Saubere Energie

Kamele mit Solarzelle auf dem Rücken„Clean Energy“ ist in den letzten Tagen zu einem Schlagwort mit globaler Reichweite aufgestiegen. Spätestens seitdem auf der COP21 – also der UN-Klimakonferenz in Paris, gleichzeitig das 11. Folgetreffen zum Kyoto-Protokoll – Größen des Geschäftslebens wie Mark Zuckerberg (Facebook), Jeff Bezos (Amazon), Richard Branson (Virgin), Jack Ma (Alibaba), Hasso Plattner (SAP), Meg Whitman (Hewlett Packard) oder Bill Gates (ex-Mircosoft) ihre Initiative „Breakthrough Energy Coalition“ der breiten Öffentlichkeit vorgestellt haben. Ihr Credo: Solarzellen und Windkraftanlagen waren gestern, das Morgen braucht Alternativen.

Werbeträchtige Publicity im Rahmen einer global beachteten Veranstaltung? Ja, vielleicht. Doch im gleichen Atemzug macht es mehr als Sinn, dass sich visionäre, private Investoren mit ausreichenden finanziellen Reserven zusammenschließen, um vielversprechenden Technologien das Laufen zu lehren. Auf globaler Ebene können Förderprogramme von Regierungen oder eine finanzielle Unterstützung Stiftungen kaum eine wirksame Hilfe sein. Sollte es der Koalition wirklich gelingen, eine Alternative zur traditionellen Gewinnung von Energie aus Sonne oder Wind zu einem Marktdurchbruch zu verhelfen, sei es ihnen auch verziehen, dass sie am Ende damit nur Geld verdienen wollen.

Warum aber der ganze Aufwand? Es gibt doch saubere Technologien zur Gewinnung von Energie aus Sonne und Wind, die dem Markt bereits zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stehen. Auch im Bauwesen.

Der wesentliche Nachteil von bewährten Methoden zur Energiegewinnung aus Sonne und Wind liegt in der Unvorhersehbarkeit der zur Verfügung stehenden Energiemenge. Sonnenschein an 24 Stunden des Tages und eine gleichbleibende Windgeschwindigkeit wären das Optimum. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Um heute eine zeitlich konstante Versorgung durch saubere Energie für das tägliche Leben sichern zu können, muss überschüssige Energie in Speichern zwischengelagert werden.

Diese Speicher sind aktuell aber noch nicht so weit, dass sie eine sinnvolle Ergänzung für das Energienetz der Zukunft darstellen würden. Batterien beispielsweise haben – verglichen mit Primärenergieträgern wie Kohle oder Erdgas – eine viel zu geringe Energiedichte. Dies führt dazu, dass die Reichweite von Elektroautos immer noch recht begrenzt ist, und erklärt, warum es keine Elektroflugzeuge gibt. Sie wären bei ausreichender Batterieleistung einfach zu schwer. Und preislich gesehen bewegen wir uns für die private Anwendung im trauten Heim leider immer noch in der Nähe der Luxusklasse.

Darum können uns Initiativen wie die „Breakthrough Energy Coalition“ weiterhelfen. Bill Gates beschreibt in einem Positionspapier, dass der Fokus auf den folgenden 3 Technologien liegen soll, um den Übergang zu sauberer, erschwinglicher und verlässlicher Energie zu schaffen:

  • Solarchemie – zum einen kann Wasser mit Solarenergie auf in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten werden. Letzterer kann direkt als Treibstoff genutzt oder in weiteren Prozessen beispielsweise in Kunstdünger umgewandelt werden. Zum anderen kann aus Wasser, Kohlendioxid und Sonnenenergie Kohlenwasserstoff hergestellt werden, aus dem wiederum Treibstoff gewonnen werden, der die Umwelt nicht durch zusätzliches Freisetzung von Kohlendioxid belastet.
  • Flussbatterien – der Reaktionspartner zur Speicherung von elektrischer Energie liegt in einem Lösungsmittel in gelöster Form vor. Redox-Flow-Batterien sind wiederaufladbar aber aufgrund der benötigten Speichergröße – Gates spricht hier von ‚Fischtanks‘ – eher für die industrielle als für die private Anwendung geeignet. Der Haken der Technologie liegt in der aktuellen Anwendung des seltenen Elementes Vanadium als Elektrolyt; hierfür müssten Alternativen gefunden werden, um eine Ausbreitung in größerem Maßstab zu ermöglichen.
  • Photovoltaische Farbe – würde es ermöglichen, nahezu alle Oberflächen in eine Solarzelle umzuwandeln. Zur Erläuterung der Technologie verweise ich der Einfachheit halber mal auf einen früheren Beitrag in der Bau-Praxis.

Aber auch Regierungen sind scheinbar nicht untätig. Unter dem Titel „Mission Innovation“ haben sich eine ganze Reihe von Ländern (Australien, Brasilien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Norwegen, Kanada, Korea, Saudi Arabien, Schweden, die Vereinigten Arabischen Emirate, UK und die USA) zusammengeschlossen, um

die öffentliche und private globale Energie-Innovation mit dem Ziel neu zu beleben und zu beschleunigen, um saubere Energie auf breiter Ebene verfügbar zu machen.

Wüsste ich vorher nicht, welcher Plan von Regierungen und welcher von Investoren aufgestellt wurde, wäre ich allerdings zu keiner Zeit im Zweifel. Aber gut, warten wir einmal ab, was daraus wird. Immerhin haben sich die USA und China im Vorfeld der COP21-Konferenz offensichtlich zu einer verpflichtenden Reduktion von CO2-Emissionen durchringen können. Ein globaler Anfang scheint also auf politischer Ebene gemacht. Und da der Immobiliensektor für grob 40% der CO2-Emission verantwortlich zeichnet, hat auch das Bauwesen noch ein paar Hürden zu bewältigen, bevor auch hier ausreichend saubere Energie eingesetzt werden kann.

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2 Kommentare

  1. Dirk sagt:

    Hallo, sie erwähnen die Batterien für Einfamilienhäuser preislich in die Luxusklasse. Nun haben wir uns Privat mal die Powerwall von Tesla angeschaut, welche ab 3.000 Euro + Motage usw. kosten wird. Diese soll im vergleich zu bisheren Angeboten um 2 Drittel günstiger sein und bei den Ersten im Einsatz. Frage ist natürlich wann sich diese rechnen. Allterdings sprach man auch von einer (garantioerten?) Haltbarkeit von bis 20 jahren.

  2. Stefan sagt:

    Naja, die Aussage stammt auch nicht direkt aus meiner Feder, sondern von einem Pressetext. Dass die Powerwall nicht so verkehrt sein kann, habe ich ja in einem früheren Artikel schon beschrieben:
    http://www.baupraxis-blog.de/mit-dem-tesla-an-der-wand/

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