Natürlich(e) Dämmstoffe

Kleine Häuser aus verschiedenen DämmstoffenIn Anbetracht von hohen Energiepreisen und Energieeinsparvorgaben gewinnt das Thema Wärmedämmung immer mehr an Bedeutung. Da der Einsatz von Dämmstoffen, die aus Erdöl hergestellt werden (beispielsweise EPS (Styropor) und XPS) in letzter Zeit sehr kontrovers diskutiert wird, kann in diesem Zusammenhang Naturdämmstoffen eine relevante Rolle zuteil werden. Sie weisen nicht zuletzt aufgrund der zumeist ökologisch verträglichen Herkunft ihrer Rohstoffe interessante Unterschiede gegenüber konventionellen Wärmedämmstoffen auf. Doch welche Möglichkeiten einer solchen Dämmung gibt es?

Holzfaserdämmung
Hergestellt aus entrindetem Restholz, erzielen Holzfaserdämmplatten eine Wärmeleitfähigkeit von 0,040 – 0,055 W/(m²K) und weisen gute wärmedämmende Eigenschaften auf. Zudem können Sie aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Rohdichte eine respektable Schallschutzwirkung aufweisen, überzeugen auch in puncto Wärmespeicherfähigkeit und können Feuchtigkeit regulieren. Sie gelten brandtechnisch als normal entflammbar (nationale Baustoffklasse B2, international E) und werden sowohl als flexible wie auch als druckbelastbare Dämmplatten angeboten. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten erlauben die Anbringung der Holzfaserdämmplatten unter anderem als Aufdach- und Zwischensparrendämmung. Geeignet ist dieser Naturdämmstoff auch als Trittschalldämmung sowie aufgrund seiner robusten Oberfläche und der hohen Materialfestigkeit auch als Putzträger in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS).

Zellulosedämmstoff
Zellulosedämmstoffe werden von den ökologischen Dämmstoffen am häufigsten eingesetzt. Dies liegt wohl insbesondere daran, dass dieser Dämmstoff verglichen mit konventionellen Dämmmaterialien wie Schaumdämmstoffen oder Mineralwolle ökonomisch konkurrenzfähig sind. Am Anfang der Produktion von Zellulosedämmung steht Altpapier, welches zerfasert und mit Borsalzen versetzt wird. So ist das Material sicher vor Ungeziefer- sowie Schimmelbefall und überdies brandbeständig und verrottungssicher. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 – 0,045 W/(m²K) besitzt diese Naturdämmung gute wärme- und schalldämmende Eigenschaften. Ferner enthalten die Zellulosefasern keine ausdünstenden Chemikalien, sind dampfdiffusionsfähig und wirken feuchtigkeitsregulierend. Zellulose wird wegen des ökologischen Aspektes gerne im Holzrahmenbau verwendet. Verfügbar sind entsprechende Produkte als Einblasdämmstoff und auch in Mattenform.

Dämmstoff aus Gras
Dämmstoffe aus See- und Wiesengras sind auch im Kommen. Der regional vorhandene, nachwachsende Rohstoff sorgt nicht nur für eine gute Energiebilanz, sondern auch für einen guten sommerlichen Wärmeschutz und ein angenehmes Raumklima. Der Dämmstoff aus Wiesengras ist CO2-neutral und besteht fast zu 100 Prozent aus Zellulosefasern. Er gilt als kompostierbar, hautfreundlich und gesundheitlich unbedenklich. Ferner bleibt die natürliche Eigenschaft des Wiesengrases, Feuchtigkeit zu regulieren, auch beim Einsatz als Wärmedämmung im Trockenbau erhalten. Seegras bietet zudem aufgrund des hohen Salzgehaltes einen natürlichen Brandschutz. Eine solche Dämmung erreicht die Baustoffklasse B2. Wiesen- und Seegras eignet sich insbesondere als Einblasdämmstoff für Altbausanierungen.

