Das Haus, das atmet…

Das atmende HausDas atmende Haus… eine phantastische Überschrift, auf die ich letztens in einem Artikel in einer Zeitschrift gestoßen bin. Wie das gehen soll? Keine Ahnung, soweit ich weiß, haben Häuser in der Regel keine Lunge. Im Artikel wurde dann jedoch schnell klar, worum es wirklich ging. Es geht um die Entwicklung eines energieeffizienten Wohnhauses, dass ohne mechanische Ventilation auskommt. Das widerspricht so ziemlich allen gängigen Paradigmen, die für ein gesundes Innenklima den notwendigen Luftwechsel über eine ebensolche mechanisch arbeitende Ventilationsanlage vorsehen.

Um ein gesundes Innenklima erreichen zu können, ist für Wohngebäude mit luftdichter Gebäudehülle sogar eine gewisse Luftwechselrate vorgeschrieben. Das und die Forderung nach einem niedrigen Energieverbrauch lässt eigentlich kaum Möglichkeiten, eine mechanische Ventilation zu umgehen. Oder doch?

Das „atmungsfähige Haus„, wie das 144 m² große Gebäude korrekt bezeichnet wird, soll dies und mögliche Wege dorthin nun aufzeigen. Man will gerne an geltenden Bauvorschriften rütteln. Hierzu legt man in erster Linie großen Wert auf Baumaterialien, die Feuchtigkeit speichern bzw. ohne großen Widerstand weiterleiten können. Feuchteschäden sollen auf diese Weise vermieden werden können, obwohl das Haus luftdicht ist.

Der Gedankengang bei der Planung des Hauses ist recht simpel und will eine unsinnige Entwicklung stoppen: Die Energiekrise in den 70er Jahren hat dazu geführt, dass Häuser mehr und mehr gedämmt wurden. Zum Schutz des Dämmstoffes vor Feuchtigkeit wurden Dampfsperren eingesetzt, durch die ein Austausch der Raumluft allerdings größtenteils unterbunden wurde. Lüftungsanlagen mussten her. Damit nicht zu viel Wärmeenergie ungenutzt in die Umwelt gelangt, wurden diese mit Wärmerückgewinnung ausgestattet, die wiederum Energie verbrauchen und gewartet werden müssen, um die Innenluft sauber zu halten. Nun ja, für mein Verständnis ist das ein wenig zu simpel gedacht, aber ok…

Hinzu kommt, dass die Baustoffe zur Schonung von Umwelt und Ressourcen nachhaltig sein und der Raumluft keine Schadstoffe zuführen sollen. Das Dach und Teile der Außenwände sind so beispielsweise mit einer Art Elefantengras (Miscanthus) gedeckt. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm, der ebenso wie ein Gebäudekern aus Lehmziegeln als nachhaltig angesehen werden und das Feuchtemanagement im Haus unterstützt. Die Bodenplatte ist mit Schaumglasgranulat gedämmt, dass aus Glasabfall hergestellt wird. Die Außenwände werden auf ihrer Außenseite durch Thermoesche begrenzt, innen durch Gipskartonplatten. Dazwischen befinden sich 410 mm Holzständer mit gedämmten Gefachen. Das Holz der Fensterrahmen ist nicht imprägniert, wurde aber aus langsam wachsender Fichte aus Lappland gefertigt (100-150 Jahre alt… wirklich nachhaltig, wenn man damit in Serienproduktion gehen sollte) und dreifach mit Leinöl gestrichen. Als Dämmstoffe wurden Zellulose, Flachs, Hanf und Baumwolle verwendet. Auf Dampfsperren oder -bremsen wird gänzlich verzichtet.

Liest man die Projektbeschreibung ein wenig genauer, geht es auch nicht mehr unbedingt darum, dass eine Ventilationsanlage vermieden wird, sondern eher darum, dass man diese so klein wie möglich dimensionieren kann. Nur im Idealfall kommt das Haus ohne mechanische Ventilation aus. Das man erst einmal vorsichtig ist und im Gebäudekern aus Lehmziegeln einen Ventilationsschacht vorsieht, der rein konvektiv betrieben wird, hilft auf jeden Fall bei der Lüftung von feuchtebelasteten Räumen wie Küche und Bad.

Das Haus ist mittlerweile in der dänischen Stadt Ringsted gebaut und ist in seinem ersten „Lebensjahr“ unbewohnt, damit man Referenzwerte sammeln kann. Ab dem nächsten Jahr soll dann der bewohnte Zustand analysiert und mit den Referenzwerten verglichen werden. Wie erfolgreich das Konzept ist, wird sich dann zeigen. Immerhin wird das Projekt mit ca. 565.000 € von öffentlichen und privaten Investoren unterstützt. Wenn ich in näherer Zukunft auf weitere Berichte von diesem Projekt stoßen sollte, werde ich darüber berichten…

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2 Kommentare

  1. Stefan Sikora sagt:

    Die Frage die sich aufdrängt ist doch ob man „so“ das Rad wirklich neu erfindet oder ….man irgendwie wie die Römer vor 2000 Jahren baut. D.h man Wärme verteilt, Infrastruktur, Handel, aufbaut. Und feststellt, das alles war schon alles einmal da ! Neue Materialien müsten also grundsätzlich auf den Nachhaltigkeitseffekten beurteilt werden und mit welchem Energie Aufwand Sie erstellt worden sind.

  2. Systemmensch sagt:

    Das klingt auf jeden Fall interessant. Da lässt sich durch das „Atmen“ sicherlich auf Fan Coils verzichten oder wie sieht das im Sommer aus?

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