Holz ist nicht mehr gefährdet, es wird gebraucht

Kirche aus Holz KonstruktionHolz ist ein toller Baustoff. Natürlich, warm, leicht zu verarbeiten. Es gibt wirklich viele Vorteile. Holz hat nur leider auch zwei gravierende Nachteile, wenn man es zum Bauen verwenden möchte: es brennt und es verrottet. Sieht man den ersten Fall als kurzfristig und selten eintretend an, so geht es im Falle der Verrottung von Holz um einen relativ langfristigen Prozess, der leider nicht so selten ist. Will man diesem schleichenden Verfall Einhalt gebieten, muss man zu baukonstruktiven Maßnahmen greifen oder – wenn denn sonst nichts mehr hilft – auch manchmal die chemische Keule auspacken.

Wichtige Unterstützung für die Erstellung fehlerfreier Konstruktionen in Holzbauweise gibt DIN 68800, insbesondere Teil 2 dieser Norm, in dem es um vorbeugenden baulichen Holzschutz geht. Die Norm befindet sich zur Zeit noch in Überarbeitung, soll aber voraussichtlich Anfang 2011 in ihrer endgültigen Fassung erscheinen. Eine der wichtigen formalen Änderungen, die sich aus der Einführung der neuen DIN 68800 ergeben wird, ist die Umbenennung von in Deutschland bisher gebräuchlichen Gefährdungsklassen in europäische Gebrauchsklassen (englisch: use classes). Ziel für die Errichtung langlebiger Holzbauwerke bleibt aber nach wie vor die „GK 0“, in der tragende Holzbauteile ohne chemischen Holzschutz eingesetzt werden können. Auch die bislang üblichen Holzwerkstoffklassen 20, 100 und 100 G wird es in der neuen Norm nicht mehr geben.

Für die Einstufung in die neue Gebrauchsklasse 0 wird weiterhin gefordert, dass Holz allseitig abgedeckt und kontrollierbar ist oder sich – und das ist neu – in Räumen mit üblichem Wohnklima befindet. Wie auch in der alten Ausgabe der Norm von 1996 werden in der neuen Ausgabe einige Konstruktionsbeispiele enthalten sein, deren Aufbau die Gebrauchsklasse 0 sicher stellt. Neu aufgenommen sind Regelaufbauten für Kriechkeller und Decken unter Außenluft (nicht beheizten Dachgeschossen). Darüber hinaus werden Anforderungen an die Diffusionsoffenheit von Schalungen und Beplankungen in Holzkonstruktionen gestellt. So müssen beispielsweise Fußböden einen Wasserdampf-Diffusionswiderstand – also einen sd-Wert – von weniger als 2,0 m aufweisen. Interessant klingt auch die Möglichkeit, dass für Sockel nun eine Spritzwasserschutzhöhe von maximal 5 cm möglich gemacht wird, wenn Abdichtungen nach DIN 18195 mindestens 15 cm über die Geländehöhe hinaus gezogen werden.

Als weitere Neuerung dürfen als Wärmedämmstoffe in einigen der angegebenen Regelkonstruktionen nun neben Mineralwolle explizit auch Holzfaserprodukte eingesetzt werden, wenn diese nach DIN EN 13171 zugelassen sind. Dies gilt für Gefachdämmungen von Außenwänden in Holztafelbauweise sowie Dach- und Deckenkonstruktionen (auch über Kriechkellern), aber auch für wasserabweisende Holzfaserplatten, druckfeste Aufsparrendämmung und Wärmedämmverbundsysteme (WDVS).


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