Flachs
Flachs (Linum) ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Gewonnen wird Flachsdämmstoff aus den Stängeln der Pflanze im Anschluss an eine mechanische Aufbereitung. Aufgrund seiner feuchtigkeitsregulierenden Wirkung ist dieses Material vor allem für eine diffusionsoffene Bauweise geeignet. Flachs ist zudem fäulnisresistent und besitzt einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Im Bauhandwerk kommt dieser Naturdämmstoff etwa bei der Innen- und Außendämmung von Außenwänden, zur Ausfachung von Balken- und Ständerkonstruktionen sowie als Zwischen- und Untersparrendämmung zum Einsatz. Eine beliebte Alternative zu Flachs stellt Hanf dar.

Schilfrohr
Schilfrohr (oder Reet) stammt von einer sehr schnell nachwachsenden Pflanze, dem Schilf. Das Schilfrohr wird geschnitten, getrocknet und sortiert, die Halme gebündelt, parallel zueinander in mehreren Schichten fest zusammengepresst und mit verzinktem Eisendraht verbunden. Eingesetzt werden kann es in und auf Dächern, in Innen- und Außenwänden oder als Putzträger für Wärmedämmverbundsysteme. Schilfrohr kann durch Sägen mit einer Kreissäge mit einem feinzahnigen Metallsägeblatt gekürzt werden. Die Befestigung kann durch Tellerdübel erfolgen. Schilfrohr ist alterungs- und fäulnisbeständig, sollte jedoch vor ständig einwirkender Nässe geschützt werden.

Stroh
Strohdämmstoff wird wegen der langen und kräftigen Halme häufig aus Roggen gewonnen. Zum Dämmen werden entweder Strohballen verwendet oder sogenannte Strohleichtbauplatten. Letztere enthalten zerkleinerte Strohhalme, die mit Bindemitteln wie Zellulose oder Lignin gebunden werden. Aufgrund des ökologischen Grundgedanken bei der Entwicklung dieses Dämmstoffes werden künstliche Additive zu Brand-, Feuchte- oder Insektenschutz kaum verwendet. Einsatzgebiete finden sich hauptsächlich dort, wo es nicht feucht wird und tierische Schädlinge nur schwer Zugang bekommen: in Wänden, in der obersten Geschossdecke, zwischen Lagerhölzern, in Hohlräumen oder als Zuschlag für Leichtlehm. Die Verwendung von Stroh als Bau- und Dämmstoff erfordert jedoch ein gewisses Maß an Erfahrung, warum auch nur Fachfirmen mit Stroh bauen sollten.

Wer im Übrigen wissen möchte, wie natürlich sein natürlicher Dämmstoff, der kann sich unter anderem bei natureplus.org schlau machen. Natureplus sieht sich als internationales Qualitätszeichen für nachhaltige und qualitativ hochstehende Baustoffe, Bauprodukte und Einrichtungsgegenstände. In der zugehörigen Produktdatenbank sind zur schreibenden Stunde 96 Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gelistet, die ein Zertifikat erhalten haben.

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3 Kommentare

  1. Jens B. sagt:

    Holzfaserdämmung kann ich bedingungslos empfehlen. Wir haben unser gesamtes Haus damit gedämmt (Dachsparren, Wände, Boden). Den ca. 2 fach höheren Preis stehen bessere Verarbeitungseigenschaften, sommerlicher Hitzeschutz und vor allem eine geniale Verträglichkeit von Feuchtigkeit gegenüber. Ich habe es selbst ausprobiert. Eine 14cm Holzfasermatte habe ich in der Mitte mit 2 Litern Wasser übergossen. Nach ca. einer Woche war alles wieder trocken! Gerade für Selberbauer und folienfreie Dämmung ist diese Eigenschaft unverzichtbar. Wird Steinwolle nass, kann man die ganze Dämmung vergessen. Holzfaser kann locker 20% Feuchte ab!

  2. Stefan sagt:

    Nur leider endet die Auswahl des Baumaterials häufig schon nach Bekanntwerden der Kosten…

  3. Waldemar sagt:

    “Wer billig kauft, kauft zweimal“

    Hallo Stefan,

    ich bin auch ein Fan von Holzfaserdämmung zweifellos einer der besten Dämmmaterialien heutzutage.

    Gruß Waldemar

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