Wärmepumpenstrom – Kosten und Nutzen

Sucht man im Internet nach Kostenentwicklungen für Heizöl, Erdgas oder Holzpellets, so wird man mit zahlreichen Diagrammen und Tabellen überhäuft und hat er die Qual der Wahl. Wie aber ist die Kostenentwicklung bei Wärmepumpenstrom? Die immer neuen Preiserhöhungen der letzten Zeit haben sicher auch dort Spuren hinterlassen. In Ermangelung vernünftiger Informationen habe ich mal ein wenig recherchiert.

Sucht man in den einschlägigen Foren in alten Beiträgen und bei den Energieversorgern in alten Tarifunterlagen (das Internet vergisst ja nichts), so ergibt sich die folgende Preisentwicklung über die letzten 15 Jahre. Wärmepumpenstrom ist also heute dreimal so teuer wie Ende der 90er Jahre. Die schöne Zeit des subventionierten Wärmepumpens ist also so langsam vorbei. Wärmepumpenstrom hat vielmehr die selbe Preissteigerung mitgemacht wie Heizöl oder Erdgas.

Lohnen sich Wärmepumpen denn dann überhaupt noch?
Ja! Aber nur wenn Planung und Ausführung stimmen.

Die Kenngröße für eine effizient arbeitende Wärmepumpe ist eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von mehr als 3,0. In diesem Fall werden durchschnittlich über das Jahr 1 kWh eingesetzter Strom in 3 kWh Wärmeenergie umgewandelt. Dies entspricht gegenwärtig ziemlich genau dem Verhältnis aus Wärmepumpenstrom (21 Cent/kWh) und Erdgas (7 Cent/kWh). Werden höhere JAZ erreicht, kann die Wärmepumpe wirtschaftlich betrieben werden. Bei JAZ kleiner als 3 hätte man besser einen Gaskessel gekauft. Auch dass eine Wärmepumpe kein Goldesel ist, wird dabei klar. Immerhin müssen über die eingesparten Energiekosten ja erst mal die höheren Kosten für die Wärmepumpenanlage inklusive der Erschließung der Wärmequelle (z.B. Erdwärmesonde) erwirtschaftet werden.

Wie aber kommt man auf hohe Jahresarbeitszahlen? Hier gibt es drei grundlegende Faktoren:

  • Welche Energiequelle wird genutzt (Außenluft, Erdwärme, Grundwasser)?
  • Welche Heizung (Heizkörper oder Flächenheizung) ist vorgesehen?
  • Wird über die Wärmepumpe auch Trinkwarmwasser erzeugt?

Je höher die Temperatur der Wärmequelle ist, umso wirtschaftlicher arbeitet die Wärmepumpe. Daher ist eine Grundwasser- oder Erdwärmepumpe hier stets einer Luftwärmepumpe vorzuziehen. Allerdings fallen erhebliche Kosten für notwendige Bohrungen oder Grabungen an. Die Wärmepumpe muss nun eine Temperatur erzeugen, die im Gebäude sinnvoll genutzt werden kann. Je niedriger diese Temperatur ist, umso effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Eine Flächenheizung mit rund 35°C Vorlauftemperatur ist also immer besser geeignet als Heizkörper mit Vorlauftemperaturen von 50°C bis 70°C. Daher halte ich (unabhängig von der Meinung einiger Wärmepumpenhersteller) einen Einsatz im un- oder teilsanierten Altbau auch für – freundlich formuliert – suboptimal. Im Idealfall haben wir rund 10°C Quellentemperatur und 35°C Vorlauftemperatur, also einen notwendigen Temperaturhub um 25 Kelvin.

Aufgrund der großen zu überwindenden Temperaturdifferenz möchte eine Wärmepumpe auch eigentlich kein Trinkwasser warm machen. Meist lohnt aber auch nicht die zusätzliche Installation eines getrennten Systems hierfür, so dass man hier eine weniger effiziente Erzeugung in Kauf nimmt. Zusätzliche Solarkollektoren können die Wärmepumpe zumindest im Sommer entlasten. Und schlussendlich gehört meiner Meinung nach zu einer Wärmepumpe immer auch ein Pufferspeicher. Wärmepumpen möchten nämlich möglichst dauerhaft durchlaufen und das können sie nur, wenn sie gleichmäßig Energie erzeugen und abgeben können.

Nach der Wahl des Systems steht dann die Installation an, die hoffentlich jemand durchführt, der sich mit Wärmepumpen auskennt. Zufrierende Wärmetauscher oder horrende Stromkosten sind meist ein Zeichen für eine falsche Dimensionierung. Wird z.B. die Entzugsleistung aus dem Erdreich falsch abgenommen und nicht tief genug gebohrt, kann es nur noch ein zusätzlich eingebauter Elektroheizstab richten.

Auch eine nachträgliche Erweiterung der Heizungsanlage ist genau zu prüfen. Wärmepumpen haben in der Regel nicht die Leistungsreserven eines Gaskessels. Andererseits darf die Wärmepumpe auch nicht maßlos überdimensioniert werden. Wie schon gesagt, muss die Energie auch abgenommen werden.

Das schlimme ist, dass die wenigsten Gebäudenutzer ein Gefühl für Heizkosten haben. Mein krassestes Beispiel: 26.000 kWh Verbrauch einer Wärmepumpe in einen großen Einfamilienhaus. Das Ding war komplett unbrauchbar und geheizt wurde nur über den Heizstab. Wer hat es gemerkt: Keiner! Erst als ich für ein Sanierungskonzept Verbrauchsdaten haben wollte, wurde der Techniker gerufen.

Feldstudien (FAWA, Eon, Frauhofer ISE) haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die real erreichten Jahresarbeitszahlen zum Teil deutlich niedriger liegen als die Herstellerangaben. Das liegt aber nicht unbedingt an der Qualität der Geräte sondern eher am mangelnden Fachwissen des Installateurs. Oder irgendein wirrer Planer/Bauherr wollte mal wieder eine Industriehalle mit Deckenstrahlplatten durch eine Luft-Wärmepumpe beheizen.

Für die eigene Kalkulation würde ich sicherheitshalber von den Jahresarbeitszahlen der Hersteller 0,5 abziehen. Wenn dann immer noch ein Wert gut über 3 übrig bleibt, sollte das System ordentlich arbeiten. Wärmepumpen, die schon planmäßig bei der Jahresarbeitszahl nicht über 3,2 oder 3,3 hinauskommen, würde ich folglich nicht wählen.

Fazit:
Wenn alle Randbedingungen stimmen, kann eine Wärmepumpe sehr effizient arbeiten. Und das auch trotz steigender Stromtarife, solange der Faktor 3 als Abstand zu Gas/Öl bestehen bleibt. Es sollte aber niemand Wunder erwarten. Amortisationszeiten von 3 bis 5 Jahren kann ich auch ausrechnen, wenn ich die Zahlen lang genug bearbeite. Realistisch ist das aber nicht.

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