Millionen Quadratmeter verbaut, deren energetische Qualität heute natürlich nicht mehr standesgemäß ist. Da ein WDVS und dessen Putz nicht ewig hält und diese Projekte in die Jahre kommen, muss man sich Gedanken über Möglichkeiten der Verbesserung machen.

Heute werden vom Fachverband WDVS Dämmschichtdicken von 300 mm empfohlen. Wie aber erhöht man die Dicke einer 30 Jahre alten Dämmschicht von vielleicht 10 cm auf 30 cm? Ein Rückbau der vorhandenen Dämmung muss dabei nicht die beste Lösung sein. Aufdopplung ist eine Alternative.

Aufdopplung bedeutet, dass man ein neues WDVS auf der Putzschicht des vorhanden WDVS appliziert. Die Dämmung des Neusystems ist dabei wenigstens anteilig (40 %) auf dem Altsystem zu verkleben, um Eigenlasten übertragen zu können. Darüber hinaus muss das Neusystem für die Aufnahme von Windlasten mit bauaufsichtlich zugelassenen Dübeln durch beide Dämmschichten hindurch bis in den tragenden Wandbaustoff verankert werden. Die Anzahl der notwendigen Dübel wird von Neusystem vorgegeben, Dübel im Altsystem bleiben unberücksichtigt. Die Montage der aufdoppelnden Schichten weicht dabei nur sehr geringfügig von der Montage normaler WDVS ab. Man sollte nur darauf achten, dass man die Dämmplatten des neuen Systems versetzt über denen des alten Systems anbringt, um Risse oder Abzeichnungen zu vermeiden.

Grundsätzlich können alle bauaufsichtlich zugelassenen WDVS aufgedoppelt werden, einschließlich anbetonierter Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL), die als verlorene Schalung verwendet werden. Ausnahmen stellen vorhandene Systeme mit mechanischer Befestigung (Schienensystem) oder mit Dämmstoffen außer EPS oder Mineralwolle dar.

Wichtig bei der Planung einer Aufdopplung ist natürlich eine Untersuchung des bestehenden Systems. Dieses Altsystem muss schließlich alle Schubkräfte aus Eigengewicht beider Systemlagen in den Baugrund übertragen können. Die Tragfähigkeit des Altsystems muss also genau kontrolliert werden. Dies geschieht in der Regel durch Öffnen des bestehenden Systems, durch Begutachtung möglicher Risse und Abplatzungen sowie den Ursachen davon und gegebenenfalls durch Haftzugprüfungen. Unzureichende Altsysteme können beispielsweise durch zusätzliche Dübel in der ersten Dämmlage, durch Entfernen des Altputzes oder durch Austausch von schadhaften Dämmplatten verbessert werden.

Ist eine Aufdopplung möglich, gelten hierfür ähnlich Restriktionen wie für eine Erstapplikation eines WDVS. Diese beziehen sich unter anderem auf geometrische und baurechtliche Aspekte, wie z.B. Breite von Dachüberständen oder Abstand zu Nachbargrundstücken sowie deren Bebauung. Darüber hinaus sind natürlich auch energetische und andere bautechnische Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Bei einer Aufdopplung muss natürlich nicht der ursprüngliche Dämmstoff verwendet werden. Dann ist allerdings darauf zu achten, dass beim Überschreiten einer Dämmstoffdicke von 100 mm EPS-Hartschaum zusätzliche Brandschutzmaßnahmen zum Erhalt der Schwerentflammbarkeit des Gesamtsystems ausgeführt werden müssen. Werden Brandriegel oder Sturzschutz nicht ausgeführt, ist das Brandverhalten des Gesamtsystems mit mehr als 100 mm EPS im eingebauten Zustand nur als normal entflammbar anzusehen.

Einer Studie vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) zufolge ist die Ausführung von aufgedoppelten WDVS gleichbedeutend mit Abfallvermeidung, da der bestehende Materialverbund nicht rückgebaut und entsorgt werden muss. Zudem kann die Nutzungsdauer des WDVS durch Aufdopplung auf einen Zeitraum von 40 bis 120 Jahren ausgedehnt werden.

Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass eine Aufdopplung einen späteren Rückbau nicht verhindert. Rückbau und Entsorgung von aufgedoppelten WDVS sind am Ende der Nutzungsdauer noch aufwändiger sind als bei einfachen WDVS. Daher empfiehlt es sich, dass man bei der Planung einer Aufdopplung zukunftssicher denkt und entsprechende Dämmstoffdicken für eine ausreichende energetische Qualität des System wählt.

Dabei ist dann zu beachten, dass die Gesamtdicke der Dämmstoffschichten 200 mm nicht überschreiten darf. Ausgenommen davon sind Systeme mit Dämmstoff nur aus EPS (Alt- und Neusystem) und Neusysteme mit EPS auf HWL-Platten. Für diese ist eine maximale Gesamtdämmstoffdicke von 400 mm zulässig. Bei Gesamtdämmstoffdicken von mehr als 300 mm ist das System jedoch nur noch als normal entflammbar eingestuft.

Wer mehr über das Thema Aufdopplung wissen möchte, sei ein Forschungsbericht vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) mit dem Titel ‚Nachdämmung (»Aufdoppelung«) alter Wärmedämmverbundsysteme an Wohngebäuden‘ ans Herz gelegt. Hier geht es zum Download.

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